Jahrgang 
1888
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F. Gottesdienſt.

Die Schüler beſuchten regelmäßig den Vormittagsgottesdienſt in der Burgkirche. Dem Feſtgottesdienſte am Sedanstage haben Lehrer und Schüler gemeinſchaftlich beigewohnt. An dieſem Tage, ſowie an mehreren anderen Sonntagen beteiligte ſich der Singchor an der Liturgie durch den Vortrag mehrſtimmiger Geſänge.

6. Chronik.

1. Das Schuljahr 1887/88 hat am 2. Mai 1887 ſeinen Anfang genommen und ſoll am 24. März 188s geſchloſſen werden.

2. Vor allem haben wir die traurige Pflicht zu erfüllen, den ſchmerzlichen Verluſt zweier hochgeſchätzten Mitglieder unſeres Lehrerkollegs durch den Tod zu verzeichnen.

Am 25. Juni in früher Morgenſtunde verbreitete ſich plötzlich im Seminar die er⸗ ſchütternde Nachricht, Seminarlehrer Wahl ſei lebensgefährlich erkrankt, und ſchon nach einigen Stunden bald nach 10 Uhr drang die Trauerkunde zu uns, daß ein ſchmerzloſer Tod ihn von ſeinem ſchweren Leiden erlöſt habe. Noch am Tage vorher war er wie gewöhnlich morgens 6 Uhr freundlich und geſprächig im Lehrerzimmer erſchienen. Er er⸗ zählte von einer auf nächſten Sonntag anberaumten Feſtlichkeit, bei der er als Redner auftreten werde. Darauf aufmerkſam gemacht, daß er ſich noch ſchonen müſſe er war kurz vorher wegen Unwohlſeins auf einen Tag beurlaubt verſprach er, wenn es ihm bis Samſtag nicht beſſer gehe, dann wolle er abſagen und ſich vertreten laſſen. Doch ſchon in der darauf folgenden Unterrichtsſtunde merkten ihm die Seminariſten an, daß eine be⸗ deutende Veränderung mit ihm vorgegangen war und ſprachen ſich darüber aus. Sein Zuſtand verſchlimmerte ſich von Stunde zu Stunde, und alles, was menſchliche Hilfe zu leiſten vermag, erwies ſich dem Übel gegenüber machtlos. So riß ihn der unerbittliche Tod aus einem thätigen Leben voller Pläne und Entwürfe. Wir Lehrer verlieren an ihm einen treuen, erfahrnen Kollegen, die Seminariſten einen durch Friſche, Lebendigkeit und Freund⸗ lichkeit ausgezeichneten Lehrer, ſeine zahlreiche Familie den treuen, ſorgſamen Hausvater und der Staat einen gewiſſenhaften, pflichttreuen Beamten, der länger als 44 Jahre dem Seminar ſeine Thätigkeit gewidmet hat.

Wie man auch in weiteren Kreiſen ſeinen Verluſt bedauert, beweiſt der Nachruf in Nr. 77 desOberheſſiſchen Anzeiger, den wir zur Vervollſtändigung ſeines Lebensbildes folgen laſſen.

Am Montag den 27. Juni wurde, wie in dieſen Blättern bereits mitgeteilt, Seminarlehrer Wahl begraben. Kaum war jemals in unſerer Wetterau, in unſerer Provinz, ja in unſerem ganzen Lande ein Name mehr gekannt, ein Mann mehr geliebt und geehrt als der Verſtorbene. Der Bedeutung dieſes Mannes entſprach die Teilnahme des Publikums aus engeren und weiteren Kreiſen an ſeiner Ehrenfeier, denn als ſolche im ſchönſten und großartigſten Sinne des Wortes geſtaltete ſich ſeine Beerdigung. Schier endlos war die Reihe der Leidtragenden, welche durch direkte perſönliche Beziehungen des Dankes und der Verehrung an den Verſtorbenen geknüpft geweſen waren, noch imponierender faſt die Zahl der Körperſchaften und Vereine, welche Vertreter geſchick hatten, um dem Verſtorbenen als ihrem Mitgliede oder Mitarbeiter und Förderer den Tribut ihrer Anerkennung trauernd nachzurufen; ſelbſt Augen, die oft genug dem Tode nahe in's Antlitz geſchaut, mußten erührt werden durch die überfülle von Kranzes⸗ und Blumen⸗Spenden, welche aus dem Inneren von Familien in das Haus zuſammengeſtrömt waren, das er durch ſein plötzliches Scheiden zu einer Stätte des Jammers gemacht hatte. Johannes Wahl war geboren am 18. Auguſt 1821 zu Ober⸗ Ohmen als Sohn eines Landwirtes. Kaum 15 Jahre alt, entſchied ſich der begabte Knabe für die damals noch weit mehr als jetzt dornenvolle Bahn des Volkslehreramtes, er kam nach Friedberg,