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Schüler und Anterricht.
Der Schülerbeſtand am 15. Mai 1928 war 188, darunter 5 Mädchen und 2 Gaſt⸗ ſchüler. Das bedeutet gegen 1927 einen Rückgang von 8 Schülern.
Leider verloren wir am Anfang des Schuljahres eine Schülerin durch den Tod. Die Antertertianerin Renate Horneffer ſtarb am 2. Mai nach ſchwerem Leiden. An ihrem Begräbnis nahmen der Lehrkörper und die Klaſſe geſchloſſen teil. Namens des Lehr⸗ körpers legte der Direktor, namens der Mitſchüler der Antertertianer Georg Hermann Marx einen Kranz am Grabe nieder. Das zutrauliche, heitere und friſche Weſen hatte der Ver⸗ ſchiedenen die Liebe der Lehrer und Mitſchüler erworben und wird ihr Andenken verklären.
Der verbindliche Anterricht wurde lehrplanmäßig erteilt. Mit Beginn des Schul⸗ jahres wurde mit Zuſtimmung der Elternſchaft auf Beſchluß des Lehrerrates der ſechsſtündige Vormittagsunterricht eingeführt, wodurch es gelang, die Nachmittage für die Schüler faſt gänzlich frei zu halten, was beſonders für die auswärtigen Schüler große Vorteile bringt.— Eine bedeutende Förderung erfuhr der Phyſikunterricht durch die Neueinrichtung des phyſik. Lehrſaals, in dem das Podium, die Bänke und die Wandtafel erneuert wurden. Das An⸗ ſchauungsmaterial für den Mathematikunterricht wurde durch die Anſchaffung einer grö⸗ ßeren Zahl von Modellen erweitert. Der Anterricht in Biologie und Chemie wurde nun vollſtändig in den Zeichenſaal verlegt, in dem die Einrichtungen zu dieſem Zwecke ergänzt wurden. Der Turnunterricht leidet noch unter der gänzlich veralteten Einrichtung des Turn⸗ ſaales. Die nötigen Erneuerungen ſind in die Wege geleitet. Vorläufig wurden zwei neue Ofen aufgeſtellt. Die zwei Wochenſtunden Bewegungsſpiele waren für alle Klaſſen in 4 Ab⸗ teilungen angeſetzt; da es ſich aber herausſtellte, daß in den beiden oberſten Abteilungen bei der großen Zahl der Teilnehmer die Aufſicht nicht wirkſam genug durchgeführt werden konnte, wurden dieſe nochmals halbiert, ſodaß in dieſen Klaſſen der einzelne Schüler nur noch alle 14 Tage zu zwei Stunden herangezogen wurde.— Die Anſchaffung eines unſeren Verhältniſſen entſprechenden Lichtbildapparates, die wir der Opferwilligkeit der Stadt Gießen verdanken, wird es in Zukunft ermöglichen, in allen Fächern in erhöhtem Maße den Anterricht durch die Anſchauung zu beleben und zu vertiefen. Allerdings wird dazu die Einrichtung der Verdunkelung unſerer Aula, die beantragt iſt, und die Anſchaffung eines ausreichenden Bildmaterials, eine Aufgabe der kommenden Jahre, nötig ſein.
Der unverbindliche Anterricht konnte gleichfalls dem Lehrplan entſprechend ein⸗ gerichtet werden— allerdings nur unter ſehr ſtarker Belaſtung der Lehrkräfte. Zwei Stunden Kurzſchrift wurden wiederum für die UII angeſetzt, die Beteiligung war gut. Wir weiſen hier, einem Auftrage des heſſiſchen Kultusminiſteriums folgend, auf die Wichtigkeit der Teil⸗ nahme an dieſem Anterricht hin. Auf Grund behördlicher Anordnung wird vom 1. Oktober 1928 ab von den in den heſſ. Staatsdienſt eintretenden Perſonen, mit Ausnahme der nicht im Büro⸗ dienſt beſchäftigten Anterbeamten, die Kenntnis der Einheitskurzſchriſt gefordert. Die Schüler ſollten alſo nach Erledigung des Einführungskurſus auch an ihrer Fortbildung arbeiten, indem ſie ſich in der Schule zu einem Kurzſchriftverein zuſammenſchließen oder ſich an außerhalb der Schule beſtehende Vereine anſchließen.— Der ſpaniſche Anterricht wurde wie im vorigen Schuljahr durch Studienrat Miſchler unverbindlich für die Schüler der Primen erteilt und am Ende des Schuljahres nach Abgang der Abiturienten ein italieniſcher eingerichtet. Die Kurſe ſind einjährig nnd zweiſtündig und können natürlich nur in die Elemente einführen.


