Jahrgang 
1888
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Wir Lehrer und Schüler des Seminars werden das Andenken an unſere beiden heim⸗ gegangenen Freunde und Lehrer hoch in Ehren halten. Ihr Wirken und Streben für das Wohl unſerer Anſtalt ſei uns ein Vorbild für unſer eignes Thun. Die Erinnerung an die ſchönen Stunden unſeres Zuſammenſeins, in denen uns der Eine durch ſprühende Funken ſeines köſtlichen Humors, der Andre durch Kunſtleiſtungen ſeltener Art erfreute, ſoll uns ſtets vor die Augen führen, was wir an ihnen gehabt haben. Wir müſſen uns nach und nach in den Gedanken hineinfinden, daß die Lücke, welche unſere Freunde in dieſer Beziehung zurückgelaſſen haben, aller Wahrſcheinlichkeit nach unausgefüllt bleiben wird. Doch ſeien wir dankbar dafür, daß ſie unſer waren.Die Stätte, die ein guter Menſch betrat, iſt ein⸗ geweiht; nach hundert Jahren klingt ſein Wort und ſeine That dem Enkel wieder.

3. Von Pfingſten an wurde der Unterricht in Muſiktheorie und Orgelſpiel dem Seminar⸗ lehrer Schmidt übertragen. Nach dem Tode des Seminarlehrers Wahl übernahm Seminarlehrer Süß deſſen Stunden in Arithmetik, Geometrie und Obſtbau. Die Unter⸗ richtsübungen wurden unter die übrigen Lehrer verteilt und den Unterricht im Deutſchen in Klaſſe III übernahm vom 30. Juli an aushilfsweiſe der proviſoriſche Reallehrer Dr. Karg an der hieſigen Realſchule.

4. Am 14. Juni und an den darauf folgenden Tagen beſuchte Herr Seminar⸗Ober⸗ lehrer Albrecht Segerſtedt aus Karlſtadt in Schweden unſere Anſtalt, wohnte dem Unterricht in den verſchiedenen Klaſſen bei und zeigte namentlich viel Intereſſe für unſere Einrichtungen zur praktiſchen Ausbildung der Zöglinge..

5. Lehrer und Schüler des Seminars nahmen am 26. und 27. Juli mit beſonderer Freude an der Gedächtnisfeier des hieſigen Predigerſeminars teil, das, im Jahr 1837 ge⸗ gründet, im letztverfloſſenen Winter ſein hundertſtes Semeſter zurückgelegt hat. Der Sänger⸗ chor der Seminariſten trug unter Leitung des Muſiklehrers Schmidt bei der Feier in der Stadt⸗ und Burgkirche paſſende Geſänge vor. Der Direktor der Anſtalt hielt zur Beglück⸗ wünſchung des Predigerſeminars eine kurze Anſprache, in der er die innige Verbindung des Predigerſeminars mit unſerem Seminar hervorhob und namentlich betonte, daß beide Anſtalten während der vergangenen 50 Jahre ſtets im beſten Einvernehmen zu einander geſtanden und in ungetrübter Eintracht an der Heranbildung tüchtiger Geiſtlichen und Lehrer für unſer Volk gearbeitet haben. Beeinträchtigt wurde unſere Feſtfreude nur dadurch, daß unſer Kollege Wahl das ſchöne Feſt, auf das er ſich ſo ſehr gefreut, nicht erleben ſollte, und daß es unſerem Kollegen Link, dem Lehrer der Muſik am Predigerſeminar, nicht vergönnt war, ſich dabei zu beteiligen.

6. Durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, wurde der proviſoriſche Reallehrer Dr. Karl Karg mit Wirkung vom 15. Auguſt zum proviſoriſchen Seminarlehrer ernannt. Derſelbe über⸗ nahm den Unterricht im Deutſchen in Klaſſe III und II, teilweiſe auch in I und Fran⸗ zöſiſch in Klaſſe III. Dem Seminarlehrer Schwarz, welcher ſeither den Unterricht im Deutſchen in Klaſſe II erteilt hatte, wurde der geographiſche Unterricht in Klaſſe III. und II übertragen.

7. Am 25. Auguſt, dem Namenstag Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs, ſowie am 2. September, dem Sedansfeſttag und am 12. September, dem Ge⸗ burtstage Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, fiel der Unterricht aus. Am erſtgenannten Tag machte Seminarlehrer Dr. Heid mit der Oberklaſſe einen Ausflug nach Frankfurt a. M.

8. Am 3. Oktober wurde durch hohes Dekret der Lehrer am Gymnaſium und an der Realſchule zu Worms Friedrich Gatert unter Vorbehalt der Rechte eines definitiv an⸗ geſtellten Volksſchullehrers zum proviſoriſchen Seminarlehrer ernannt. Derſelbe trat mit Beginn des Winterhalbjahrs ſeinen Dienſt am Seminar an, ſo daß bei vollzähligem Lehr⸗ perſonal die Unterrichtsſtunden ſo verteilt werden konnten, wie es in der Tabelle Seite 13 angegeben iſt.