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Sonderzug die vielhundertköpfige Schar bis Mainz/Kaſtell; das Sonderſchiff„Alndine“ der„Köln⸗ Düſſeldorfer Rheindampfſchiffahrtsgeſellſchaft trug uns in unvergeßlicher, herrlicher Fahrt ſtromabwärts nach Coblenz bis zum Deutſchen Eck und wieder zurück nach Mainz, wo der Sonderzug zur Heimfahrt unſrer wartete. Die heimiſchen Zeitungen ſchrieben:
In der Morgenfrühe des 5. Zuli trat die Schillerſchule ihren diesjährigen großen Schul— ausflug anz unter der umſichtigen Führung des Herrn Oberſtudiendirektor Philipps, hatten ſich faſt alle Schülerinnen des Luzeums und der Frauenſchule gegen 5.30 Alhr morgens zur Abfahrt am Bahnhof eingefunden. Die Damen und Herren des Lehrerkollegiums hatten ſich ebenfalls faſt alle der Fahrt angeſchloſſen; außerdem nahm noch eine große Anzahl von Angehörigen der Schülerinnen und einige Freunde der Anſtalt an dem Ausflug teil. Der Direktion der Schillerſchule war es auch gelungen, die Muſikkapelle von Schäfer zur Alebernahme des muſikaliſchen Programms der Fahrt zu gewinnen. Den etwa 600 Teilnehmern an der Fahrt ſtand ein Sonderzug zur Verfügung. Bei der Aufſtellung des Reiſeplanes hatte ſich der Leiter der Anſtalt von dem Gedanken beſtimmen laſſen, den Zöglingen jenes Stück deutſcher Erde zu zeigen, das auf Grund jeiner mehr als tauſendjährigen Geſchichte inner— halb unſeres deutſchen Vaterlandes ſtets eine beſondere Anziehungskraft auf alle Deutſchen ausgeübt hat— das deutſche Rheinland— in einem ſeiner romantiſchſten Teile, etwa von Mainz bis Koblenz; der deutſche Rhein und ſeine jagenumwobenen Alfer ſollten dem Auge und dem Herzen der Schülerinnen einer deutſchen Schule näher gebracht werden; ſo wurde dann auch der Reiſeweg in Hinſicht auf ſeinen edlen Zweck feſtgelegt: Bahnfahrt von Frieoͤberg bis Mainz⸗Kaſtell, von da mit dem Rhein⸗ dampfer bis zum„Deutſchen Eck“ in Koblenz und wieder zurück.
Kurz vor ô Alhr in der Frühe verließ der Sonderzug unter den chneidigen Klängen der Muſik⸗ kapelle den Bahnhof Frieoͤberg. Das ſtrahlenoͤſchöne Sommerwetter, nach den bislang ſo trüben Tagen doppelt freudig begrüßt, ſowie die Erwartung, dem geliebten deutſchen Rhein und ſeinen Wundern zuzueilen, hatte alle Teilnehmer der Rheinfahrt in die glücklichſte Stimmung verſetzt. Die ſchon während der Bahnfahrt herrſchende Hochſtimmung, die Vorfreude kommender Genüſſe, ließ bereits ahnen, mit welcher Begeiſterung die Fahrtteilnehmer den Vater Rhein begrüßen würden.
Gegen 7.30 Alhr langte der Zug in Mainz⸗Kaſtell an; ſofort wurde der Marſch nach der Anlege⸗ ſtelle des Dampfers angetreten. Anterwegs, beſonders bei dem Gang über die Vheinbrücke leuchteten aller Augen heller auf beim Anblick des majeſtätiſchen Stromes, deſſen grüne Fluten von den Kielen vieler Dampfer und Boote durchfurcht wurden. An der Anlegeſtelle wartete bereits ein geräumiger Rheindampfer, an deſſen Bug der beziehungsreiche Kame„Alndine“ prangte. Kachdem alle Fahrt⸗ genoſſen mehr oder weniger wohl„verſtaut“ waren, was bei der großen Zahl und den vielen Sonder⸗ wünſchen nach guten Plätzen nicht ganz leicht war(Beſcheidenheit und zarte Kückſichtnahme ſind ethiſche Werte, die am Markte des Lebens bisweilen ſtärkeren Kursſchwankungen ausgeſetzt ſind, und die Ellenbogen haben vielleicht die Tendenz des„Corriger la fortune“— dies nur eine kleine Be⸗ obachtung des Schreibers dieſer Zeilen, der von ſich durchaus nicht behauptet, die fraglichen Tugenden gepachtet zu haben!—) wurden die Anker gelichtet, und ruhig glitt der Dampfer nach der Strommitte; leiſe zitterten die Kolben der Maſchine und bemühten ſich, wahrſcheinlich vergeblich, den Rhuthmus ihrer raſtloſen Tätigkeit den anmutigeren Rhuthmen der Muſikkapelle an Bord anzugleichen. Talwärts ging die Fahrt. Vergnügungsdoampfer und Schleppzüge glitten vorüber und wurden durch Fächerwinken gegrüßt. Man hatte ſich inzwiſchen an den Tiſchen häuslich eingerichtet und mit dem Auspacken all der guten Sachen begonnen, die in des Ruckſackes oder des Einholnetzes Tiefen wohl verwahrt ihrer Zweckbeſtimmung harrten; die bald allgemein gewordene, mehr oder weniger gleichförmige, auch mehr oder weniger anmutige Bewegung mahlender Kinnbacken zeugten von ihrer zermalmenden Tätigkeit und bewieſen auch, daß trotz aller Begeiſterung für die Naturſchönheiten des alten Rheines und ſeiner romantiſchen Alfer, die Proſa des realen Lebens ihr Recht auf nachdrückliche Beachtung geltend machte! Frohſinn und Scherz kamen dabei aber auch nicht zu kurz, und manch unfreiwilliger Witz trug noch zur Erhöhung der Stimmung der Fahrtgenoſſen, trotz der ſtimmungsvollen Almgebung bei; die Kellner, die ja auch den poetiſchen Kamen Gangmed tragen, waren zwar nicht von ſo göttlicher Anmut wie ihre antiken Kollegen, walteten jedoch recht wacker ihres Amtes, was bei den vielen Wünſchen, Be⸗ fehlen und Gegenbefehlen der Gäſte nicht gerade zu den Annehmlichkeiten des Daſeins gehörte; jedenfalls aber wurden ſie ihrer Aufgabe gerecht und ſtellten ſchließlich alle zufrieden, ſodaß die lieben Fahrtgenoſſen allmählich jene„innerliche“ Zufriedenheit erlangten, die ſie befähigte, nun auch das Auge, das Herz und den Geiſt(dieſen im Rahmen der naturbedingten Verwendungsmöglichkeit) auf jene Erſcheinungen der LAlmwelt zu lenken, die vielleicht mit dem Sammelnamen„Rheinzauber“ belegt werden können. So wurde dann auch wirklich den vielen Zeugen ruhmreicher rheiniſcher Vergangen⸗


