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anstatt des einfachen Ausdrucks zu setzen? Wenn diese Sphäre aber die Schiffahrt ist, so ist dies bei der Seetüchtigkeit des Griechenvolkes etwas durchaus Natürliches. Solche Ausdrücke beruhen also auf einer Art von verkürztem Gleichnisse,„wobei entweder der eigentliche Aus- druck Bestimmungen aus dem gedachten Gleichnisse aufnimmt, oder das Gleichnis an die Stelle des eigentlichen Ausdruckes tritt“*). Wie wir oben sahen, nannte Aeschylus den Herrn der Stadt den Schiffsherrn der Stadt, weil ihm dieser Ausdruck ein sofort für Jedermann bekanntes und vorstellbares Gleichnis darbot. So nennt er auch den Arkadier Parthenopäos, einen jungen schönen Mann, αααν εοτνα Sept. 515 einen Sproſs mit schönem Angesicht. Denn die*ορφρσσ des Mannes ist das Angesicht. So auch das gute Scholion: xaα⁵τοο durl roõ&vεαε,&x ¹, 0⁵α ο◻ε ⁶ναιι ε ε„eς.— 08 νmQṽνοοιoαe να die schanfen Lanzenspitzen Pr. 425.— Bei röᷣα alleορρον Ag. 222 liegt das Eigentümliche darin, daſs das Substan- tivum den Teil und das zweite Glied des Compositums das Ganze bezeichnet, insofern aνποα in solchen Verbindungen= 6 1 ist. Hält man daran fest, so hat allerdings Enger bei der Schwierigkeit, das attributive Compositum in seinem Verhältnisse wörtlich zu übersetzen, recht, wenn er erklärt: der Mund, der zu einem so schönen Antlitze gehörte. Das Adjectiv würde dann in der oben S. 8— 10 behandelten Weise einen Genetiv vertreten. Indessen scheint es mir doch wahrscheinlicher, anzunehmen, daſs der zweite Bestandteil in diesen Compositis eben- falls auf dem Wege ist seine Bedeutung fast aufzugeben, so dalſs ich unter or. xa⁴d. nur den schönen Mund verstehe.— Sehr zweifelhaft überliefert und ohne Analogie ist euvemπρυρέννι σρσενοε Td⁴ος Suppl. 956.—
Wenn ferner dem Tage und der Nacht ebenso wie einzelnen Gottheiten Rosse und Wagen zugeschrieben werden, so hat Hense poet. Pers. p. XXIV qurchaus recht, den Ursprung dieser Ausdrucksweise in dem„mythischen Bewuſstsein und der götterbildenden Phantasie der Alten“ zu erblicken. Also 2eνᷣeναοs*έοαα Pers. 384, uε*⁴ανοεmσαοs vis Fr. 66. Die schönen Epitheta erinnern sofort an plastische Darstellungen.— Demselben Grunde verdanken wir uννρνι*ε) xoαο Ch. 477. Dagegen liegt Suppl. 970*ασρέωυασασνν τπι2α⁴̃οιν ειιμ⁵οσοςα eαπι Liebe zu schöno gestalteten Jungfrauen ein gutes Beispiel der traiectio epitheti vor, und ist die Stelle demnach oben S. 17 nachzutragen.— Gegenüber diesen immerhin naheliegenden Personificationen frap- piert die kühne Verbindung àeεαν‿εν σοπmν der schwarze Sinn, eigentlich Schuarzgewand Pers. 114, wofür ich keine Analogieen kenne. Die von Hense S. 131—133 angeführten bleiben an Kühnheit des Bildes weit zurück.—
Sehr significant heiſst die rrxνν ⁶ευυσοσιμ⁵ς Ch. 937. Denn das Geschick nimmt oft schlimme Wege. Dasselbe scheint der Schol. mit der Erklärung dνlαεuros gemeint zu haben, falls er letzteres activ genommen hat.— Die Composita auf-oruoο haben eben so wenig wie die auf roxwe noch personificierende Kraft.—
Zum Schlusse rechne ich hierher Pr. 725:
raxela νντο Ta*uvonoola rvdgos 8906SevOς„αυπυιmι, ντο νυα vενν
Sprachlich sicher und poetisch schön ist die Erklärung: Die Schiffe Letren bei der Klippe als einem Séνos gewissermaſsen ein. Sie ist ihnen jedoch ein feindlicher Gastfreund, ebenso
*) Wecklein, Studien zu Aeschylus S. 5. **) Herm. ad Ag. 434: νιμασσ non semper proprie dicitur, sed refertur etiam ad alia, quae laudabilia vel ornata sunt.
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