IV. Zur Geschichte der Anstalt.
*
1. Personalangelegenheiten. Der dem Unterzeichn eten zu Neujahr 1915 infolge Er- krankung erteilte Urlaub musste bis zu den Sommerferien verlängert werden. Prof. Dr. Strecker war so freundlich, die Vertretung weiter— bis zum Ende der Sommerferien— zu versehen. Lehramtsassessor Dr. Riedel wurde mit Wirkung vom 16. April 1915 zum Oberlehrer an der Schillerschule ernannt. Nachdem er im September 1914 wegen Erkrankung aus dem Felde zurück- gekehrt und nach seiner Wiederherstellung in verschiedenen Garnisonen tätig gewesen war, nahm er im Frühjahr 1915 an den Kämpfen an der Ostfront bei Brezany teil, musste aber bald wieder in den Garnisonsdienst zurückkehren. Lehramtsassessor Schlörb wurde im April 1915 zum- zweitenmal verwundet, wiederhergestellt ging er im Herbst zu seinem Regiment in die Stellung bei- Npern zurück; seit November führte er eine Kompagnie des sächsischen 242. Regiments. Fräulein Huth war infolge von Ueberanstrengung leider genötigt, an Weihnachten bis zu ihrer Wiederher- stellung aus dem Dienst auszuscheiden. An ihre Stelle wurde die Schulverwalterin Emilie Schott, bisher an der Volksschule in Worms tätig, mit der Verwaltung einer Lehrerinstelle beauftragt. Auch Referendar Dr. Müller erkrankte in den Weihnachtsferien; da seine Wiederherstellung sich länger hinzog, schied er aus dem Dienst an der Schillerschule aus und wurde vom 28. Januar ab- durch Lehramtsassessor Dr. Kemmerer, bis dahin am Realgymnasium in Giessen, ersetzt. Bis zum Schluss des Schuljahrs blieb der Lehrkörper in seiner dermaligen Zusammenstellung erhalten.
Mit Genehmigung der obersten Schulbehörde werden vom nächsten Schuljahr ab zwei unserer grossen, über 40 Schülerinnen zählenden Klassen wenigstens im fremdsprachlichen Unter- richt getrennt werden, was dadurch möxglich wird, dass Frl. Huth einen Teil der Stunden übernimmt.
Im Januar erfreute uns Assessor Schlörb gelegentlich eines Urlaubs mit seinem Besuch., Wir ahnten nicht, dass wir ihn zum letztenmal in voller Jugendkraft vor uns sahen. Am 2. März in der Frühe wurde er bei einem Sturmangriff der Engländer, als er seine Leute ordnen wollte, von einer Schrapnellkugel dahingerafft. Ein Vorbild schlichter, treuer Pflichterfüllung wie im Dienste des Vaterlandes, so im Beruf, dem er mit ganzer Seele ergeben war, ein strebender, nicht weniger gegen sich als gegen andere wahrer und ehrlicher Mensch, ein warmherziger und verständnisvoller Lehrer der Jugend, ein hochgeschätzter Amtsgenosse und lieber Freund ist mit hr dahingegangen. Wir werden seiner stets in Treue gedenken!
2. Gesundheitliches. Wanderungen. Der Gesundheitszustand war bei Schülerinnen und Lehrern im allgemeinen befriedigend. Ausser für Dr. Müller, der, vom 6.— 26. Januar durch das Lehrerkollegium vertreten wurde, musste noch in 3 Fällen Vertretung für die Dauer von 1— 3 Wochen erfolgen.
Wegen grosser Hitze musste der Unterricht in der letzten Stundie. bezsv. am Nachmittag an 9 Tagen ausgesetzt werden. Die Sonntagsw anderungen, die durch den Krieg im vorigen Schuljahr unterbrochen worden waren, konnten leider auch im Berichtsjahr infolge der Ungunst der Verhältnisse noch nicht wieder aufgenommen werden. Im Sommer hatten alle Klassen eine frei- willige Spielstunde am Nachmittag. J
Monatliche Spaziergänge in der Dauer von 2—3 Stunden am Vormiitag wurden 9 ausgeführt. Der erste, am 29. April nach dem Kirschberg bei Ober-Rosbach von der Panuen Schule gemeinsam unternommen, nahm den ganzen Vormittag in Anspruch.
3. Schulfahrten zu besonderen Zwecken und Besichtigungen Am 15. Juli Anclte die I. Klasse mit Prof. Dr. Strecker einen Ausflug nach Frankfurt zur Besichtigung des Römers, des Goethehauses usw. Mit derselben Klasse unternahm der Unterzeichnete am i. April eine Fahrt nach Giessen, wo die Skulpturen im Universitätsgebäude erläutert wurden, und dann nach Wetalar zur Besichtigung des Domes und der mit der Erinnerung an Goethe verknüpften Stätten. Am Nachmittag wurde der Gleiberg besucht. Ausserdem besuchte Herr Kreutzer mit der I. Klasse die Salinen in Bad-Nauheim, die Zucker- und die Gasfabrik in Friedberg.
4. Schulfeiern. Revisionen. Am 25. März 1915 fand im Saale des Hotel Trapp eine Schlussfeier mit Vorträgen von Gedichten und Chören statt. Im Mittelpunkt der Feier stand.


