Jahrgang 
1929
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In Ausführung der Beſtimmungen des§ 19 der neuen Schulordnung, die im Laufe des Schuljahres erſchien, werden an der Anſtalt auf Beſchluß des Lehrerrates in Zukunft Weihnachtszeugniſſe nicht mehr ausgegeben.

Eine Zuſammenſtellung der Reifeprüfungen im verfloſſenen Schuljahr findet ſich an anderer Stelle des Berichtes. An der Reifeprüfung im Hebräiſchen nahmen außer 2 Ober⸗ primanern des Gymnaſiums 3 des Realgymnaſiums und 2 der Oberrealſchule teil. Eine Er⸗ gänzungsprüfung im Hebräiſchen beſtanden am 10. September 1928 drei Studenten der Theologie, Ludwig Büchler, Willi Hörnle und Auguſt Walter. Die Reifeprüfungen für Nicht⸗ ſchüler leitete Miniſterialrat Glückert, in den übrigen war der Direktor auch Regierungsver⸗ treter. Gelegentlich ſeiner Anweſenheit bei der erſten Prüfung beſuchte Miniſterialrat Glückert auch den Turnunterricht der Tertia und den lateiniſchen Anterricht in VI und V.

Schulfeiern, Vorträge, Schauſtellungen, Beſuch bemerkenswerter Ortlichkeiten.

Die übliche Verfaſſungsfeier fand am 18. Auguſt, die Totengedenkfeier am 24. November ſtatt. In der erſten ſprach Studienrat Dr. Wolkewitz über die Entwicklung des nationalen Gedankens, in der zweiten Studienrat Dr. Fiſcher, der den Schülern einige Erlebniſſe aus dem Weltkrieg darſtellte, dadurch ein lebendiges Bild von dem Heldenmut und der Hingabe unſerer Kämpfer entwarf und das Verſtändnis für die Leiſtungen dieſer Zeit und die Größe der Dankespflicht erweckte. Ein gemeinſames Feſt ſämtlicher Schulen Gießens wurde in Verbindung mit den Reichsjugendwettkämpfen am 12. September in der Volkshalle abgehalten. Oberſtudiendirektor Henk vom Realgymnaſium hielt die Feſtrede über Jahn, und die Anſtalten wetteiferten in der Schauſtellung mannigfachſter Leibesübungen und in der Darbietung muſikaliſcher Werke durch Chorgeſang und Orcheſter. Am 23. Februar fand eine Abſchiedsfeier für die Abiturienten ſtatt. Sie wurde in dieſem Schuljahr zum erſtenmal auf ausdrücklichen Wunſch der Abiturienten veranſtaltet. Abſchiedsreden hielten der Klaſſenführer Profeſſor Dr. Gundel und der Oberprimaner Ernſt Eckhardt Günther, der Direktor fügte ein Schlußwort an. Die Eltern der Abiturienten waren zur Feier eingeladen. Eine Schubertfeier, zu der die geſamte Elternſchaft eingeladen war, fand am 12. Dezember ſtatt, in der die Gedächtnisanſprache der Gaſtſchüler der Oberprima Fritz Candidus hielt. Die Feiern waren von muſikaliſchen Darbietungen umrahmt, die unter der Leitung des Ober⸗ reallehrers Blaß ſtanden. Außer dem Schülerchor wirkten bei inſtrumentalen Darbietungen mit: Studienreferendar Knaus, die Oberprimaner Kalbhenn, Kleine, Küſter, Pascoe, die Anter⸗ primaner Eger, Laqueur, Liebmann, Roſenberg, die Sekundaner Eger und Roloff. Bei der Schubertfeier ſang der Oberprimaner Loos zwei Lieder für Tenor, bei der Verfaſſungsfeier trugen die Tertianer Neumann und Schoenewolf und der Quartaner Schraub Gedichte vor. Eine Leſſingfeier, die die Anterprima ihren Mitſchülern geben will, und an der als Vor⸗ tragende die Schüler der Klaſſe Behrens, Bühler, Eger, Groh, Koehler, Laqueur, Liebmann, Lotz, Roſenberg und Wickert mitwirken werden, iſt in Vorbereitung.

Am 12. Juni ſprach vor den Klaſſen Obertertia bis Oberprima der Oberprimaner Fritz Candidus über das Deutſchtum in Santa Catharina in Braſilien. Er war ſelbſt dort in der Miſſion beſchäftigt und ſchöpfte alſo aus eigenen Erfahrungen. Der Oberprimaner Hans Ewald Kleine hielt am 26. Juni den Primen und Sekunden einen Vortrag über Albrecht Dürer. Am 2. Februar hielt den Schülern der Oberklaſſe Dr. Rehm, ein Vertreter des Nord⸗ deutſchen Lloyds, einen Vortrag mit Lichtbildern über Phyſik, Mathematik und Aſtromonie in der Schiffsführung.