Jahrgang 
1850
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wie sie sowohl an andern heiligen Orten von guten Mahlern künstlich für uns dargestellt sind, als auch namentlich das bekannte Prachtgewand, welches an den grofsen Panathe- näen(28) in die Akropolis hinaufgetragen wird, voll von solchen Kunstverzierungen ist? Sollen wir das als wahr an- nehmen, o Euthyphron?

Euth. Nicht allein das, o Sokrates, sondern, wie ich

eben sagte, noch gar vieles Andere kann ich dir, wenn du es anders wünschest, von den göttlichen Dingen erzählen, wovon ich gewiſs weiſs, daſs du, wenn du es hörst, darüber erstaunen wirst. 7. Sokr. Darüber würde ich mich gar nicht wundern. Du kannst mir das aber ein andermal in einer freien Stunde erzühlen. Jetzt aber versuche es, dich über das, wonach ich dich so eben fragte, deutlicher auszusprechen. Du hast mich nämlich, o Freund, vorhin nicht befriedigend belehrt, als ich dich fragte, was denn das Fromme eigentlich wäre, sondern du sagtest mir nur, dafs das fromm ist, was du jetzt thust, indem du deinen Vater wegen Todtschlags belangst.

Euth. Ich sagte aber doch zum wenigsten die Wahr- heit, o Sokrates.

Sokr. Es würe möglich. Du behauptest aber doch, o Euthyphron, dafs es noch gar viel anderes Frommes giebt.

Euth. Ja das giebt es auch.

Sokr. Du erinnerst dich indessen, dafs ich dich nicht dazu aufforderte, mich über einen oder zwei Fälle von dem vielen Frommen zu belehren, sondern eben über den Begriff selber, dem zufolge alles Fromme fromm ist. Du sprachst dich ja auch, irre ich nicht(29), dahin aus, daſs unter einer- lei Gestalt das Ruchlose ruchlos, und das Fromme fromm sei. Oder besinnst du dich nicht darauf?

Euth. Ja wohl.

Sokr. Ueber diese Gestalt also selbst belehre mich, welche sie eigentlich ist, damit ich im Hinblick auf dieselbe und unter Benutzung derselben als eines Musterbildes das, was von dem, was etwa du oder irgend ein Anderer thut, ein solches ist, für fromm erkläre, was aber nicht ein solches, nicht dafür ausgebe.