Jahrgang 
1928
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Gegen dieſe Beſtimmungen hat ſich ſofort, beſonders aus Hochſchulkreiſen, eine ſtarke Strömung geltend gemacht. Schon einen Monat ſpäter(im Februar 1921) tagte im Reichs⸗ miniſterium des Innern eine Konferenz geladener Sachverſtändiger(zumeiſt Hochſchullehrer), die beſchloß, für die neue Schulart auch die zweite Fremoͤſprache verbindlich zu machen. Dieſer Beſchluß wurde auch ausgeführt, beſonders deshalb, weil ſich Preußen dafür einſetzte; die kleineren Staaten(Heſſen, Chüringen u. a.) zögerten wohl, den Schritt nachzutun, konnten ſich aber auf die Dauer nicht zurückhalten. In Heſſen iſt die zweite Fremoͤſprache erſt ſeit Oſtern 1926 ver⸗ bindlich; durch Yerfügung des Heſſ. Tandesamts für das Bildungsweſen vom 29. 8. 1927 wurde ſie Hauptfach.

Die Vereinbarung der Tänder über die Deutſche Oberſchule, die überall auch in der Form der Aufbauſchule zugelaſſen iſt, wurde von der Heſſiſchen Regierung im Amtsblatt Nr. 2 vom 9. 6. 1925 bekannt gegeben. Mit Ausnahme von Bayern haben alle Tänder dieſer Verein⸗ barung zugeſtimmt. Damit wurde der Grund gelegt für eine geſunde Entwicklung der neuen Schule, und auch unſere Anſtalt iſt in erfreulichem Aufblühen.

Die erſten Jahrgänge waren der Schülerzahl nach recht ſchwach, weil die Gründung der Aufbauſchule in die Zeit der Inflation und des Anfangs wiedergewonnener feſten Währung fiel und weil die Schule naturgemäß damals noch nicht bekannt war. NUach Beſeitigung dieſer Umſtände wurden die Anmeldungen ſo zahlreich, daß ein großer Teil der ſich Meldenden nicht aufgenommen werden konnte. Das Wachstum der Anſtalt in Bezug auf ihre Schülerzahl iſt durch eine beſondere Verfügung des Landesamts für das Bildungsweſen gehemmt: Wir dürfen in jedem Jahr nur eine Klaſſe neu aufnehmen, ſelbſt bei noch ſo zahlreicher Meldung. Darin liegt ohne Zweifel eine große Härte für die Tandbevölkerung gegenüber den Bewohnern der Städte, die ohne jede Behinderung ihre Kinder in eine höhere Schule ſchicken können.

Zwei Gedanken ſind es, die den Beſtand der Aufbauſchule auch gegenüber etwaigen kommenden Anſtürmen ſichern: Der ſoziale Gedanke und der Aufſtieg der Begabten.

Die neuere Zeit hat den begabten Volksſchülern den Weg der mittleren Beamtenlaufbahn durch nun verlangte Berechtigungen geſperrt; jede weitergehende Schulausbildung iſt ihnen ver⸗ ſchloſſen, nachdem auch das Lehrerſeminar aufgehoben worden iſt. Da erſcheint es als Aufgabe und Pflicht des Staates, auch für die Schüler des flachen Tandes, die infolge der großen Koſten eine höhere Schule nicht beſuchen können, eine Schule zu errichten, wo ſie ſich die Berechtigungen für den Aufſtieg mit ihnen erſchwinglichen Ausgaben erwerben können. Dieſe Schule iſt die Aufbauſchule. Auf ihr können wenigſtens die hervorragenèſten Begabungen ſo gefördert werden, daß ſie ohne Zeitverluſt alle Berechtigungen erlangen. Dieſer Aufſtieg der Begabten gereicht dem Staat zweifellos zum YVorteil. Daß nur wirlklich begabte Schüler gefördert werden(und die neue Schulart nicht eine Quelle darſtellt, das Bildungs⸗ proletariat zu vergrößern!), das iſt eine ernſte Aufgabe und beſondere Pflicht der Schule.

So hoffen wir, daß die Aufbauſchule als Deutſche Oberſchule ihren Platz neben den älteren höheren Schulen behaupten wiréd; wir ſind davon überzeugt, daß ihre Schüler allen Anforde⸗ rungen, die Studium oder Beruf an ſie ſtellen, gewachſen ſind; durch ihre Leiſtungen werden ſie beweiſen, daß die Gedanken, die zur Gründung der Aufbauſchule geführt haben, richtig ge⸗ weſen ſind und richtig bleiben.

Für die IlIb lagen diesmal nur 44 Meldungen vor; im vorhergehenden Schuljahr hatten wir aus den oben dargelegten Gründen nahezu die Hälfte aller Anmeldungen zurückweiſen müſſen. So mag mancher ſchwächer Begabte in dieſem Jahr von der Anmeldung zurückgehalten worden ſein. Wir begrüßen dieſe Wirkung, wenn wir uns dem Gedanken auch nicht verſchlie⸗ ßen können, daß auch mancher recht begabte Junge abgeſchreckt worden ſein mag.

Die ſchriftliche Reifeprüfung fand vom 6.10. Februar 1928 ſtatt; die münd⸗ liche wurde unter dem Vorſitz von Herrn Staatsrat Block am 27. Februar abgehalten. Das Ergebnis war durchaus erfreulich; alle Prüflinge beſtanden; die geringſte Teiſtung war im ganzen gut..

4. Beſichtigungen durch die vorgeſetzte Behörde: Herr Staatsrat Block beehrte die Anſtalt am 10. Januar und am 27. Februar 1928(Reifeprüfung) mit ſeinem Beſuch.

5. Um ſich einen Einblick in die neue Schulart und ihre Leiſtungen zu verſchaffen, beſuchten die Herren Aniverſitätsprofeſſoren Dr. Diétor und Dr. Fiſcher aus Gießen am 2. März 1928 mit behördlicher Erlaubnis die Anſtalt und wohnten dem Anterricht im Deutſchen und im Eng⸗