Jahrgang 
1859
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quamquam ridentem dicere verum Quid vetat? ut pueris olim dant crustula blandi Doctores, elementa velint ut discere prima.

In einzelnen Fällen kann alſo auch dieſe Elementarkomik zur Anwendung kommen. Denn dem Sa⸗ tiriker dient jedes Mittel, wenn er ſeinen Zweck erreicht, und wenn er es mit Kindern und dem kindiſchen Jan Hagel zu thun hat, darf ihm auch ein Marionettenſpaß erlaubt ſein. Und wir erinnern hier nur an den Ausſpruch eines Sachverſtändigen ¹²):Die höchſte Bildung darf und ſoll das Derbkomiſche nicht fallen laßen. Daß übrigens Horaz dieſer Gattung der komiſch⸗ſatiriſchen Dichtung(den Mimen, den jocularia und verwandten Formen) keinen hohen poetiſchen Werth beilegt, gibt er ſelbſt mehrfach ganz unzweideutig zu erkennen, ¹⁵) wie er denn auch nur einen ſehr beſchränkten Gebrauch davon gemacht hat, und gelegentlich durchblicken läßt, daß auch hierin eine Meiſterſchaft ſich zu erkennen gebe. ¹⁴) Ich kann hiernach der Anſicht Kirchners nicht beitreten, welcher zu I, 5, 51 69 folgende Bemerkung macht:Der Dichter ſchickt ſich an, den abgeſchmackten Zungenſtreit zweier Narren ¹⁵) während der Mahlzeit vorzutragen, eine Tafelunterhaltung, die uns für den Geſchmack der römiſchen Magnaten ¹⁰) keine beſondere Achtung einflößt, von der man bei der Gegenwart dreier ſo großer Dichter(des Horaz, Virgil und Varius) wohl etwas Feineres erwartet hätte. Pöbelhaft iſt allerdings dieſe Scene; allein hat nicht Horaz dieſelbe gerade als ſolche characteriſiert? ¹⁷) Verdient er nicht vielmehr unſere Bewun⸗ derung wegen der glücklich gewählten Form der Verſpottung? Nur wenn er die Farben hier ſtark auf⸗ trug, mußten ſich die Wichte in ihrer ganzen Blöße darſtellen.)

b) Sat. II, 1, 83 u. 84.

Wir begegnen hier einem vortrefflichen Wortſpiel von der ſchlagendſten Wirkung. Nachdem Horaz in launigem Zwiegeſpräche mit dem berühmten Rechtsgelehrten Trebatius Teſta ſeine Berechtigung zum Satirenſchreiben nachgewieſen, und alle von ſeinem Gegner vorgebrachten Bedenklichkeiten ſiegreich beſeitigt, beendigt dieſer ſeine humoriſtiſchen Verwarnungen mit einer Hinweiſung auf das alte Geſetz, wonach die Verfaßer von Pasquillen(mala carmina gerichtlich belangt werden konnten, mit den Worten:Wiße alſo: Wer auf einen ſeiner Stadtgenoßen üble Verſe dichtet, dem droht Rechtsurtheil. Höchſt witzig greift nun Horaz den Doppelſinn des Ausdrucksmala carmina auf, und entgegnet:Ganz recht, wenn üble; aber wie? wenn gute Verſe, die bei Cäſar Beifall finden? wenn der Dichter ſelbſt ein Ehren⸗ mann, der nur den Schelmen geiſelt? Es wird nicht leicht einem achtſamen Leſer entgehen, wie diskret, wie graziös Horaz vermittelſt dieſer Wortſpielerei ſein Selbſtlob vorzutragen weiß(worüber weiter unten noch ausführlicher die Rede ſein wird), und wie er die armen Tröpfe, die ihm für ſeine Invectiven wohl manchmal mit jenem Geſetz gedroht haben mochten(für welche hier Trebatius ironiſch das Wort führt), durch dieſen witzigen Schluß der Satire dem Geſpötte preisgibt. Noch mehrere dieſer und ähnlicher Formen des Aus⸗ drucks, die ſich im Gebiete des Witzes bewegen, und von den Rhetorikern mit verſchiedenen Namen bezeichnet werden, laßen ſich bei Horaz nachweiſen, deren er ſich zum Zweck der Verſpottung gelegentlich mit Glück zu

¹¹) Viſchers, der mit Recht auf Shakspeare, Fiſchart, Jean Paul und Luther hinweiſt.

¹3) Z. B. I, 10, 5 u. 6.

¹4) I, 10, 8(reſp. 16):»Ergo non satis est risu diducere rictum auditoris; et est quaedam tamen hio quoque virtus.« ¹⁵) Des Meſſius Cicirrus und des Sarmentus.

¹6) Mäcenas, Fontejus, Coccejus.

¹¹) Was wir unten, wo von der Parodie die Rede iſt, nachgewieſen.

¹8) In ähnlicher Manier iſt ein poſſierlicher Streit zwiſchen dem Wucherer Perſius und Rutilius Rex(I, 7) geſchildert.