Jahrgang 
1927
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Die Frauenſchülerin im Kindergarten.

Die erſten ſechs Wochen dienen dem Einleben in den Kindergartenbetrieb Hoſpi⸗ tieren bei Spielſälen und ſchon äußeres, pflegeriſches Betreuen der Kleinen und der Kleinſten. Das Sommerhalbjahr weiterhin bis zu den Herbſtferien bringt dann das ſelbſtän⸗ dige Halten von Spielſälen durch die Frauenſchülerin ohne Mittun der Kindergärtnerin. Mit Beginn des Winterhalbjahres folgt zuerſt das Hoſpitieren bei den Fröbel'ſchen Beſchäf⸗ tigungen, das in der Adventszeit abgelöſt wird von den Weihnachtsvorbereitungen. Die Frauenſchülerin ſchafft als Nikolaus, als Chriſtkind für das Kind und arbeitet aber auch mit dem Kinde für ſeine Eltern. Sie erlebt die Befriedigung, für andere etwas getan zu haben, verbunden mit dem Aufnehmen der kindlichen Freuden, die ſich bei dem Arbeiten der Weih⸗ nachtsüberraſchungen oft in größter Seligkeit äußern. Es muß ihr Spaß machen, dasGelt, Tante, Mutti darf aber ja gar nicht merken und ja nichts wiſſen, pſt, pft? Nach den Weihnachtsferien kommt nun das Märchenerzählen und Bilderbuchbetrachten, Tätigkeiten, die ja ſo fein im warmen Kindergartenſtübchen ſich tun laſſen. Das Hoſpitieren bei den Fröbel' ſchen Beſchäftigungen ſoll jetzt am Abſchluß des Kindergartenjahres in praktiſcher Ausführung Früchte bringen. Die Frauenſchülerin ſoll ſich mit ein paar Kindern wie ſie ſie in der Fa⸗ milie antrifft oder ſpäter ſelbſt als eigene Kinder hat beſchäftigen können. Der Kinder⸗ kreis ſoll für eine jugendliche Erzieherin nicht die Zahl 7 überſchreiten. Zur Ermöglichung dieſer kleinen Kinderzahlen teilten wir innerhalb der Familien die Kleinen in Gruppen auf, die immer dieſelbe Frauenſchultante an deren Kindergartentage haben. Der Frauenſchülerin iſt hier in dem eigenen Kinderkreis die größte Selbſtändigkeit, Verantwortung und fürſor⸗ gende Entwicklungsfähigkeit gelaſſen. Wir hoffen, daß ihr das im Kindergartenjahr Erworbene ſpäter im Leben als Erzieherin oder als Mutter zugute kommt.