Jahrgang 
1928
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Beim Jugendfest am 24. Juni ging es wieder in festlichem Zuge nach dem Gernsheimer Wald, wo sich bald ein munteres Treiben entwickelte. Studienrat Stöppler konnte dort zum ersten Mal das neugebildete Mundharmo- nikaorchester vorführen, dessen Leistungen immer grösseren Anklang finden. Dazu kamen gut einstudierte Frei- übungen der Knaben und Reigen der Mädchen mit Musikbegleitung, eine zündende Ansprache von Studienrat Herbert, die humoristische Pantomime Goliath und David, Gedichte der heiteren Muse und Chöre, sodass ganz im Einklang mit einem Tage der jugend eine recht ausgelassene Stimmung Platz griff, die im bunten Teil beim Sacklaufen, Wurstschnappen usw. sich noch erhöhte. Mehreren Eltern danken wir für freundlichst gestiftete Preise.

Bei der Verfassungsfeier am 18. August sprach Studienassessor Dr. Flöring in einer dem Verständnis der Schüler gut angepassten Weise über die Bedeutung des Vaterlandes und der kulturellen Güter und deren Schutz durch die Verfassung, aber auch über unsere Pflichten dieser Verfassung gegenüber. Die Feier des 80. Geburtstages unseres Reichspräsidenten von Hindenburg wurde am 15. Oktober nachgeholt. Studienrat Bischoff schilderte in warmen Worten den Lebenslauf des Gefeierten und entwarf ein eindrucksvolles Bild des ruhmreichen Heerführers, des verdienstvollen Staatenlenkers und edlen Charakters.

Unsere Toten im Weltkrieg ehrten wir am 10. November. Herr Benefiziat Becker gedachte bei der Feier in zu Herzen gehenden Worten der blutigen Opfer, die unsere Väter und Brüder für uns gebracht, und die uns die Pflicht auferlegen, ihre Treue zu vergelten und uns der Opfer würdig zu erzeigen.

Zum Besten des Ausbaues unserer Schulbühne hielt Studienassessor Dr. Flöring am 27. November in der Turnhalle der Realschule einen Lichtbildervortrag über Spanien, der dadurch besonderes Interesse gewann, dass der Vortragende sich auf eigene Reisen in Spanien stützen konnte. Bei dieser Veranstaltung wirkten noch Frl. IIse Reichenbach(Klavier) und Studienrat Dr. Stiefenhofer(Tenor), beide aus Darmstadt, durch Vortrag spanischer Klaviermusik und spanischer Lieder mit.

Den Höhepunkt unserer Feiern bildete, wie alljährlich, die Weihnachtsfeier, zu der der Zudrang aus allen Teilen der Gernsheimer und auswärtigen Bevölkerung gross zu sein pflegt. Auf der auch in diesem Jahre weiter vervoll- kommneten Schulbühne führten Schüler und Schülerinnen der Anstalt ⸗Die Glocke von Innisfare⸗, ein Weihnachts- spiel von Halm-Häger, die Fierodesszene aus einem erzgebirgischen Weihnachtsspiel und eine weihevolle Engelszene vor der Krippe zu Bethlehem auf. Die Verbindung zwischen diesen Darbietungen wurde durch Deklamationen, Chöre und Vorträge des Orchesters gebildet. Alles fügte sich gut zu einem von echter Weihnachtspoesie durch- wobenen stimmungsvollen Bilde zusammen, dem die von der Tochter des verstorbenen Kollegen, Prof. Dörr, ent- worfenen Kostüme einen besonderen Reiz verliehen. Das Haupiprogramm wurde am folgenden Abend noch ein- mal als Wohltätigkeitsvorstellung zum Besten des Bundes der Kinderreichen gespielt.

Vor einem zahlreichen Zuhörerkreis sprach am 4. März Reallehrer Mössinger über das Zeichnen der Kinder und Naturvölker und gab an Hand zahlreicher, selbst hergestellter Lichtbilder einen interessanten Einblick in diesen Zweig primitiver Kunst.

Des 75. Geburtstages des hessischen Staatspräsidenten Ulrich gedachten wir am 28. Januar in einer schlichten Feier, bei der Herr Studienrat Roth die Persönlichkeit des Herrn Staatspräsidenten und seine Verdienste um unser engeres Vaterland seit den Tagen der Revolution bis heute würdigte.

Können wir also auch im verflossenen Jahre auf eine Reihe schöner Feiern zurückblicken, so verdanken wir deren Zustandekommen in erster Linie dem schönen und verständnisvollen Zusammenarbeiten aller Herren des Lehrer- kollegiums, die sich durch eigene Vorträge, Auswahl und Einstudieren der Deklamationen und Bühnenstücke(Dr. Burk und Dr. Flöring), der Chöre und Musikvorträge(Studienrat Stöppler), durch Auf- und Ausbau der Bühne und der Dekorationen(Studienräte Roth, Herbert, Reallehrer Mössinger) Verdienste erwarben, und denen auch an dieser Stelle noch einrmnal gedankt sei, wie auch allen Schülerinnen und Schülern, die sich ihrer oft nicht kieinen Rollen mit Liebe und Geschick entledigten.

Unsere Jahresschlussfeier, verbunden mit Zeichenausstellung, wird am 30. März stattfinden und dem Gedächtnis Dürers, dessen 400. Todestag am 6. April gefeiert wird, gewidmet sein. Studienassessor Dr Flöring wird dabei die Festrede halten.