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der Halle des Basileus(3)?7 Du hast doch wohl nicht gar auch einen Rechtsstreit bei dem Basileus, wie ich.
Sokr. Ja nun die Athenäer zum wenigsten, o Euthy-
hron, nennen es nicht Rechtsstreit, sondern Staatsanklage(4).
Euth. Was sagst du? Es hat also allem Anschein nach(5) Jemand eine Staatsanklage gegen dich eingereicht(6)? Denn das kann ich mir wenigstens nicht einbilden, daſs du gegen einen Andern.
Sokr. Das ist auch keineswegs der Fall.
PEuth. Im Gegentheil ein Anderer gegen dich?
Sokr. Allerdings.
Euth. Wer ist der?
Sokr. Ich selbst, o Euthyphron, kenne eigentlich den Mann nicht einmal recht. Er scheint mir nämlich ein noch junger und unbekannter Mensch zu sein. Doch nennen ihn die Leute, wie ich glaube, Meletos(7). Dem Stamme nach ist er ein Pitthier, wenn du dich vielleicht auf einen Pitthier Meletos besinnst, welcher langherabhängende Haare(8), nicht gerade starken Bart(9) und eine eingebogene Nase(10) hat.
Euth. Ich besinne mich nicht, o Sokrates. Was hat er denn aber für eine Klage gegen dich eingereicht?
Sokr. Was für eine fragst du(11)? Eine solche, die ihm meines Bedünkens durchaus nicht zur Unehre gereicht. Denn dafs er sich als ein junger Mann auf eine so wichtige Sache versteht, das ist gar keine Kleinigkeit. Derselbe weifs nämlich, wie er sagt, auf welche Weise die jungen Leute verdorben werden, und wer ihre Verderber sind. Vielleicht ist er wohl gar ein Weiser, und weil er meine Unwissenheit eingesehen hat, in Folge deren ich seine Altersgenossen verderbe, so wendet er sich, um mich zu verklagen, wie an seine Mutter, an den Staat(12). Auch scheint er mir unter
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namentlich die unter Anmerk. 28 mitgetheilte Beschreibung des panathe- näischen Festes.
Auſser den allgemein bekannten Hülfsmitteln habe ich noch besonders die Abhandlung des Professors Yxem»über Platon's Euthyphron« in dem Programm des Königl. Eriedrich-Wilhelms-Gymnasiums Berlin 1842. hier und da benutzt.


