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Gleich nach dem Mobilmachungsbefehle traten in das Heer ein Herr Prof. OBwald als Oberleutnant, jetzt Hauptmann(uerst bei der Immobilen Bahnhofskommandantur Raun- heim, dann nach vorübergehendem Aufenthalte in Meschede und Seligenstadt Führer einer Gefangenen-Kompagnie im hiesigen Lager), Herr Dr. Molz als Vizefeldwebel(eben als Neu- sprachler bei der Briefüberwachungsstelle beschäftigt), Herr Ernst Keller als Leutnant der Res. (Inf.-Regt. 116, später Führer der 9. Kompagnie), Herr Lehramtsassessor Dr. Kann als Unter- offizier der Res.(Inf.-Regt. 116, jetzt Vizefeldwebel), Herr Lehramtsreferendar Dr. Hoffmann als Offizier-Stellvertreter(Landwehr-Inf.-Regt. 116) und Herr Lehrer Heinrich Schepp als Unteroffizier der Res.(Inf.-Regt. 116).
Kurz darauf folgten ihrem Beispiele Hlerr Prof. Fuchs(Vizefeldwebel), Herr Prof. Urstadt (Oberleutnant, jetzt Hauptmann und Führer einer Kompagnie in Ober-Olm) und zuletzt Herr Dr. Gundel(Getzt Gefreiter im Res.-Inf.-Regt. 222) als Kriegsfreiwilliger. Herr Prof. Fuchs, der gleichfalls freiwillig eingetreten war, mußte leider aus Gesundheitsrücksichten seine Tätig- keit bei der hiesigen Rekrutenabteilung einstellen und konnte mit Beginn des Winterhalb- jahres seinen Dienst an unserer Anstalt wieder aufnehmen.
Die Mitglieder des Seminars, die im kierbste ihr erstes Vorbereitungsjahr hinter sich hatten, traten mit Ausnahme der Herren Dr. Meyer(Vizefeldwebel, jetzt Leutnant der Res. im Inf.-Regt. 90) und Paul, in das hiesige Infanterie-Regiment 116 ein. Es sind das die Herren Dr. Buß(Vizefeldwebel der Res.), Malzan, Dr. Roloff, Erich Schmidt und Wilhelm Schmidt(Unteroffizier der Res.).
Drei von den Lehrern der Anstalt hat die Hland des unerbittlichen Todes zum tiefsten Schmerze ihrer Schüler und ihrer Amtsgenossen aus unserer Mitte genommen.
Herr Oberlehrer Ernst Keller ist am 10. September 1914 bei Maurupt in Frankreich im Heldenkampfe gefallen. Ein Mann von goldenem Herzen und sonnigem Wesen ist in ihm von uns gegangen. Nur zwei Jahre hat er an unserer Anstalt gewirkt. Im Sturm eroberte er sich die Herzen seiner Schüler und hat sie festgehalten bis zuletzt. Er besaß eben die seltene Gabe, die nicht jedem Lehrer zufällt, seinen Schülern die Freiheit in ihrer Lebens- führung zu gewähren, die ihr jugendliches Wesen verlangt, und dabei sie doch mit fester Hand unauffällig nach seinem Willen zu leiten. Sie wußten, was sie an ihm hatten. Un- erschütterlich war ihr Glaube an sein Gerechtigkeitsgefühl, der besten Eigenschaft eines Menschen und eines Lehrers zumal, weil sie auf der Wahrheitsliebe beruht, und sie wußten, was sie seinem planmäßig vorgehenden, anregenden Unterricht zu verdanken hatten. Auch wir, seine Amtsgenossen, wissen, was wir an ihm verloren haben. In Treue fest, von herzerquickender Offenheit, geraden, schlichten Wesens, von einer unverwüstlichen Arbeitskraft und nie ver- sagenden Arbeitsfreudigkeit, voll von gesundem Humor, der OCottesgabe eines begnadeten Lehrers— so stand er unter uns in seinem Leben und so wird er fortleben in unserer Erinnerung.
Am 15. September starb gleichfalls auf Frankreichs Boden als zweiter aus unserem Kreise Hlerr Dr. Ludwig Hoffmann. Er gehörte seit Herbst 1912 unserem Seminare an und ver- brachte vom Herbste 1913 ab sein zweites Vorbereitungsjahr an unserer Anstalt. Erst nach seinem Tode traf seine Ernennung zum Lehramtsassessor ein. Er war noch kein fertiger Lehrer— wer ist überhaupt fertig?— aber als ein Werdender war er in seiner bescheidenen, klugen Weise dankbar für jeden Wink und jede Anregung, die ihm zuteil wurde. Seine pädagogische Begabung und sein starkes wissenschaftliches Interesse, wie es in dem Verkehre mit ihm, in seinen Arbeiten und Veröffentlichungen zutage trat, sicherten ihm die Erreichung des Zieles, das er sich als Lehrer und Celehrter gesteckt hatte. Sein stilles Sehnen ging nach


