Jahrgang 
1850
Einzelbild herunterladen

13

was ich eben thue, den Frevler nämlich, der sich entweder durch Mord oder Beraubung von Heiligthümern schwer ver- gangen hat, gerichtlich zu belangen, sei es auch Vater oder Mutter oder jeder beliebige Andere, ihn aber nicht zu be- langen, ruchlos. Denn betrachte doch nur einmal, o Sokrates, was ich dir für einen starken Beweis dafür anführen werde, dafs es sich wirklich so mit dieser Bestimmung verhält, wie ich auch schon Andern bereits gesagt habe, dafs dieses recht wäre, wenn wirklich der Fall einträte, dem Frevler durchaus nichts hingehen zu lassen, und wenn es Gott weifs wer würe. Die Menschen hegen ja selbst die Ansicht, dafs Zeus der beste und gerechteste unter den Göttern sei, und dennoch

estehen sie von demselben ein, daſs er seinen eignen Vater gefesselt habe, weil er seine Söhne gegen alles Recht ver- schlungen, und von jenem wiederum, daſs er seinen eignen Vater wegen anderer ähnlicher Veranlassungen entmannt habe. Gegen mich aber sind sie aufgebracht, weil ich meinen Vater belange, der Uebels gethan, und so sind sie im Wider- spruch mit sich selber in Bezug auf die Götter und auf mich.

Sokr. Das ist denn auch wohl gar der Grund, o Eu- thyphron, weshalb ich gerichtlich verfolgt werde, weil ich es, im Falle Jemand dergleichen Dinge von den Göttern aussagt, mit einem gewissen Unwillen aufnehme? Und darum wird auch, wie es scheint, Mancher behaupten, dafs ich darin einen Fehler begehe. Wenn nun auch du darin gleicher Ansicht bist, der du dich so gut auf Dinge der Art verstehst, so müssen es, wie es scheint, auch Leute wie ich bin zu- geben. Denn was sollen wir am Ende sagen, da wir ja selbst das Geständnifs ablegen, nichts von diesen Dingen zu ver- stehen? Aber sage mir bei dem Gott der Freundschaft(27), glaubst du in Wahrheit, daſs dieses so vorgekommen ist?

Enth. Ja sogar noch Wunderbareres, als dieses ist wovon die meisten Leute gar nichts wissen..

Sokr. Du glaubst also, dafs in der That auch Kriege bei den Göttern unter einander vorkommen, und gewaltige Feindschaften und blutige Kämpfe und viele andere Dinge dieser Art, wie sie von den Dichtern erzählt werden, und