Jahrgang 
1916
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3 ie Festtede von Prof Dr. Strecker über»Bismarck«. Am Schlusse wurden die aus Klasse l

3 abgehenden Schülerinnen entlassen. LZLur Feier der grossen Siege, die das deutsche Heer und seine Verbündeten im Osten er-

rangen, bei Gorlice, Przemysle, Lemberg, Kowno, Nowo-Georgiewsk, Brest-Litowsk und Grodno,

wurde der Unterricht an den betreffenden Tagen ausgesetzt oder es wurde ein Spaziergang ge- macht. Am 20. August und 7. September besprach der Unterzeichnete im Versammlungssaal den Krieg im Osten an der Hand von eigens für diesen Zweck vorbereiteten Karten, am 21. De- zember in der gleichen Weise den serbischen Feldzug.

Bei der Vorfeier von Grossherzogs Geburtstag am 24. November sprach Frl. Birnbaum über»Krieg und Kultur«, bei der von Kaisers Geburtstag am 26. Januar der Unterzeichnete in Vertretung des erkrankten Kollegen Or. Müller über»Die Quelle unserer Siegesgewissheit im Weltkrieg«.

Nachdem entschieden worden war, dass unser an der Westfront gefallener Kollege Schlörb nicht in seiner Heimat Schotten beigesetzt werden solle(er wurde am 5 März auf dem Friedhof des 242. Regiments bei Moorslede in der Gegend von Vpern mit militärischen Ehren bestattet), veranstaltete die Schule am 29. März im entsprechend hergerichteten Versammlungssaal eine Ge- dächtnisfeier für ihn, an der auch Mutter und Schwester des Verewigten teilnahmen. Chöre und Vorträge von Gedichten umrahmten die Gedächtnisrede, die der Unterzeichnete hielt.

Am 9. März besuchte Herr Geh. Oberschulrat Block die Schule und wohnte dem Unter- richt in einigen Klassen bei. Am 27. März fand eine Besichtigung des israelitischen Religions- unterrichts durch Herrn Rabbiner Dr. Sanders statt.

5. Schultätigkeit im Kriege. Unsere Schule war auch im 2. Kriegsjahr bestrebt, an der Fürsorgetätigkeit für unsere tapferen Krieger im Felde und an den für eine siegreiche Durch- führung des Krieges getroffenen Massnahmen und Veranstaltungen nach ihren Kräften mit- zuarbeiten. Ausser durch die besonderen Vorträge wurden fortlaufend im Unterricht die wichtigsten Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen wie hinter der Front besprochen. Vor Weihnachten wurden wieder einige Kisten mit Liebesgaben, selbstgeſertigte Wollsachen und Lebensmittel, an die Ab- nahmestelle des XVIII. Armeekorps in Frankfurt abgesandt Ebenso erhielt das Friedberger Bataillon des Regiments 168 eine Sendung Wollsachen. Auch für die Einrichtung eines Feldlazaretts wurden Leibbinden, Kniewärmer u. a. angefertigt. Die Goldsammlung, die im vorigen Schuljahr über 28 000 Mk. ergeben hatte, wurde fortgesetzt. Bis zum 1. April 1916 wurden noch 70.95 Mk. ge- sammelt, sodass das Gesamtergebnis über 35 000 Mk. beträgt. Zur Belohnung wurde ein Schultag (13. März) freigegeben. Zur Nationalstiftung für die interbliebenen der im Kriege Gefallenen wurden im ganzen durch unmittelbare Geldbeiträge 524,95 Mk. beigesteuert. Dazu kam das Erträgnis aus dem Verkauf des Kaulbach'schen Gedenkblattes an und durch unsere Schülerinnen mit 74,95 Mk., die ebenfalls der Nationalstiftung zufliessen. Für andere Fürsorgeeinrichtungen, wie Seemanns-Er- holungsheim, Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger, Cecilienhilfe usw., wurden durch Verkauf oder Vertrieb von Postkarten, Bildern, Marken, Papiergeldtaschen u. a. ebenfalls grössere oder kleinere Geldmittel zusammengebracht. An den Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz ging eine Kiste mit Büchern für Lazarette. Zur 4. Kriegsanleihe wurden durch Vermittlung der Schule (Sammelzeichnung) 5811 Mk. gezeichnet. Bei einigen Veranstaltungen in den Lazaretten wirkte unser Schülerinnenchor mit und wurden von einzelnen Schülerinnen Gedichte vorgetragen.

6. Sonstiges. Das Milchfrühstück musste wegen Milchmangels leider bis auf weiteres aufgegeben werden.

Auch die Verteilung von Blumen an die Schülerinnen durch den Obst- und Gartenbau- verein wurde durch den Krieg unterbrochen. Herr Dr. Hoffmann, der trüher die Verteilung und Prämierung vornahm, war selbst einberufen worden Aus dem Felde richtete er im Oktober 1914 einen lieben Brief an unsere Schülerinnen, in dem er mitteilte, dass eine Prämierung der im Früh- jahr ausgegebenen Blumen leider nicht stattfinden könne, aber die Hoffnung ausspricht, dass im nächsten Jahr nach errungenem Sieg das Friedenswerk wieder aufgenommen werden könne. Das Schicksal aber hatte es anders bestimmt: im juli erhielten wir die traurige Kunde, dass Dr. Hoff- mann im Osten gefallen sei. Ein ideal gesinnter, hochherziger, für die Jugend warm empſindender,