Jahrgang 
1896
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Der Lehramtsaccessist Schmidt, dessen Access mit dem Beginn des Winterhalbjahres zu Ende ging, verliess um diese Zeit die Anstalt mit Urlaub der hohen Behörde, um sich in Leipzig seiner weiteren Ausbildung für Musik widmen zu können. Er wurde am 12. November 1895 zum Lehramtsassessor ernannt.

Durch Dekret der hohen Behörde wurde der provisorische seminaristisch gebildete Reallehrer Müller mit Wirkung vom 1. Oktober definitiv angestellt.

Ferner wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 2. November 1895 den Reallehrern Karg und Wiesehahn der Charakter als Professor erteilt.

Zum vorjährigen Jahresbericht ist hier noch nachzutragen, dass im den Tagen des 16. und 17. Januar 1895 der Superintendent von Oberhessen, Herr Prälat Dr. Habicht, den evangelischen Religionsunterricht einer Visitation unterzogen hat..

Am 23. Juli beehrte Herr Geheime Oberschulrat Soldan die Anstalt mit seinem Besuch und wohnte in einer grösseren Anzahl von Klassen dem Unterrichte bei.

Am 29. Juli begann die schriftliche Abgangsprüfung, zu der zwei Schüler zugelassen wurden, die zu Ostern hatten zurückgestellt werden müssen. Am 8. August unterzogen sich beide der mündlichen Prüfung unter dem Vorsitz des Direktors als Regierungskommissär und konnten für bestanden erklärt werden.

Der 80. Geburtstag des Altreichskanzlers wurde durch eine Feier in den einzelnen Klassen am 30. März und durch Teilnahme der ganzen Schule an dem Festzuge zur Pflanzung einer Bismarckseiche am 1. April festlich begangen.

Die 25. Wiederkehr des Tages von Sedan gab der Stadt Friedberg Veranlassung, an die einheimischen Schüler das Sedan-Büchlein von Rogge zu verteilen, wofür der gebührende Dank von seiten der Schule an den Gemeinderat ausgesprochen wurde.

An dem Geburtstage JJ. Königl. HH. des Grossherzogs und der Grossherzogin am 25. November fand ein feierlicher Schulaktus mit Deklamationen und Gesängen statt. Herr Reallehrer Kost hielt die Festrede über Ludwig IV.

Zur Erinnerung an die 25jährige Wiederkehr des Tages der Errichtung des neuen Deutschen Reiches fand am 18. Januar 1896 eine Feier im Kreise der Schule statt. Herr Lehramtsassessor Walz hielt die Ansprache.

Am 27. Januar wurde dann Kaisers Geburtstag ebenfalls festlich begangen. Die Klassen waren in drei Gruppen geteilt. In den Klassen 13 hielt der Direktor, in den Klassen 4 6 Reallehrer Dr. Stroman, in den Klassen 7 und 8 Reallehrer Müller die Ansprache.

Am 11. Oktober 1895 besuchte die 2. Klasse unter der Führung des Reallehrers Altendortf die Aufführung von Schillers Tell in Frankfurt a. M.

Nachmittagsgänge wurden unternommen am 27. Juni, 17. Oktober und 15. November. Zum Eislaufen wurde der Nachmittag des 13. Januar freigegeben. Der Tagesausflug fand am 14. Mai statt.

An 5 Nachmittagen des Monats Juli wurde wegen grosser Hitze der Unterricht ausgesetzt.

Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war im ganzen gut; erst im Januar und Februar zeigten einzelne Klassen grössere Lücken.

Mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde wurde die Verwaltung der Bibliothek mit Ostern 1895 dem Reallehrer Kost übertragen, nachdem lange Jahre unter schwierigen Verhältnissen Herr Professor Karg dieser Mühewaltung sich unterzogen hatte.

Am 28. Januar starb nach längerem schwerem Leiden der im Ruhestand lebende frühere langjährige Lehrer an unserer Anstalt, Professor Dr. Ed. Schmid. Das Lehrer- kollegium gab ihm am 31. Januar das Geleite zur letzten Ruhe, und der Direktor legte im Namen seiner Amtsgenossen einen Kranz an seinem Grabe nieder mit der Versicherung, dass die Schule dem langjährigen Mitarbeiter und treuen Freunde ein dankbares Andenken bewahren werde.