welches von nun an faſt ununterbrochen die Stätte ſeiner Heimat und ſeines Wirkens werden und bleiben ſollte. Er beſuchte zunächſt ein Jahr lang die Privat⸗Lehr⸗Anſtalt des Lehrers Hanſtein, wurde dann für 2 Jahre Schüler des hieſigen Lehrerſeminars, welches er wohl vorbereitet für den Lehrer⸗Beruf verließ, um nach kurzem Wirken als Hilfslehrer an der Hanſtein’ſchen Anſtalt zu Fried⸗ berg und an einer Privatſchule zu Lauterbach als Hilfs⸗ und ſpäter als definitiv angeſtellter Lehrer wieder an diejenige Anſtalt zurückzukehren, der er ſelbſt den größten Teil ſeiner Bildung verdankt und an der es ihm beſchieden ſein ſollte für die Ausbildung des geſamten heſſiſchen Lehrerſtandes bis zu ſeinem Ende mit Segen zu wirken. Die ganze Reihe der heſſiſchen Lehrer, die vom Jahre 1843 bis heute aus dem Lehrer⸗Seminar zu Friedberg hervorgegangen, kennt das Wirken Wahls an dieſer Anſtalt, und wie ſie es noch heute ſchätzt, das beweiſt die Teilnahme ſo ungemein vieler, zum Theil von weither zugereiſter Schüler an ſeinem letzten Ehren⸗Tage. Was Wahl in ſeinem Berufe geweſen, das bewies auch der an ſeinem Grabe geſprochene ſchöne und warme Nachruf ſeines Vorgeſetzten und Freundes, des dermaligen Direktors des Lehrerſeminars. Bei aller Fülle der Begabung gerade für das Lehramt und bei aller Freude an dieſem ſeinem Berufsfache vermochte der Entſchlafene gleichwohl in der Hingabe an dasſelbe nicht das volle befriedigende Bethätigen und Ausleben aller in ſeinem Weſen vereinigten bedeutenden Kräfte zu finden. Wahl war erfüllt von einem überaus warmen Gefühl für das Schöne, Gute und Rechte in der ihn umgebenden Welt; im ſelben Verhältniß natürlich von Empfindlichkeit gegen Erſcheinungen von entgegengeſetztem Charakter. Nimmt. man hierzu die ſein ganzes Weſen beherrſchende überaus große Neigung zur Thätigkeit, ja ein faſt bis zur Begeiſterung geſteigertes Streben nützlich zu ſein und andere glücklich zu machen, vielleicht auch ein gewiß erlaubtes Verlangen, den Dank für ſein Wirken im Spiegel der ihm werdenden Anerkennung und Schätzung leſen zu können,— nimmt man hierzu ferner die dem Verſtorbenen in ſo hohem Grade verliehene Gabe der köſtlich⸗heiteren wie der ernſt und nachhaltig⸗ anregenden Rede, endlich der ſein ganzes Weſen unmittelbar beherrſchenden Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit,— ſo ſieht man ein Charakterbild entſtehen, deſſen Träger ein für ſein gemein⸗ nütziges und öffentliches Wirken ungemein gut ausgerüſteter Menſch werden mußte. Und ſo war es wirklich. Wahl war in der That ein Mann von ungewöhnlicher Art und von geradezu ſeltenem Einfluß auf das ihn umgebende Leben. Unglaublich groß iſt die Zahl der privaten und öffentlichen Angelegenheiten, welche Wahl im beſten Sinn des Wortes zu„ſeinen eigenen“ und mit Hilfe ſeines überaus glücklichen Ordnungs⸗ und Geſchäfts⸗Sinnes meiſt auch glücklich durchzuführen wußte. Seit lange her wußte Jeder, der ſich auf dem Gebiete unſerer öffentlichen Angelegenheiten bethätigen wollte, daß er entweder mit Wahl Schulter an Schulter vereint oder wider ihn ſtehen müſſe als Gegner. Wo Wahl ſtand, ſtand er ganz und völlig, und ſeine Kampfesweiſe