— 6— fernt werden, und wäͤre, da dies die einzige mRoͤglichkeit, im Magen zu verſtauen. Daß uns trotz dieſer ausgiebigen Rraftzufuhr am erſten Tage unſerer Fahrt und einer erguikenden lachtruhe auf Strah⸗ ſäcken, die nur einmal durch eine leider erfolgloſe Jagd auf Maͤuſe unterbrochen wurde, am Morgen des nächſten Cages die 330 Stufen zur Plattform des münſters leichter geworden wären, lägt ſich kaum behaupten. Die Achtung vor Meiſter Erwins Werk wuchs mit jeder neuen Tetppenſtufe. Voch ein herrlicher Rundblick von oben belohnte uns und nicht ohne beſondere Anerkennung gedachten wir Goethes, nicht weil er mit ſolcher Begeiſterung von dem auch für uns herr⸗ lichen Dentmal gotiſcher Baulunſt geſchrieben hat, ſondern— Poeſie und Proſal— weil er bei ſeinem Bemühen, ſchwindelfrei zu werden, von ſeinem luftigen Standort nicht abgeſtürzt war.— Doch, wir durften nicht nur bewundern, wir wurden vielmehr auch bewundert. Einige Ausrufe zeigten das.„Deutſchlands letzte Rettung“ wurde mit der Antwort quittiert:„Und Frankreichs Endel“ Scheinbar batte der Französling, deſſen Gebege ſeiner nicht mal guten ähne das Wort entfloben war, genug von dieſer Antwort; ſein, böflich geſagt, nicht ſehr geiſtreiches Geſicht und ſchneller Abgang be⸗
wieſen das.„La guerre civile“ ſagte ein anderer. Wieſo wir den Bürgerkrieg darſtellten war uns zunächſt wenig klar. Als uns dann aber eine, wie es ſchien, den gebildeten Ständen an⸗ gehörige Dame fragte, ob wir denn unſere ſchwarz⸗rot⸗gelbe Jahne — wir hatten unſere Tourenfahne mit den Jarben des Päda⸗ gogiums, die uns vergangenes Jahr auf unſerer Rheintour auch begleitete, wieder mitgenommen— ſo offentlich tragen dürften, das ſeien doch die Revolutionsfarben von 48, da begann es uns zu däm⸗ mern. Stille Heiterkeit und umſo größere reude an den geliebten Jar⸗ ben warrn das lergebnis der kindlichen Anfrage. Im allgemeinen trafen uns in Straßburg wenige freundliche Blicke. Die Wackesgeſchichte von Fabern hat ſcheinbar das niedere Volk nicht gerade für Deutſch⸗ land begeiſtert. Oder war es etwa ſchon vorher ſo?
In Freiburg, dem nächſten Fiel unſerer Jahrt, gefiel es uns allein deshalb ſchon bedeutend beſſer. Wir bedauerten nur unendlich, daß der Turm des herrlichen Münſters, deſſen ſtreng gotiſche, himmelanſtre⸗ bende Schlankheit bewundern zu können wir uns ſo ſehr gefreut batten, mit einem rieſigen Holzgerüſt umgeben war. Acht Jahre ſoll das gräßliche Ding ſtehen bleiben, ſagte man uns. Um ſo mehr Be⸗ achtung fanden die anderen Bauten der Stadt, alte und neus. Beſon⸗ ders die für die moderne Baukunſt charakteriſtiſche neue Univerſität


