7
Am die Erleichterung der Anterrichts⸗ und Stundenverteilung machten ſich die Studienräte Schelhorn und Röder verdient. Sie ſtellten einen Stundenplan, einen Vertretungsplan und einen Aufſichtsplan mit auswechſelbaren farbigen Klötzchen her, die ihren Zweck in vollkommener Weiſe erfüllen und außerdem wahre Schmuckſtücke ſind. Weiter baute Studienrat Schelhorn unter Mithilfe des Studienrats Röder einen Radio⸗Apparat(4⸗Röhren⸗Schirmgitterempfänger), einen elektromagnetiſchen Lautſprecher und ein Netzanodengerät. Wir konnten außerdem dank einer zwei⸗ ten außergewöhnlichen Geldbewilligung der Stadt einen Elektrola⸗Sprechapparat, einen Kraftver⸗ ſtärker(4 Watt) mit Elektro⸗Schalldoſe(Cameodoſe) und elektro⸗dynamiſchem Lautſprecher anſchaffen. Ferner wurde die von uns beantragte Verdunkelungsvorrichtung in der Aula durch das ſtaatl. Hochbauamt angelegt. Die Anſtalt iſt nun, nachdem im vorigen Jahr ein auch für epiſkopiſche Wiedergabe geeigneter Lichtbildapparat beſchafft wurde, in die Lage verſetzt, den Anterricht durch Geſichts⸗ und Gehörseindrücke in mannigfachſter Weiſe zu beleben.— Für die Aufbewahrung des mathemat. Anſchauungsmaterials wurde ein vorhandener alter Glasſchrank inſtand geſetzt.
In der Woche vom 27. Mai bis 1. Juni befand ſich die Obertertia mit dem Klaſſen⸗ führer, Studienrat Dr. Kann, und dem Turnlehrer, Reallehrer Etz, im Jugendheim auf der Herchenhainer Höhe. Die Klaſſe war in drei Zimmergemeinſchaften geteilt, die ſich in freier Wahl zuſammenfanden. Die tägliche Beſchäftigung verlief in folgender Weiſe: Vor dem erſten Frühſtück eine halbe Stunde Gymnaſtik, von 9— 12 Ahr Anterricht in Latein und Geſchichte, einmal im Wald, ſonſt im Saal, Arbeitsunterricht, nachmittags Turnſpiele, mehrſtündige Gänge. Aus dem Bericht des Klaſſenführers geht hervor, daß die Anternehmung in jeder Hinſicht be⸗ friedigend verlaufen iſt.
Den Religionsunterricht der katholiſchen Schüler beſuchte am 8. Juli der Biſchof von Mainz.
Zur Reifeprüfung für Nichtſchüler im Herbſt lagen 16 Meldungen vor, 4 wurden zurückgezogen, 5 Prüflinge beſtanden nicht, dreien von dieſen wurde die Primareife erteilt. Den Vorſitz führte der Direktor. Eine zweite Reifeprüfung für Nichtſchüler fand an Oſtern ſtatt. Von 4 Prüflingen trat einer die Prüfung nicht an, einer beſtand nicht. An der ordentlichen Jahresreifeprüfung der Anſtalt beteiligten ſich ſämtliche 18 Oberprimaner und beſtanden ſämtlich. An der Reifeprüfung im Hebräiſchen beteiligten ſich außer 2 Gymnaſiaſten 2 Oberrealſchüler und eine Schülerin der Studienanſtalt. Die beiden Oſterreifeprüfungen ſtanden unter dem Vorſitz des Miniſterialrats Glückert.
Schulfeiern, Klaſſenfahrten, Beſuch von Vorträgen und Schauſtellungen.
Am 17. Auguſt fand die Verfaſſungsfeier ſtatt. Der Direktor ſprach über das Verfaſſungswerk und ſeine Bedeutung. Die Feſtſchrift„Deutſche Einheit, deutſche Freiheit“, die uns in einem Stück vom Kultusminiſterium zugeſchickt wurde, um ſie„anläßlich der Feier des zehnjährigen Verfaſſungstages einem beſonders würdigen Schüler als Geſchenkbuch auszuhändigen“, erhielt der Oberprimaner Dietrich Behrens.— Bei der Totengedenkfeier am 23. November ſprach Studienrat Dr. Blank über Kameradſchaft.— Bei der Heimkehr des Luftſchiffes„Graf Zeppelin“ wurde am 4. September, während ſich in Friedrichshafen die Landung vollzog, die Schülerſchaft zuſammenberufen und nach kurzer Anſprache entlaſſen.— Auch in dieſem Jahre fand anläßlich der Austragung der Reichsjugendwettkämpfe wiederum am 12. September eine gemeinſame Feier ſämtlicher Gießener Schulen, der höheren wie der Volks⸗ ſchulen, in der Volkshalle ſtatt. Die Feier ſtand unter dem Gedanken des Jugendherbergswerkes. Studienrat Dr. Flörke von der hieſigen Oberrealſchule hielt eine Anſprache über das Jugend⸗


