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Körperliche Ausbildung.
In dem ganzen Betriebe der Leibesübungen wurde den neuzeitlichen Geſichtspunkten Rechnung getragen. Von der wiſſenſchaftlichen Erkenntnis ausgehend, daß für die Geſund⸗ heit des Menſchen nicht ſo ſehr die Muskelſtärke als die Organkraft maßgebend iſt, wurde im Freiübungsgebiet den Rumpfübungen(Anterleibsorgane), im Leiſtungsturnen den volks⸗ tümlichen Aebungen, inſonderheit dem Lauf in allen ſeinen Formen(Herz und Lunge) ein breiterer Raum als ſeither zugeſtanden, ohne daß jedoch das Geräteturnen in ſeiner Be⸗ deutung für die Erziehung zu Mut, Kraft und Geſchicklichkeit vernachläſſigt wurde. Der Erlernung richtiger Atmung und der ſinngemäßen Verbindung der Atemführung mit allen Bewegungen der Leibesübungen wurde erhöhte Aufmerſamkeit gewidmet. Lockerungs⸗ übungen, die den Zweck haben, nach ſtarker Spannung die Entſpannung der Muskeln zu beſchleunigen und dadurch die Blutzirkulation zu beleben, wurden in die Freiübungen einge⸗ ſtreut. Die ſeeliſch anklingenden Lebensformen freieſter Art(Tier⸗ und Arbeitsbewegungen) ſtanden auf der Anterſtufe im Vordergrund. So wurde das für die Schule brauchbare Neue mit dem bewährten Alten verbunden.
Der allgemein verbindliche Spielnachmittag fand wieder allwöchentlich am Mittwoch Nachmittag ſtatt. Es wurden auf allen Stufen vornehmlich die an Erziehungswerten reichen Parteiſpiele gepflegt. Aus der Oberſtufe wurde eine Spielabteilung herausgezogen, die frei⸗ willig, auch Samstags, in den Ferien oft täglich, übte. Die Spielſtärke, die dieſe Abteilung erreichte, zeigte ſich in dem Ausgang der Wettſpiele, die mit anderen Schulen ausgetragen wurden. Die Fauſtballſpiele wurden alle bis auf eines gewonnen; die Handballſpiele wurden 3 hoch gewonnen(11:2, 6:0, 3:1,) zwei knapp verloren(1:3, 2:3). Die Spielgeräte konnten durch eine freiwillige Pfennigſammlung unter den Schülern beſchafft werden.
An Stelle der Reichsjugendwettkämpfe nahmen im vergangenen Schuljahr unſere Schüler an dem mit dem Kreisturnfeſt in Gießen verbundenen Schülerwetturnen teil, aus dem eine große Anzahl als Sieger hervorging.
Nachdem im vergangenen Jahre der Schwimmunterricht verſuchsweiſe in einer Quarta eingeführt worden war, war er in dieſem Jahre für alle Quarten allgemein verbindlich. Es wurde nach den von dem L. f. d. B. herausgegebenen Richtlinien ge⸗ arbeitet. Die Erfolge waren recht gute. Von 129 Quartanern ſind am Ende des Schuljahres 113 des Schwimmens kundig.— Außer den Quarten wurden auch andere Klaſſen z. T. regel⸗ mäßig zum Schwimmen geführt. Die monatlichen Wanderungen, die bei günſtigem Wetter regelmäßig ſtattfanden, wurden ebenfalls in den Dienſt der Leibeserziehung geſtellt. An der Stelle des Tagesausflugs trat in dieſem Jahre die Rheinfahrt. Eine dreitägige Wander⸗ ung machte die Klaſſe Antertertia 2 während der Pfingſtferien in den Taunus und nach Frankfurt unter Führung von Studienrat Schoen.
Geſundheitszuſtand.
Während des Sommerhalbjahres und im Winterhalbjahre, ungefähr bis Ende Novem⸗ ber, waren die geſundheitlichen Verhältniſſe ſowohl unter den Schülern als auch bei der Lehrerſchaft mit geringen Ausnahmen zufriedenſtellend. Seit Dezember indeſſen bis zu Ende des Schuljahres ließ der Geſundheitszuſtand der Schüler, insbeſondere zeitweiſe in den Anterklaſſen, und ganz beſonders der der Lehrer ſehr zu wünſchen übrig, ſodaß längere Wochen hindurch durchſchnittlich täglich 4—5 Lehrer wegen Krankheit vertreten werden mußten.
Stiftungen.
Von unſerem Studienrat Prof. Wentel erhielt die Lehrerbibliothek eine größere Anzahl Bücher. Ein ehemaliger Schüler Herr Schwarz in Frankfurt am Main ſtiftete eine große Röntgenröhre und eine Ventilröhre. Den beiden Gebern ſei an dieſer Stelle der Dank der Schüler ausgeſprochen.


