Jahrgang 
1928
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heit die gebührende Beachtung gezollt. Küdesheim, die Heimſtätte edelſten Rheingauer Weines, am Fuße des Kiederwaldes gelegen, und das auf dem Gipfel des Berges ſtehende Nationaldenkmal der Deutſchen wurden begeiſtert begrüßt; hiſtoriſche Erinnerungen aus den Tagen deutſcher Herrlichkeit wurden wach und ebenfalls mag auch manch weinfroher Fahrtgenoſſe ſich des ſchönen alten Liedes vomGrafen von Küdesheim entſonnen haben. Auf ſteilen Felſen über der Durchfahrt des Binger⸗ loches grüßt die Ruine Ehrenfels und gegenüber auf einer Rheininſel gemahnt der Mäuſeturm an die Zeiten, als noch die Zöllner des Mainzer Erzbiſchofs die Maute von den durchfahrenden Schiffen erhoben. Weiter geht die Fahrt und in bunter Reihenfolge grüßen die rebengekrönten Hügel zu beiden Seiten des Rheines, erheben ſich auf hohem Fels die Ruinen der Burgen und Schlöſſer, Zeugen einer ſtolzen Vergangenheit, einer wehrhaften Zeit.

Gegen 1 Alhr langte der Dampfer am Fiele unſerer Fahrt, amDeutſchen Eck an; die Stadt bietet ein von der Rheinſeite dem Beſchauer ungemein maleriſches Bild; dieſe künſtleriſche Wirkung wird noch erhöht durch das monumentale Beiterſtandbild des alten Kaiſers Wilhelm l.; das Denkmal, aus der Heldenzeit des neuen deutſchen Reiches, hält hier die Wacht an Rhein und Moſel und iſt vielleicht das ſinnfälligſte Nerkmal des deutſchen Gedankens am Rheine, und bei ſeinem Anblick geht es wie ein hoffnungsfreudiges Ahnen durch die Herzen, daß die Zeit vielleicht doch nicht mehr ferne iſt, in der die Trikolore unſeres ehemaligen Gegners von der gegenüberliegenden Feſte Ehren⸗ breitſtein verſchwindet.

Der Dampfer legte nur für kurze Zeit an. Bald wieder ſangen die Kolben der Schiffsmaſchine ihr eintöniges Lied, und die Rückfahrt begann. Wiederum iſt es die Sorge um das leibliche Wohl, welche die Fahrtgenoſſen den Gedanken und Erinnerungen an die edlen Güter etwas entrückte. Das Mittagsmahl wird eingenommen;(auch hier wieder der Kampf ums Daſein im Kleinen, wer zuerſt da iſt,mahlt zuerſt Mittag!) Aber auch das längſte Mahl hatmal ein Ende, und Freude um Freude zieht wieder in die Herzen ein; die Kückfahrt ſteht im JFeichen des Ausruhens vom Schauen und Bewundein der rheiniſchen Herrlichkeiten und die Fahrtteilnehmer entſinnen ſich, daß ſie als Ver⸗ treter der GattungHomo ſapiens dem Herdentrieb, der Geſelligkeit unterworfen ſind; dieſer elementaren Wahrheit hatte ſich Herr Direktor Philipps dann auch nicht verſchloſſen(wahrſcheinlich fiel ihm der Spruch vom Verſtehen und Vergehen ein), und er erteilte die Genehmigung zum Tanzen; er war ver⸗ blüffend raſch verſtanden worden. Die Schäfer'ſche Muſikkapelle tat mehr als ihre Schuldigkeit, ihr gebührt höchſtes Lob. Allzu raſch verflogen die ſchönen Stunden; gegen 7.30 Alhr abends kam der Dampfer wieder in Kaſtel an, und bald danach führte der Sonderzug die Fahrtteilnehmer der Heimat zu; um 10 AÄhr lief der Jug in Frieoͤberg ein. Die Rheinfahrt der Schillerſchule hatte ihr Ende er⸗ reicht den Teilnehmern wird dieſe Fahrt zur ſchönen Sommerzeit nach den Alfern des grünen Rheins eine köſtliche Erinnerung bleiben; für die Schillerſchule aber wird ſie vor allem auch die Er⸗ füllung einer edlen Erziehungspflicht ſein, weil ſie ihren Jöglingen Herz und Augen geöffnet hat für die Schönheiten und für die geſchichtliche Größe des deutſchen rheiniſchen Landes, des Landes deutſcher Sehnſucht. Aus dieſem Geiſte und aus dieſen Erwägungen heraus hatte der Leiter der Schillerſchule, die Fahrt nach dem Rheine unternommen.

DieKöln⸗Düſſeldorfer Rheindampfſchiffahrtsgeſellſchaft hatte uns in AUndine einen ſehr geräumigen und bequemen Dampfer zur Verfügung geſtellt; ihr Verdienſt iſt es vornehmlich, wenn die prachtvolle Reiſe zu aller zufriedenheit verlief. Wir danken ihr für ihr Ent⸗ gegenkommen an dieſer Stelle nochmals herzlichſt und danken ebenſo herzlich dem Bahnhof Frieoͤberg und dem Zuobegleitperſonal für die treffliche Vorbereitung und Durchführung des Sonderzuges. Be⸗ ſonderer Dank aber gebührt der unermüdlichen Kapelle des Herrn Muſikdirektors Schäfer, die ſich an dieſem Tage von rheiniſchem Blute beſonders beſeelt fühlte.

Die Vortragsfolge des am 8. Februar 1928 im Kaſinoſaal zu Frieoͤberg veranſtaltetenVor⸗ tragsabends mag einen Einblick geben in den Verlauf der allſeits mit Dankbarkeit und Aner⸗ kennung aufgenommenen Darbietungen.

1. Teil.

. Vorſpruch:Muſik............ . Chor:Die Gedanken ſind frei. Schweizer VYolkslied. . Lied:Es freit ein wilder Waſſermann. Aus dem Erzgebirge. . Spiellied:Auf dem Waſſer........... . Schattenbilder: a)Das Ringlein ſprang entzwei.

b)Die Spröde.

E. H. Bethge

Otto Blensdorf

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