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deutſchen Dichtungen deutſche Dichtungen nicht geſchaffen hätten. Haben denn dieſe Dichter ſelbſt etwa den rein deutſch gebildeten Leſern das Verſtändnis, das tiefere Verſtänonis abge⸗ ſprochen? Und iſt wirklich das philologiſche Verſtänonis das tiefere Verſtändnis?
Wo dem Deutſchen, der nur ſein Deutſch kann, das Verſtänonis, das Erleben einer deutſchen Dichtung unmöglich iſt, da hat der Dichter, ſofern die Seele eben dieſes Deutſchen für künſt⸗ leriſches Erleben überhaupt geöffnet iſt, ſeine Verbundenheit mit ſeinem Volke aufgegeben— und ſomit ein echtes deutſches Kunſtwerk nicht geſchaffen. Es iſt die große Erkenntnis Herders, die uns hier den Weg zur Bewertung eines Kunſtwerkes gewieſen hat: alle echte, große Dichtung iſt nationale Dichtung; alle großen Dichtungen von Ewigkeitswert ſind boden⸗ ſtändige Dichtungen geweſen, ſo beſonders bei den Griechen. Künſtler, die ihre Erlebniſſe in fremder Form geſtalten, d. h., in ſolcher Form, die ohne Kenntnis fremder Sprachen und fremder Kunſtideale unverſtändlich iſt, ſchaffen nicht für ihr Volk, ſondern nur für einen Kreis ihrer Anhänger und gleich Gebildeten. Man möge dieſe Werke noch ſo ſehr loben und als Kunſtwerke von Ewigkeitswert ausgeben: ſie tragen den Stempel des Vergänglichen an ſich; mit dem Kreis ſtirbt das Kunſtwerk. Wie recht Herder mit dieſer Anſicht hat, das erkennen wir doch recht klar aus der Geſchichte unſeres Schrifttums und unſerer Kunſt! Wo ſind denn alle die Großen, die zu ihrer Zeit als höchſte Künſtler, welche Ewigkeitswerke geſchaffen haben ſollten, vergöttert wurden? Kunſtwerk auf Kunſtwerk iſt geſtorben; lebendig iſt nur das geblieben, was von der Volksſeele belebt wurde; von der Volksſeele, die auch heute noch in jedem Volksgenoſſen lebendig iſt. Alles Künſtliche, Gemachte, Fremde ſtirbt, ſelbſt wenn es jahrhundertelang künſt⸗ lich am TLeben gehalten würde.
Aus dieſer Erkenntnis heraus ſetzen wir uns für den großen Gedanken der deutſchen Bildungseinheit ein. Sie iſt noch nicht da, aber ſie wird kommen; und wir wollen an unſerem Teil an der Verwirklichung dieſes für unſer Volk ſo hohen und notwendigen Zieles mitge⸗ arbeitet haben.
Als man nach dem Kriege daran ging, unſer geſamtes Schulweſen umzugeſtalten, da ge⸗ wann auch der Gedanke der„Deutſchen Bildung“ an Boden; in den neuen amtlichen Lehrplänen wurde der Gedanke anerkannt und ſeine Verwirklichung erſtrebt. Freilich wird die Stundenzahl, die man für das Deutſche angeſetzt hat, kaum ausreichen, das in den Tehrplänen Verlangte durchzuführen.
Auch die neue Schulart, die Deutſche Oberſchule, wurde verſuchsweiſe zugelaſſen, und zwar durch Beſchluß der Reichsſchulkonferenz vom Januar 1920. Der Reichsſchulausſchuß ſtellt im Januar 1921 in Weimar folgende Leitſätze auf:
1. Die„Deutſche Oberſchule“ wird als neuere Art der zur Hochſchulreife führenden höheren Schulen verſuchsweiſe zugelaſſen.
Die Deutſche Oberſchule iſt die höhere Schule, die auf der Grundlage deutſchen Bildungs⸗ gutes eine höhere Bildung vermittelt, die der durch andere höhere Schulen gebotenen hin⸗ ſichtlich der erreichten Reife gleichwertig iſt..
2. Die Deutſche Oberſchule kann ſowohl grunoͤſtändig wie als Aufbauſchule eingerichtet werden. In beiden Formen iſt ſie hinſichtlich der Dauer des Tehrgangs den anderen höheren Schulen gleichzuſtellen.
3. Die allgemein verbinoͤlichen Fächer für die oberſte Klaſſe der Deutſchen Oberſchule ſind: wie bei den anderen höheren Schulen Religionslehre, Deutſch, Geſchichte, Erdkunde, Mathe⸗ matik, Naturkunde. Dazu kommen mindeſtens eine Fremoͤſprache, Philoſophie, Zeichnen und Kunſtbetrachtung. Es bleibt im übrigen den praktiſchen Verſuchen der Tänder über⸗ laſſen, neben dem verſtärkten Unterricht in Deutſch und Geſchichte durch beſondere Pflege von Werkunterricht, Kunſt(Muſik), durch Staatsbürgerkunde, Volkswirtſchaft Biologie, Heimatkunde den Tehrplan verſchiedenartig auszugeſtalten. Zur freiwilligen Erlernung einer zweiten Fremoͤſprache muß Gelegenheit geboten werden.
J. Die Tehrer an der Deutſchen Oberſchule und an der Aufbauſchule müſſen die gleiche Vor⸗ bildung haben wie an den anderen höheren Schulen.
5. Die Reifeſchüler der Deutſchen Oberſchule erlangen die gleichen Berechtigungen wie die der anderen höheren Schulen. Sofern die Zulaſſung zu den Prüfungen für beſtimmte, auf Hochſchulſtudium beruhende höhere Berufe den Nachweis von Kenntniſſen erfordert, die in der Deutſchen Oberſchule nicht erworben werden, iſt der Nachweis dieſer Kenntniſſe durch Ergänzungsprüfungen zu erbringen.


