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IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Infolge eines Nerven- und Herzleidens musste Herr Prof. Wollweber Ende Juni um Urlaub einkommen, der ihm vom 1. juli bis 1. Oktober und von da ab bis zum Schluss des Schuljahres gewährt wurde.
Den lateinischen Unterricht in V und eine Zeitlang auch in VI übernahm der Unterzeichnete, den mathema- tischen des Kollegen Wollweber übernahm Herr Referendar O. Kaltenhäuser.
Durch Verfügung Grossherzogl. Ministeriums vom 15. Juli wurde Herr Referendar Kaltenhäuser vom 13. Au- gust ab bis 30. September mit der Vertretung des Herrn Professor Wollweber betraut.
Durch Verfügung Grossherzogl. Ministeriums vom 3. Oktober erhielt Herr Lehramtsassessor Dr. Ehrhardt die Vertretung des Herrn Professor Wollweber bis zum Schluss des Schuljahres. Herr Kaltenhäusser wurde am 1. Ok- tober zum Lehramtsassessor ernannt und verblieb in freiwilliger Tätigkeit auch weiterhin an unserer Schule.
Ende August erkrankte Herr Prof. Freund an einem Halsleiden. Wir erbaten uns nun von der Direktion des Neuen Gymnasiums in Darmstadt Herrn Lehramtsreferendar Dr. Ehrmann aus Gernsheim, dessen Seminarjahr am 30. September doch zu Ende ging. Er wurde uns bereitwilligst zur Verfügung gestellt, wofür wir Herrn Direktor Geheimen Schulrat Dr. Forbach auch an dieser Stelle bestens danken, und konnte vom 7. September ab den Unter- richt des Herrn Prof. Dr. Freund übernehmen. Als Herr Prof. Freund am 2. November seinen Unterricht wieder aufnehmen konnte, verblieb Herr Dr. Ehrmann zur Fortsetzung seines Vorbereitungsdienstes an unsrer Schule.
Nach den Ferbstferien trat ferner Herr Lehramtsreferendar Trautmann aus Crumstadt in unser Lehrerkollegium ein, um an der hiesigen Schule seinen Vorbereitungsdienst fortzusetzen.
Hierdurch wurde es möglich, verschiedene seitherige Kombinationen des Unterrichtes zu trennen und einzeln Kollegen zu entlasten.
Vom 1— 6. Februar d. Jahres musste Herr Prof. Dr. Lücken, vom 6— 19. Februar Herr Oberlehrer Uhl seinen Unterricht wegen Unwohlseins unterbrechen.
Am 1. November 1908 verstarb in Darmstadt Herr Direktor Dr. Ihm, der verdienstvolle frühere Direktor un- serer Schule. Da der Verewigte bei seiner Berufung an die Realschule zu Gernsheim in seiner Bescheidenheit davon abgesehen hatte, seine Personalien im Jahresberichte zu veröffentlichen, so holen wir es hier im geschichtlichen In- teresse nach.
Georg Ihm wurde am 30. Juni 1858 zu Frankfurt a. M. geboren, wo sein Vater Beamter am Bundestag war. Als dieser nach 1866 nach Darmstadt als Registrator versetzt wurde, besuchte Ihm das Darmstädter Gymnasium, das er nach vorzüglich bestandenem Maturitätsexamen im Herbst 1876 verliess. Er studierte in Tübingen, wo ihn besonders Schwabe u. Teuffel anzogen, und in Giessen klassische Philologie. Nach seiner Staatsprüfung an der Universität Giessen am 29. April 1881 erhielt er gleich darauf am 1. Mai 1881 seine erste provisorische Verwendung am Gymnasium zu Giessen, wo er zugleich als Mitglied des pädagogischen Seminars bis April 1883 verblieb. Mai 1883 kam er als provisorischer Lehrer an das Gymnasium nach Bensheim und erhielt daselbst am 18. März 1885 seine definitive An- stellung. August 1891 wurde er an das Gymnasium nach Mainz versetzt, wo er bis zum November 1800 verblieb. Am 21. November 1899 wurde er als Direktor der Realschule Gernsheim durch Herrn Geheimen Oberschulrat Nodnagel in sein Amt eingeführt. Es war der Höhepunkt seines Lebens; verhältnissmässig kurz seine Wirksamkeit als Direktor. Schon längere Zeit nervösleidend trat er am I. Januar 1907 in den Ruhestand, wobei ihm das Ritter- kreuz des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen wurde.
Nach seiner Pensionierung zog Direktor Dr. Ihm nach Darmstadt, von dessen waldreicher Umgebung er Kräf- tigung seiner Gesundheit erhoffte.
Dr. Ihm war ein sehr ernster Charakter; seine Uneigennützigkeit und seine Bereitwilligkeit, jedem, der sich an ihn wandte, zu helfen, wird jeder, der mit ihm in Berührung kam, bestätigen können. Er hatte eine aufrichtige, tiefe Frömmigkeit und kam als treuer Katholik den religiösen Vorschriften seiner Kirche gewissenhaft nach. Nachdem er in jahrelanger, kinderloser Ehe gelebt, schloss er nach dem Tod seiner ersten Frau einen zweiten Bund, dem eine Tochter entspross.
Von der wissenschaftlichen Tätigkeit des tüchtigen Gelehrten und Schulmannes zeugen folgende Veröffent. lichungen:
Quaestiones SyncHicas 1882; die Aeneide für Schüler bearbeitet von Dr. Walther Gebhardi, 2te umgearbeitete Auflage besorgt von Dr. Georg Ihm 1888; Materialien für die Ovidlektüre 1890; der Humanist Rudolf Agrikola in Schöninghs Sammlung pädagogischer Schriften alter und neuer Zeit; Vergilstudien, Teil I und II als wissenschaft- liche Beilagen zum jJahresbericht der Realschule Gernsheim 19002 u. 1903.(Aus den Nachrufen in Nr. 259 der Darmstädter Zeitung vom 3. November, im Mainzer Journal Nr. 256 vom 2. November und des Rheinischen Boten (Gernsheimer Zeitung) Nr. 890 und Nr. 90 vom 4. und 7. November 1908).


