Jahrgang 
1888
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im Satze wurde ihm von Kennern nachgerühmt. Nach neunjährigem Aufenthalt in der Schweiz erhielt Link die Beruſung an das Großherzoglich Heſſiſche Schullehrerſeminar zu Friedberg. Am 1. Juli 1875 wurde er als erſter Muſiklehrer an demſelben angeſtellt, am 1. Januar 1876 wurde er zum außerordentlichen Lehrer am Predigerſeminar ernannt und ihm der kirchenmuſikaliſche Unter⸗ richt an demſelben übertragen. Auch in dieſer Stellung hat ſich Link die volle Anerkennung ſeiner Vorgeſetzten und Schüler erworben. Er war mit Ernſt bei der Sache und forderte daher ernſte Arbeit auch von den Lernenden; die Muſik war ihm nicht bloßes Spiel, ſondern ſtrenge Kunſt und Wiſſenſchaft; manchen erſchien vielleicht die Aufgabe zu hoch gegriffen, wie er ſie faßte. Es liegt in der Natur der Sache, daß von Seiten der jungen Theologen, da von denſelben ſpezifiſch muſika⸗ liſche Vorbildung nicht gefordert wird, immer nur Einzelne das voll verwerthen konnten, was Link bot in Theorie und Geſchichte. Alle aber ehrten und liebten in ihm, wie auch ſeine Schüler im Lehrerſeminar den gewiſſenhaften Lehrer und liebenswerten Freund. Seine Tüchtigkeit in Theorie und Praxis der Tonkunſt wurde von maßgebender Seite voll gewürdigt. Als im Herbſt 1883 von dem Großherzoglichen Oberkonſiſtorium eine Commiſſion zur Herſtellung eines neuen Choralbuchs nach Darmſtadt einberufen wurde, gehörte derſelben Link nicht nur an, ſondern er nahm innerhalb derſelben eine tonangebende Stellung ein. Die Ausarbeitung des Melodienbuchs wurde ſeiner Hand auvertraut. Als in dieſem Sommer, nachdem das Melodienbuch eine eingehende, zum Theil ſcharfe und einſchneidende, zum Theil ſehr anerkennende Kritik durchlaufen hatte, an Link die Anfrage er⸗ ging, ob er die Harmoniſierung übernehmen und das Werk in thunlichſter Bälde vollenden könne, mußte er leider von der tückiſchen Krankheit erfaßt vorläufig ablehnen und es gereicht ihm zu hoher Ehre, daß man ſeitens der Behörde in zweiter Linie neben ihm nur an eine der erſten Autoritäten des Faches gedacht hat, ein Beweis in welcher Linie man Link rangierte. Eine zweite Aufgabe, die Link mit wahrem Herzensintereſſe angefaßt hat, konnte er zu Ende führen. Es war ihm von Gießen der ehrenvolle Auftrag geworden, die Dispoſition zu einer neuen Orgel für die dortige Stadtkirche zu entwerfen. Es war eine wahre Freude, zu beobachten, mit welcher Sorgfalt und peinlichen Gewiſſenhaftigkeit er dieſe Aufgabe löſte. Ehe er für den betr. Orgelbauer eintrat, machte er eigens eineOrgel⸗Reiſe nach Süd⸗Deutſchland, um auf den verſchiedenen Orgelbänken ſich über deſſen Leiſtungsfähigkeit perſönlich zu orientieren. Das Werk, auf deſſen Klang er ſich kind⸗ lich gefreut hat, zu hören, war ihm nicht mehr vergönnt. Es wurde am 31. Juli eingeweiht.

Als wir im Mai 1887 in das neue Semeſter eintraten, überraſchte uns die Kunde, daß Liuk erkrankt ſei und beurlaubt werden müſſe. Mit Bangen erfüllte alle Freunde das Fortſchreiten der unheimlichen Krankheit. Eine Kur in Soden konnte die Krankheit lindern, aber nicht bannen. Zu der Erkrankung der Lunge trat noch ſolche der Nieren. Die treueſte Pflege, welche ihm die nicht von ſeiner Seite weichende Gattin zu teil werden ließ, konnte das Ende nicht aufhalten. Nur er ſelbſt konnte wie es dieſe traurige Krankheit mit ſich zu bringen pflegt noch an der Hoffnung der Geneſung feſthalten. Den Seinigen bangte ſchwer um ihn. Trotzdem kam auch ihnen das Ende noch viel zu früh und unverhofft. Am 26. Auguſt hatte er noch mit ihnen bei Tiſche geſeſſen, dan 4 Gefühl großer Ermüdung, ſich niedergelegt. Um 7°¾ Uhr Abends entſchlief er ſtille, ohne Todeskampf.

Ein ſtattlicher Zug von Leidtragenden gab ihm das Geleite am 29. Auguſt. Sowohl in der Rede des Geiſtlichen, wie in den Anſprachen, unter welchen Kränze und Palmenzweige am Grabe niedergelegt wurden von Seminarlehrer Dr. Heid Namens des Großh. Schullehrerſeminars, von Geh. Kirchenrath Dr. Diegel Namens des Predigerſeminars, von dem Muſiklehrer des Seminars zu Bensheim Namens des dortigen Seminars, von Oberlehrer Dörr Namens der Lehrer von Stadt und Umgegend, von Fabrikant C. Trapp Namens des hieſigen Muſikvereins, kam zum Ausdruck, was der Entſchlafene als Menſch, Lehrer und Künſtler uns geweſen iſt. Ergreifende Geſänge des Sänger⸗Chors des Schullehrerſeminars umſchloſſen die ernſte Feier.

Mit Wehmuth gedenken wir der ſchönen Stunden, welche die kunſtgeübte Hand des ſo früh⸗ Entriſſenen uns bereitet hat. Er hütete zwar ſeine Kunſt faſt ängſtlich vor profaner Berührung. Wo er aber auf wirkliche Empfänglichkeit rechnen konnte, da ließ er ſich gerne bereit finden. Unver⸗ geßlich wird uns ſeine Mitwirkung bei den letzten Aufführungen des Muſikvereins ſein; es war, als wollte er noch einmal ſein Beſtes geben zumElias und zu jenem todesſehnſüchtigen Lied der LiebeDer Roſe Pilgerfahrt. Die Hand, deren von lichter Klarheit durchfloſſenes Spiel uns da⸗ mals entzückte, iſt erkaltet! Geblieben ſind uns ſeine Compoſitionen, neben den obengenannten noch Präludien für die Orgel und vor allem ein intereſſant aufgebautes, ſchwungvolles Trio für Piano⸗ forte, Violine und Violoncello, das hier, wie in Frankfurt a. M. im Tonkünſtlerverein, hohe Aner⸗ kennung fand, aber leider zum Drucke noch nicht gelangt iſt. Bleiben aber wird in unſeren Herzen das Bild des liebenswerten Kollegen und Freundes, deſſen hervorſtechendſte Züge Verläßlichkeit und Klarheit des Charakters, Beſtimmtheit und Gewandtheit in Weſen und Auftreten, gewiſſenhafte Abwägung von Wort und That bei ſich ſelbſt und Anderen geweſen ſein dürften. Von dem reichen Maße der Liebe und Hingebung, deren ſein Herz bedürftig und fähig war, wiſſen die Seinigen zu erzählen, denen er ein treuer Gatte und Vater geweſen iſt. Möge ihnen die Liebe, die ihm gegolten hat, reichlich erhalten bleiben!

Seinem Andenken Ehre!