Jahrgang 
1912
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hin, dass diese Veranstaltung speziell der jungen Genera- tion, Damen und Herren, die ehemals Angehörige der Schule gewesen, zugedacht sei, sodass es also sein solle, ein schönes Zusammensein zwischen Lehrer, Schüler und Schülerinnen. Herr Pfarrer Vogel brachte einen schr be- geistert aufgenommenen Toast auf Kaiser und Grossherzog aus. Herr Prof. Freund warf in redegewandter Weise einen Rückblick auf den Gedankengang, der tagsüber in allen Ansprachen und dargebrachten Wünschen sich kundgab und der sich legitimiere als der gute Geist der Einmütig- keit und des gegenseitigen Vertrauens, der zwischen Direk- tor und Lehrern, den Schülern und auch unter der Ein- wohnerschaft walte. Redner wies noch hin, wie ein guter Erfolg aber auch auf die Erziehung im Elternhause zurück- zuführen sei und gedachte dabei dem edlen Wirken der Hausfrau, in diesem Sinne ein Hoch auf alle gegenwärtigen und zukünftigen Frauen ausbringend. Stürmischer Beifall bewies dem Herrn Redner das volle und ganze Einver- ständnis der Zuhörer mit seinen Ausführungen. Herr Rechts- anwalt A. Nuss brachte in schneidiger Rede den Dank ehe- maliger Schüler dem Lehrerkollegium zum Ausdruck, den derzeitigen Repräsentanten der Schule Herrn Direktor Seiden- berger speziell durch einen Toast ehrend. Der err Direktor sprach hierauf Allen, die am Zustandekommen der ganzen Einweihungsfeier so tatkräftig mitgeholfen haben, so dem Gesangsleiter der Schule Herrn Reallehrer Klimm, der Ein- wohnerschaft für den schönen Häuserschmuck und nicht zuletzt dem Schulpedellen Herrn Parr. Herr Reallehrer Klimm gedachte in einem Toast der gütigen Mitwirkung der beiden Gesangvereine, der Musik, sowie allen Damen und Herren, die den Festkommers so schön gestalten halfen. Zu erwähnen ist hier, dass die Damen Frl. A. Medicus und M. Nuss, sowie Fierr N. Diel durch heitere Coupletvorträge erfreuten, während Herr Dipl.-Ing. D. Kauth das ergreifende MelodramTiefer Friede herrschet auf den Fluren, das war der Tag bei Vionville, in kunstgewandter Vortragsweise darbot(Klavierbegleitung: Herr R. Stumpf). So ging Ernst und Scherz Hand in Hand, dem Abend ein ansprechendes Gepräge verleihend. Bald nach 11 Uhr war der Kommers und mit ihm die gesamte Festivität beendet, die, wie schon eingangs erwähnt, ganz dem Rahmen der Verhältnisse an- gepasst war. Möge die Schule auch im neuen Domizil eine nie versiegende Quelle reichlichen Wissens und Bildens bleiben!

D. Programm zur Schulfeier bei der Einweihung des neuen Realschulgebäudes Gernsheim, 26. April 1911.

Motto: Sie singen von Lenz und Liebe, Von sel'ger goldner Zeit, Von Freiheit, Männerwürde, Von Treu und Heiligkeit.

(Uhland.)

Fuge über den Choral: Lobe den Herrn, v. Vierling Herr Pfarrer Vogel.

Gesang: Lobe den Herrn, den mächtigen König, v. Neander.

Glückwunsch des Regierungsvertreters des Herrn Geheimen Oberschulrat Block.

Prolog von Rechtsanwalt August Nuss gesprochen von Frl. Maria Nuss.

Rede des Direktors: Unser Programm.

I. Von Lenz und Liebe.

Gedichte: Hoffnung von Emanuel Geibel vorgetragen v. Friedr. Hebermehl.

Der tote Soldat von Joh. Gabriel Seidl vorgetragen von Anna Friedrich.

Gesang: So sei gegrüsst viel tausendmal von Schumann.

II. Von Freiheit, Männerwürde.

Gedichte: Die Helden vom Iltis von Rud. Presber vorgetragen von Richard Böhm.

Volkers Nachtgesang von Emil Geibel vorgetragen von Georg Weick. König Heinrich entbietet den Heerbann der Brabanter gegen die Ungern aus Richard Wagners Lohengrin vorgetragen v. Wilh. Hammann.

Gesang: Kennt ihr das Land so wunderschön? v. Wächter.

III. Von Treu und Heiligkeit.

Gedichte: Bretagne von Robert Prutz vorgetragen von Walter Schäfer.

Psalm: Das Vater unser von F. G. Klopstock vorgetragen v. Frl. Anny Ehrmann.

Schlussgesang: Lieber Vater, hoch im Himmel v. Franz.

E. Rede des Direktors bei der Festfeier.

Es ist ein erhebender Anblick, der sich mir darbietet, wenn ich von hier aus das Auge über die Versammlung gleiten lasse; der grosse weite Saal bis auf den letzten Platz gefüllt! Ich darf mich wohl freuen, eine so über alles Erwarten zahlreiche Festversammlung hier begrüssen zu können. Ich begrüsse vor allem die Herrn Ministerial- rat Süffert und Geheimen Oberschulrat Block, afs Vertreter der Regierung. Dass beide Herrn kamen zur Einweihung einer kleinen ländlichen Realschule rechnen Gemeinde und Realschule Gernsheim sich zur besonderen Ehre an; ebenso freut uns die Anwesenheit des obersten Verwaltungsbeamten des Kreises, des Herrn Geheimenrates Wallau, und mit beson- derer Befriedigung erfüllt uns das Erscheinen des ersten Direk- tors der Gernsheimer Realschule, des Herrn Geh. Schulrates Dr. Lahm. Im Erscheinen des Herrn Kreisschulinspektors Schulrat Backes und des Herrn Hauptlehrers IIlert darf ich wohl den Ausdruck des harmonischen Zusammenwirkens von Realschule und Volksschule und deren Lehrer mit froher Befriedigung begrüssen. Herrn Baurat Plitt, den Bauleiter dieses schönen Baues, beglückwünsche ich zur erfolgreichen Vollendung seines Werkes. Vor allem freut es mich, dass so viele frühere Schüler und die Eltern unserer jetzigen Schüler nicht nur von Gernsheim, sondern auch aus der Umgebung sind doch, soviel ich sehe, alle Riedorte vertreten und auch aus weiter Ferne sich hier einge- funden haben, ihr Interesse am Neubau, an der Schulfeier, an der Schule zu bekunden. Die Bürger Gernsheims wer- den aus dieser über alles Erhoffen zahlreichen Beteiligung entnehmen, welche hohe Bedeutung man ihrer Schule und ihrem Neubau beimisst.

So können wir also Besitz ergreifen von diesem schönen Schulgebäude, das durch die Opferwilligkeit der Stadt errich- tet und durch die Umsicht der Bauleitung auch zur vorge- sehenen Zeit, und was fast noch wichtiger und anerkennens- werter, auch innerhalb des vorgesehenen Voranschlags fertig gestellt wurde.

Der Bau stellt an die Leistungsfähigkeit der Gemeinde