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der Sturmwind einer eisernen Zeit hinweggefegt. Anders kann es nicht gewesen sein zur Zeit der Freiheitskriege, die in den Feiern des vorigen Jahres wieder eindringlich zu uns gesprochen hat. Auch dieses Mal leerten sich die oberen Klassen der höheren Lehranstalten, und ihre Schüler eilten mit ihren Lehrern voll glühender Begeisterung zu den Waffen, auch die der Gymnasien. jetzt mag noch einer kommen und dem Gymnasium den Vorwurf machen, es vernachlässige die Pflege der Vaterlandsliebe und erziehe die deutsche Jugend zu Oriechen und Römern. Die stille Erziehung zu ernster Pflichterfüllung wiegt schwerer als der geräuschvolle Hurrapatriotismus.
Unsere ganze Oberprima meldete sich zur Notreifeprüfung, um entweder die Waffen zu ergreifen¹) oder in den Krankensälen Samariterdienste an den armen Verwundeten aus- zuüben.²) Alle haben sie ausgehalten und z. T. schon ihr Blut opferwillig für das Vaterland hingegeben. Nur zwei von ihnen sind Weihnachten zurückgekehrt, der eine, weil er den Anstrengungen der Krankenpflege nicht gewachsen war, die andere nach erfolgreicher Samaritertätigkeit, weil den Schülerinnen die Ablegung der Notreifeprüfung nachträglich versagt wurde.
Und auch aus den anderen Klassen kamen sie, bis herunter zur Untersekunda, und wollten in der Stunde, wo das Vaterland rief, nicht hinter ihren älteren Kameraden zurück- stehen.²) Es sind für den Berichterstatter unvergeßliche, ernebende Augenblicke, als die jungen Menschen leuchtenden Auges, ergriffen von der Not des Vaterlandes vor ihn hintraten und ihm ihren glühenden Wunsch aussprachen, in die Reihen der Kämpfer einzutreten.
Von den Osterabiturienten des vorigen Jahres ist kaum einer zurückgeblieben, nur wenige aus den früheren Jahren, soweit sich das bis jetzt feststellen ließ. Durch das eiserne Kreu= zweiter, selbst erster Klasse¹) ist bereits mancher ausgezeichnet worden und leider hat schon mancher sein Leben auf dem Felde der Ehre lassen müssen. Es war unsere Absicht, dem Jahresberichte ein Verzeichnis aller der Schüler, wenigstens aus den letzten Jahren, beizugeben, die vor dem Feinde stehen. Es soll später geschehen; die Schwierigkeit, genauere Auskunft über jeden einzelnen zu erhalten, erwies sich jetzt noch als allzu groß. Und wenn erst der Krieg zu einem sieghaften Ende geführt ist, dann soll eine Ehrentafel in der Aula den späteren Geschlechtern die Namen derer verkünden, die das Dulce et decorum est pro patria mori nicht nur zu übersetzen, sondern auch durch ihren Heldentod zu betätigen verstanden haben, ihnen selbst zum ehrenden Oedächtnis, den Nachlebenden zur eindringlichen Mahnung.
Mit derselben Begeisterung wie die Schüler haben auch die Lehrer des Landgraf-Ludwigs- Gymnasiums, soweit Lebensalter und Körperkraft das zuließ, zu den Waffen gegriffen, mochte sie ihre militärische Pflicht rufen oder ihr freier Wille für sie bestimmend sein. Was sie ge- lehrt hatten von der Pflicht der Vaterlandsliebe, sollte durch ihre Tat lebendig werden.
¹) Hermann Aubel(Res.-Inf.-Regt. 222), Ludwig Bücking(Res.-Feldartill.-Regt. 21), Friedrich Dahmer
(Res.-Inf.-Regt. 222), Hartmut Funk(Inf.-Regt. 116), Albrecht Gerhard(Res. Inf.-Regt. 222), Otto Helm(Inf.- Regt. 116), Alexander Möckel(Res. Inf.-Regt. 222), Georg Heinrich Schirmer(Res.-Feldartill.-Regt. 56), Otto Trapp(Res.-Inf.-Regt. 222) 4
²) Albert Bieker(la), Heinrich Bayer(1b), Karl Gombel(la), Adolf Sternberg(lb) und Ferdinand Strack(Ia).
³) Rudolf Fourier IIa(Res.-Inf.-Regt. 222), Ernst Grein IIb(Res. Inf.-Regt. 222), Werner Gunkel Ib (Res.-Inf.-Regt. 222), Reinhard Kauß Ib(Inf.-Regt. 116), Hans Knieper IIa(Inf.-Regt. 110), Gustav Kutzner IIa (Res.-Inf.-Regt. 222), Hans Neuenhagen IIa(Inf.-Regt. 116).
⁴) Die Herren Leutnant Hans Erich Henning(Abit. 1912), Gerichtsreferendar Gerhard Vo ssius(Abit. 1006) und Oberlehrer Wilhelm Malzan(Abit. 1002).


