Jahrgang 
1917
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Dankesschreiben der mit den Gaben bedachten Feldgrauen aus Gernsheim und Umgebung.

Neben dem Danke für die Spender kommt immer der Wunsch nach Frieden in ihnen zum Ausdrucke. Einige Proben aus diesen von dem ausserordentlich guten Geiste unserer Kämpfer zeugenden Dankesschreiben seien als Mah- nung aus ernster Zeit hier wiedergegeben, wie überhaupt hoffentlich gute Frucht aus dieser Saat spriesst.

Ein Offizier schreibt: Stellung, am 4. Jan. 1917.

An die Grossh. Realschule zu Gernsheim.

Ich bestätige den Empfang Ihrer schmackhaften Weih- nachtsgabe und spreche hierfür meinen herzlichsten Dank aus. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass meine engere Heimat meiner gedacht hat, aber ich wünsche doch, dass es für die Heimat und uns draussen die letzte Weihnacht gewesen sein möchte, die wir in diesem schweren Kampfe erlebt haben. Ich stehe mit meinen braven Landstürmern, von geringen Unterbrechungen abgesehen, nun schon im dritten jJahre in vorderster Linie und wir haben manche schwere Stunde, aber auch manchen schönen Erfolg hinter uns. Ich muss immer wieder diesen Leuten, die wahrlich keine Jjünglinge mehr sind, meine Anerkennung zollen für ihr tapferes Aushalten im Kampfe und im Ertragen der Witterungsunbilden. Mögen sich die Jungen ein Beispiel daran nehmen.

Mit treudeutschem Grusse!

Leutnant u. Kompagnieführer im 2. Landst.-Inf.-Bat. Darmstadt(XVIII. 12.) 3. Kompagnie.

Einfache Soldaten schreiben: Im Felde 25. XII. 16.

Titl. Direktion der Grossh. Realschule zu Gernsheim.

Ganz überrascht war ich, als am hl. Abend ein kl. Liebespaket Ihrer Schule in meinen Besitz gelangte. Selbst- verständlich halte ich es für meine Pflicht, Ihnen dafür den allerbesten Dank auszusprechen. Mag das Päckchen noch so klein sein, es spricht dafür, dass die Feldgrauen in der Heimat noch lange nicht in Vergessenheit geraten sind. Uns aber soll es ein gewaltiger Antrieb sein, umso eifriger unserer Pflicht zu genügen, zum Heile und Segen der Lie- ben in der Heimat und so auch für unser geliebtes deut- sches Vaterland.

Wollte es unser Herrgott geben, dass mit dieser dritten Kriegsweihnacht dieser furchtbare Krieg, den je die Welt gesehen hat, sein Ende nehmen möge.

In diesem Sinne entbiete ich Ihnen nochmals recht herz- lichen Dank und verbleibe unter bestem Gruss

In ganz vorzüglicher Hochachtung!

Ihr Nikolaus D...

Vogesen, 22. XII. 16.

Mit Freude bestätige ich Ihnen hiermit den Empfang Ihrer heute in meinen Besitz gelangten Weihnachtssendung,

für welche ich mich hiermit vielmals bedanke. Die ebenso praktischen als auch guten Sachen werden ausser den guten Diensten, die sie mir leisten, auch immerfort ein neuer An- sporn sein zu den Pflichten, die wir unserem Vaterlande und damit auch Ihnen schuldig sind.

Herzlichen Gruss erlaubt sich Ihr ergebener K. J...

Im Felde 29. Januar 1917. Sehr geehrter Herr Direktor!

Herzlichen Dank für das mir gesandte schöne Weih- nachtsgeschenk. In Bereitstellung im Schützengraben am Sereth-Flusse 200 m vor dem Feinde schmeckt mir die neue Pfeife vorzüglich. Ich werde sie stets in Ehren halten und wird mich der Genuss des Tabaks stets an die schöne Zeit erinnern, die ich in Ihrer Schule verbracht habe.

Achtungsvollst! Karl G.......

Da uns die oben geschilderte Feier in ihrer Vorbereitung viel Zeit gekostet hatte, die Weihnachtsferien in Rücksicht auf den Kohlenmangel allgemein um 8 Tage verlängert worden waren und das Examen vor der Türe stand, wurde die Kaisergeburtstagsfeier in bescheidenem Rahmen aber trotzdem nicht weniger innig gefeiert.

Die Ansprache hielt dabei der Unterzeichnete. Er zeich- nete Bilder der Schrecknisse des Kriegs, die er in Frank- reich geschaut hatte, und ermahnte die Schüler in Dank- barkeit erfüllt zu sein gegen den lieben Herrgott und zum Vertrauen auf unsere tapferen Armeen, insbesondere ihre obersten Heerführer, die gesorgt hätten, dass solche Uebel von unseren Gauen abgewendet worden wären.

Die Feier des Regierungsjubiläums Sr. Königl. Hoh. des Grossherzogs Ernst Ludwig, welche am 14. März in un- serer Turn- und Festhalle öffentlich begangen wurde, war den Zeitverhältnissen entsprechend ernst gestimmt. Vor dem Bildnisse des Grossherzogs huldigten Vertreter der drei Pro- vinzen in einem Weihespiele. Sie brachten Tannenreis, das Hassia zum Kranze flocht. Herr Prof. Uhl beleuchtete hierauf in längerer Rede anregend das Streben und Wirken unseres Landesherrn. Seinen Ausführungen lauschten Gäste wie Schüler mit grosser Aufmerksamkeit. Dann wurden noch Deklamationen, die auf Ahnen unseres Fürsten Bezug hatten, geboten. Den Abschluss der eindrucksvollen Feier, die durch zwei Gesänge unseres Schülerchors verschönt wurde, bildete der Vortrag des Gedichtes: Hessenkrone.

Werfen wir zum Schlusse noch einen Blick auf unsere Ehrentafel. Wir sehen aus ihr, dass die vaterländische Er- ziehung, welche unsere Schüler in unserer Anstalt genossen haben, reiche Früchte trug; denn sowohl die Zahl der ge- fallenen Helden wie die der mit Auszeichnungen bedachten Helden ist für unsere verhältnismässig kleine Anstalt eine recht grosse.

Mögen wir im neuen Schuljahre vor weiteren Verlusten bewahrt bleiben und uns endlich der ersehnte Weltfrieden werden, damit die Wunden, welche der Weltkrieg den ein- zelnen Familien wie der Allgemeinheit schlug, heilen und vernarben können.

Joh. Ledroit.