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Zu gleicher Zeit fing Herr Musiklehrer Geller mit der Einübung der von F. Mendels- sohn komponierten und von Otto Urban für einen gemischten Chor eingerichteten Chorgesänge an. In dem Oberprimaner Heinrich Roese, der die Klavierbegleitung übernahm, fand er einen verständigen Interpreten der Mendelssohn'schen Musik.
Die musikalisch-deklamatorische Aufführung der Antigone von Sophokles fand Freitag, den 11. Oktober, nachmittags 5 Uhr in der neuen Aula der Universität statt, die von dieser mit dankenswertem Entgegenkommen für die Festtage unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war. Einer Ausschmückung bedurfte der stimmungsvolle Raum nicht. Nur das Podium, auf dem die Deklamatoren mit sparsamer Geste ohne griechische Gewandung ihre Rollen zitierten, war mit Blattpflanzen bühnenartig hergerichtet. Davor sass der Sängerchor von 150 Schülern nebst dem Chorführer.
Die Aufführung leitete das Schülerorchester ein mit dem Adagio für Streichorchester und Klavier(Werk 411) von W. A. Mozart. Nach einem Vortrage des Unterprimaners Stephan Kann über Vorgeschichte, Charaktere und Konflikt des Dramas nahm das Spiel seinen Anfang. Sichtlich tief ergriffen folgten ihm die Zuhörer in atemloser Spannung und sprachen zum Schlusse allen Mitwirkenden in stürmischem Beifalle ihre Anerkennung aus. Nachdem die Ruhe wieder eingetreten war, ehrte der Sängerchor Herrn Musiklehrer Geller durch Überreichung eines Bildes.
Am Abend fanden sich die meisten Mitglieder des Lehrerkollegiums, einige Gäste und die Schüler der drei oberen Klassen in Steins Garten mehrere Stunden gemütlich zusammen.
Wir wollen an dieser Stelle gleich erwähnen, dass am 2. November die Aufführung wiederholt wurde. Trotzdem nämlich für den 11. Oktober jedem Schüler nur zwei Eintritts- karten für seine Angehörigen zugebilligt worden waren, reichte der mächtige Festraum nicht aus, um den Wünschen aller Einlassbegehrenden gerecht werden zu können. Die zweite, wohl noch trefflichere Aufführung fand einen ebenso dankbaren und fast ebenso zahlreichen Zuhörerkreis wie die erste. Das dieses Mal erhobene Eintrittsgeld wurde zum Teil zur Deckung der Kosten des Festes verwendet. Die übrigen Kosten übernahm unsere vorgesetzte Behörde mit dankenswerter Bereitwilligkeit.
Die Hauptfeier begann Samstag, den 12. Oktober, vormittags um 10 Uhr wiederum in der neuen Aula, die kaum die Zahl der Cäste zu fassen vermochte. Von den geladenen Ehrengästen waren leider Se. Exzellenz der Herr Minister des Inneren durch eine bereits früner eingegangene Verpflichtung und Herr Landgerichtspräsident Kullmann durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Die Staatsregierung vertraten die Herren Ministerialrat Geheimerat Dr. Eisenhuth und Herr Geh. Oberschulrat Nodnagel. Die Schwesteranstalten des Landes hatten in grösserer Zahl Vertreter entsandt.
Nach dem allgemeinen Gesange„Lobet den Herrn“(Str. 1 und 2) sprach Herr Professor D. Stamm das nachstehende Gebet:
„Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich! Wir wollen beten: Herr, du ewiger, allmächtiger und heiliger Gott, der du im himmlischen Heiligtum unsichtbar thronest und auf Erden spürbar waltest, wir erheben an diesem festlichen Tage, den du uns erleben lässest, unsere Herzen zu dir und preisen dich um aller Wohltat willen, die du uns bis zu dieser Stunde erwiesen hast. Wir danken dir, dass du diese Schule so lange erhalten hast in guten und bösen Tagen, auch durch die schlimmsten Zeiten hindurch,


