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Wort Jegaxela für einen Begriff verbinde. Sokrates stellt nämlich die den Göttern gewidmete Behandlung der Behandlung von Pferden, Hunden und Rindern gleich und Euthyphron nimmt keinen Anstoſs daran. Erst die Frage des Sokrates: ob denn die Götter auch durch die ihnen gewidmete Be- handlung besser werden, wie die eben genannten Geschöpfe? leitet ihn auf die passendere Vergleichung: es sei eine Behandlung, wie sie zwischen Knechten und Herren Statt findet, also so viel wie ein Dienst. Da nun aber nach Sokrates Ansicht jede Dienstleistung zur Erwirkung irgend eines Werkes geschieht, so z. B. die an Aerzte zur Herstellung der Gesundheit, die an Schiffszimmerleute zu der eines Schiffes, die an Baumeister zu der eines Hauses, so soll nun Euthyphron auch angeben, zu welches Werkes Hervorbringung die Dienstleistung an die Götter behülflich sei. Euthyphron meint, daſs es deren sehr viele und schöne gebe, macht aber keines namhaft. Sokrates bemerkt daher, dals man doch wohl eines als das wesentlichste (hauptsächlichste, 2ee1εο angeben könne, wie bei dem Feldherrn den Sieg, bei dem Landmann die Erzielung der Nahrung. Euthyphron weils nun dieses Alles, wie er versichert, es wäre aber jetzt viel zu weitläufig, um es abzumachen. Um indessen den wiederholten Fragen des Sokrates endlich einmal ein Ziel zu setzen, und sich kurz zu fassen, erfolgt die Erklärung: dals, wenn es Jemand verstehe, durch Gebet und Opfer den Göttern Angenehmes zu sagen und zu thun, dieses das Fromme sei; die Frömmigkeit wäre also die Wissenschaft des Betens und Opferns, d. h. die Wissenschaft des Bittens und Schenkens an die Götter. Daraus, bemerkt nun Sokrates weiter, geht also das hervor, daſs, da man nur um dasjenige bitte, wessen man selber bedürfe, und nur dasjenige schenke, was Andere nöthig hätten, die Frömmigkeit eine Kunst des Handelns oder Tauschens (eine Kunst des gegenseitigen Handelsverkehrs) zwischen Göttern und Menschen sei. Nun aber verlangt Sokrates, Euthyphron solle angeben, welchen Nutzen möglicherweise die Götter von unseren Geschenken haben können, denn die grofsen Vortheile ihrer Gaben seien Jedermann bekannt, da wir ja überhaupt nichts Gutes besitzen, was sie nicht gegeben hätten. Daſs die Götter Vortheile aus unseren Geschenken ziehen, will auch Eu- thyphron nicht Wort haben, sondern nur, dalſs unsere Geschenke lediglich Ehrenbezeigungen, Ehrengaben, und, was schon vorher gesagt worden war, etwas ihnen Angenehmes seien. Da nun aber Euthyphron weiter behauptet, daſs das Fromme den Göttern nicht blos angenehm, sondern sogar besonders lieb sei, so kommt natürlich wieder Alles auf den früher besprochenen Punkt d. h. auf den von Sokrates(p. 7. cap. VII sub fin.) als falsch nachgewiesenen Satz zurück: fromm ist, was die Götter lieben. Daſs nun aber die Erörterung des zu behandelnden Gegenstandes kein befriedigenderes Ergebniſs geliefert hat, giebt dem Sokrates Veranlassung, nochmals an Daidalos zu erinnern. Euthyphron ist ja in seinen Reden ein weit grölserer Künstler, als Daidalos, indem er nicht nur nicht bleibende, wandelnde, (Hadigovrag), sondern sogar im Kreise herumwandelnde(ν ναννν T2οιι⁶ιητ ⁴αε* Kunstwerke bilde. Seine Rede ist nämlich rund herumgegangen und nun wieder ganz an demselben Orte angekommen, von wo sie ausgegangen war.— Sokrates, der sich beim Beginne der Unterredung anscheinend mit