konnte ſcharf werden. Trotzdem war auch von ſeinen Gegnern keiner, der an ſeinem Grabe nicht völlig verſöoöhnt geſtanden hätte, denn Wahl war ein guter Menſch. Herzensgüte und aufrichtige Frömmigkeit waren, wie noch die letzten ernſten Lebensſtunden in wahrhaft erhebender Weiſe zeigten, die das Weſen und den Charakter des Verſtorbenen in grundlegender Weiſe beſtimmenden Züge. Von dieſen Geſichtspunkten aus muß der Abſchiedsblick auf dies reiche und eigenartig geſtaltete Lebensbild fallen. Es wird lange Zeit dauern bis wir aufhören, ihn zu vermiſſen, unſere Liebe bleibt ihm allezeit. Die Beerdigungsfeier entſprach dem Charakter und der Bedeutung des oben kurz gezeichneten Lebens⸗ ganges. Choralmuſik der Dilettantenkapelle dahier eröffnete und ſchloß den eigentlichen Trauergang, feierlicher Geſang des Sängerchors des Seminars empfing den für hieſige Verhältniſſe geradezu großartigen Zug der Leidtragenden am offenen Grabe. Kirchenrat Baur gab in einfacher, würdig⸗ ſchöner Weiſe, unter Zugrundelegung des bibliſchen Gedankens:„Dienet einander, ein Jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat“, ein gedrängtes Bild des Lebensganges des Verſtorbenen, wobei er darauf hinwies, daß Herzensgüte, Drang zu gemeinnütziger hilfreicher Wirkſamkeit und ächte Frömmigkeit die ſchönen Grundlagen für die ſchöne, erfolgreiche Lebensgeſtaltung des Verſtorbenen geweſen ſeien. Hierauf folgte als ſchönſter Beweis für die große Ausbreitung und Vielſeitigkéit des Wirkens und der Beziehungen des Verſtorbenen die Niederlegung der ihm von Corporationen und Vereinen gewidmeten Ehrenkränze. Die begleitenden Anſprachen drangen erſichtlich aus tieftrauerndem Herzen und oft ließ die tränenerſtickte Stimme kaum die Worte verſtehen. Es erſchienen mit Kranzes⸗
penden der hieſige Kirchenvorſtand(Kirchenrat Baur), das Friedberger Lehrerſeminar(Direktor Schäfer), die Großloge der verbündeten Freimaurerlogen des Großherzogtums Heſſen(Direktor Brand von Mainz), die Freimaurerloge zu Friedberg(Dr. Lorenz), das Lehrerſeminar zu Bensheim (Direktor Mühr), das Lehrerſeminar zu Alzey(Seminar⸗Lehrer Weinel), das Predigerſeminar zu Friedberg(Direktor Diegel), die Realſchule zu Friedberg(Reallehrer Wieſehahn), der Stadtvorſtand zu Friedberg(Bürgermeiſter Steinhäußer), der Geſang⸗Verein Liederkranz(Stadtrat Koob), der Maintal⸗Sängerbund(Taubſtummenlehrer Schneider), der Kriegerverein(Kaufmann Bindewald), die Ackerbau⸗Schule(Profeſſor Tobiſch), außerdem die Caſino⸗Geſellſchaft zu Friedberg und die Geſang-Vereine Frohſinn in Friedberg, Liedertafel in Darmſtadt, Melomanen in Darmſtadt, Lieder⸗ Zweig in Darmſtadt, Liederkranz in Aſchaffenburg, Melomania in Aſchaffenburg, die Offenbacher verbündeten Geſangvereine. Als Vertreter der Regierung nahm Geh. Oberſchulrat Greim an der Feierlicet Theil. Mitten aus der Trauer erwuchs bei ſolcher Feier der erhebende Gedanke, wie ſchön es iſt aus ſo friſchem, reichgeſegnetem und reichanerkanntem Wirken hinübergehen zu können, ohne durch Alter und Abnahme der Kraft gebeugt geweſen zu ſein. Wir begruben einen guten Mann, wir werden ihn lange vermiſſen und ſtets in liebendem Andenken bewahren.


