Verschiedenes.
Der grosse Tagesausflug fand am 31. Mai statt. Während sich die Klassen VI bis O III dem Odenwald zu- wandten, dehnten die beiden Oberklassen ihren zweitägigen Ausflug bis Wimpfen-Heilbronn-Weinsberg bezw. Wimpfen-Neckarsteinach-Heidelberg aus. Daneben wurden kleinere Spaziergänge gemacht. Zum Besuch der Aus- stellung mittelrheinischer Kunst in Darmstadt führten die Herren Dr. Flöring und Mössinger die beiden Oberklassen, Dr. Flöring die O II ausserdem zum Besuch des Wormser Doms und zu einer Aufführung der Zauberflöte im Landestheater. Am 7. Juli wohnten alle Schüler den Vorführungen einer Kunsttöpferei mit der rotierenden Scheibe bei, am I. Februar der Vorführung des von der hiesigen Hafenbetriebsgesellschaft zur Verfügung gestellten Krupp- Deulig-Films Kohlenbergbau.- Am 19. September besichtigten mehrere Lehrer und etwa 50 Schüler die landwirt- schaftliche Ausstellung in Darmstadt. Herr Mössinger besuchte am 16. März. mit der Obersekunda das Atelier des Bildhauers Winter in Gernsheim, der an der Vervielfältigung der Fallgartner Madonna arbeitet. Die Schüler lernten dort ausser der wundervollen gotischen Tonstatue auch mancherlei über die Technik des Formens und die Vorgänge im Töpferofen kennen.
Die Reichsjugendwettkämpfe fanden am 10. September statt. Es hatten sich 23 Schüler gemeldet, von denen 21 die für die Sieger vorgeschriebene Punktzahl erreichten. Die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten erhielt in Gruppe I Rudolf Kunz(III a 2) mit 115 Punkten, in Gruppe II Hermann Kern(III a 2) mit 142 Punkten.
Hitzfrei wurde gegeben am 17. Juni, 12. Juli und 3. September.
Der Stadtverwaltung Gernsheim danken wic auch in diesem Jahr für die Wiederherstellung mehrerer Schulräume.
Es kann den Eltern nicht unbekannt sein, dass Staat und Wirtschaft an die Vorbildung ihres Nachwuchses immer höhere Anforderungen stellen, so dass die Primareife— oder besser das Reifezeugnis— zur Erlangung einer einigermassen gehobenen Lebensstellung unbedingt erforderlich ist. Gleichzeitig sind aber auch die der Schule vor- geschriebenen Lehrforderungen gegen früher ebenfalls erheblich gestiegen, sodass nur derjenige mit Aussicht auf Erfolg mitarbeiten kann, der Begabung mit Fleiss vereint, und der nicht die Zeit über seinen Büchern verträumt, son- dern sie benutzt, um den Stoff wirklich zu verarbeiten. Gar oft wird ein Kind von den Eltern für fleissig gehalten, weil es stundenlang über seinen Schularbeiten sitzt, und doch entspricht der Gewinn nicht der aufgewandten Zeit, weil die Arbeit die notwendige Intensität und Konzentration vermissen lässt, und die Kontrolle fehlt, ob der Stoff auch wirklich zum geistigen Besitz geworden ist. Der Schüler ist oft selbst erstaunt, dass er im Unterricht versagt, da«er es doch gelernt hat». Dabei hätte er am Tage zuvor selbst schon feststellen können, dass seine Arbeit noch nicht genügte, wenn er durch eine kurze schriftliche Skizze oder durch mündliche Wiederholung aus dem Gedächtnis einige Zeit nach der Durcharbeitung des beireffenden Stoffs sich von dem Erfolg seines Lernens überzeugt hätte. Bei der grossen Bedeutung, die die Hausarbeiten für den Schulerfolg haben, ergibt sich hier für die Eltern ein wichtiges Moment der Mitarbeit durch Beobachtung der Arbeitsmethode, von der die Güte der Arbeit in weit- gehendem Masse abhängt. Und wie in der Wirtschaft, so ist auch auf der Schule die Qualität der Arbeit auschlag- gebend. Die gestellten Hausarbeiten sind nie so umfangreich, dass sie der Schüler nicht in 2—3 Stunden gut er- ledigen könnte, wenn er sie mit dem nötigen Ernst in Angriff nimmt. Das Arbeiten bis in die späten Nachtstunden hat keinen Wert, entzieht den Kindern den nötigen Schlaf und lässt sie am andern Morgen unausgeruht zur Schule kommen. Ebenso schädlich wäre natürlich die nächtliche Inanspruchnahme der Kinder zu gewerblichen Zwecken oder die Teilnahme derselben an Tanzvergnügen und ähnlichen Veranstaltungen. Leider muss man feststellen, dass nach dem Kriege der Wille zur Arbeit und damit auch deren Güte nachgelassen hat, da andere Dinge, Kino und Tanz, Fussball, Zigarette und Alkohol schon im Leben der Schüler eine zu frühe Rolle spielen, hinter der die heute doppelt nötige, gewissenhafte Sicherung der Zukunft zurücktreten muss. Hier ist die Schule machtlos, wenn nicht die Eltern eingreifen und durch Ueberwachung des Verkehrs und des Taschengeldes, sowie durch besondere er- zieherische Massnahmen dafür Sorge tragen, dass im eigensten Interesse ihrer Kinder zuerst die Schularbeit und eine vernünftige Erholung, dann massvoll eingeschränkte Vergnügungen kommen. Geeigneter Lesestoff für die freie Zeit


