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wie unsere deutschen Litteraturgeschichten konnte ich nicht — heute weiss ich, dass man es auch gar nicht soll— da versuchte ich die Charakteristik einzelner Dichter u. Dichter- gruppen immer durch Aussprüche der Dichter selbst zu geben. So pflegte ich bei dem Gedichte Uhlands: Des Sängers Fluch, zu sagen: Hier in dieser Strophe habt ihr die Charakteristik der Romantiker, das ist der Inhalt ihrer Dichtungen. Sie singen von Lenz und Liebe u. s. w. Heute kehre ich als gereifter Mann zu dieser Strophe zurück, und sie sagt mir mehr als damals. Hätte ich eine Erziehungslehre zu schreiben, ich würde diese Strophe zu- grundelegen. Sie scheint mir jetzt ein grossartiges Erziehungs- und Weltanschauungsprogramm zu enthalten: 3 grosse Ge- biete der Erkenntnis und der Willensbetätigung: Naturreich, Menschenleben, Gottesreich, an deren Erschliessung und
Gestaltung drei Gruppen von Geisteskräften und Wissen- schaften tätig sind: eine mathematisch-naturwissenschaftliche, eine sprachlich-geschichtliche, eine sittlich-religiöse mit drei Zielen: Naturerkenntnis, Lebensverständnis, Gesinnungsge- staltung und drei natürliche Verbände: Familie u. Gemeinde, Volk u. Vaterland, Staat u. Kirche; Organ aber, ja ich scheue auch nicht das Wort Dienerin dieser Verbände und Lebens- äusserungen ist die Schule, mit der Wissenschaft arbeitend und zur Wissenschaft leitend, von den Verbänden empfangend, zu den Verbänden führend, den Zögling ausbildend zur Persönlichkeit und hineinbildend in die Gesellschaft durch Uebermittelung von Naturerkenntnis, Lebensverständnis, Willensveredlung.
Das ist die Aufgabe der Schule, das sei auch das Stre- ben dieser Schule, unsrer Schule!


