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Friedrich Link, erſter Muſiklehrer des Seminars ſeit 1. Juli 1875, erfreute ſich ſtets einer feſten Geſundheit. Gegen das Ende des Schuljahres 1886/87 fiel er uns manchmal auf durch Geſichtsbläſſe und eine Aufregung in ſeinem Weſen, die wir früher nicht an ihm gewohnt waren. Doch verſah er regelmäßig ſeinen Dienſt, und wir hofften, die Oſterferien würden ihm die erforderliche Erholung bringen. Sichtlich geſtärkt, trat er frohen Mutes die Arbeit des neuen Schuljahres an, und obgleich ſich die früheren Anzeichen bald wieber einſtellten, ſo wollte er doch keine ärztliche Hilfe ſuchen, ſondern behauptete auf alles desfallſige Zureden, es fehle ihm nichts. Als endlich ſeine beſorgte Frau ihn faſt mit Gewalt dazu drängte, daß er ſich von einem Arzte unterſuchen ließ, erkannte dieſer ſofort die Krankheit als ein bedenkliches Lungenleiden, das die ſorgfältigſte Pflege und Befreiung von jeder Amtsthätigkeit nötig mache. Mit dankenswerter Bereitwilligkeit wurde ihm von hoher Schulbehörde zunächſt für 4 Wochen und dann für das ganze Sommerhalbjahr Urlaub erteilt. Die gehoffte Beſſerung blieb jedoch trotz aller angewandten Mittel aus, auch eine mehrwöchige Kur in Bad Soden hatte keinen Erfolg. Er wurde ſchwächer und immer ſchwächer bis am 26. Auguſt abends 7 ¾ Uhr ſeine Auflöſung erfolgte, bevor er das 46. Lebensjahr vollendet hatte. Eine große Freude iſt ihm kurz vor ſeiner Erkrankung zu teil geworden. Unſere neue Orgel, zu welcher er den Plan entworfen und deren Bau er mit ängſtlicher Gewiſſenhaftigkeit überwacht hatte, konnte unter ſeiner Leitung im Seminar aufgeſtellt und von ihm geprüft werden. Wie glänzte ſein Auge, als er ſeine Befriedigung über das gelungene Werk ausſprach und uns verſicherte, daß er nun mit neuer Liebe und Luſt den Unterricht im Orgelſpiel erteilen werde. Im Ratſchluſſe Gottes ſtand es anders — es hat nicht ſollen ſein.
Im„Oberheſſiſchen Anzeiger“ vom 6. September findet ſich von kundiger Hand folgende Skizze ſeines Lebens.
Kaum hat ſich das Grab über unſerem unvergeßlichen Johannes Wahl geſchloſſen, ſo müſſen wir aufs Neue einen ſchweren Verluſt beklagen in Friedrich Link, dem hochverdienten Duuſ lehrer an unſeren beiden Seminaren. Es ſei vergönnt uns in wenigen Zügen das Bild dieſes heimgegangenen Freundes noch einmal zu vergegenwärtigen, der mit dem muſikaliſchen Leben unſerer Stadt 3 eng verwachſen war und dem wir ſo manche edle Spende verdanken.
Friedrich Philipp Link ward zu Obernhain im ehemaligen Herzogtum Naſſau am 1. Dezember 1841 geboren. Sein Vater Ludwig Link, der nun tief gebeugt dem Sohne ins Grab blicken mußte, war daſelbſt Lehrer und Organiſt. Der kleine Friedrich wurde von dem Vater ſchon frühe in der Muſik unterrichtet und machte darin ſo raſche Fortſchritte, daß er ſchon als Knabe von 10 Jahren imſtande war, den Vater im ſonntäglichen Gottesdienſt auf der Orgelbank zu vertreten. Da er auch ſonſt große Begabung zeigte, wurde er für den Beruf eines Volksſchullehrars beſtimmt und bezog 1857 das Schullehrerſeminar zu Uſingen, das er mit tüchtigen Kenntniſſen im Jahre 1860 verließ. Vier Jahre wirkte er nun in verdienſtvoller Weiſe im praktiſchen Schuldienſt zu Rüdes⸗ heim, Geiſenheim und Friedrichsdorf.
Aber mit unbezwinglicher Macht brach ſchon während dieſer Zeit die Liebe zur Tonkunſt her⸗ vor. Mit eiſernem Fleiß ſtudierte der junge Lehrer in den Freiſtunden, die ihm ſein Beruf gönnte, und die— weil er noch eine Menge Privatſtunden gab— nahe zuſammen gingen, die Werke von Marx, Lobe, Richter, um ſich eine genaue Einſicht in das Weſen der Muſik und eine allſeitige Üüber⸗ ſicht über das geſamte Gebiet dieſer vielverzweigten Kunſt zu verſchaffen. So kam er, als er nun 1865 die durch die Erinnerung an Felix Mendelsſohn Bartholdy geweihte Kunſtſtätte, das Conſer⸗ vatorium zu Leipzig, aufſuchte, wohl ausgerüſtet nnd tüchtig vorbereitet, in die Schule der Meiſter⸗ ſchaft. Im Klavierſpiel waren Moſcheles, Reinecke und Wenzel ſeine Lehrer, im Orgelſpiel unter⸗ richtete ihn Richter, in Compoſitionslehre u. ſ. f., außer dem letztgenannten und Richter, der berühm⸗ teſte Muſiktheoretiker Moritz Hauptmann. Daneben bildete ſich Link noch in Violin⸗ und Violoncell⸗ ſpiel weiter aus. Seine Zeit war ſomit völlig ausgefüllt und es bedurfte der Anſpannung aller Kraft, um den Anſprüchen des vielſeitigen Unterrichts zu genügen. Gleichwohl erhielt Link ſchon nach einem Jahr(1866) das Reifezeugnis und folgte einem Rufe als Lehrer des Klavier⸗ und Orgel⸗Spiels an das Schullehrerſeminar in Wettingen in der Schweiz. Von der Schule war er ausgegangen, zur Schule kehrte der junge Künſtler zurück, denn er ſollte ſeine künſtleriſche Kraft von nun an im Dienſte der heranwachſenden Lehrerwelt verwerten. In Wettingen hat Link eine ſonnige Zeit verlebt und ſtets mit Behagen von den Jahren des erſten Eheglücks erzählt, das ihm dort an der Seite ſeiner jungen Gattin Anna, geb. Braun, erblühte. Die Ehe wurde mit einem Sohne geſegnet. Link fand in ſeiner Berufsſtellung Zeit und inneren Drang zu erfreulichen Compoſitionen fur Pianoforte, Violoncello, Geſang, welche ihm einen geachteten Namen verſchafften. Friſche Er⸗ findung, ein auch verwickeltere Formen klar und ſicher aufbauender Formenſinn und große Gewandheit


