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2. Die Rede.
Im Namen Deutſchlands heiße ich Sie alle geſammt willkommen auf dieſem Plan!
Ein Feſt wie unſer heutiges iſt wohl lange nicht in Friedberg gefeiert worden. Es iſt zwar unſre Feier nur ein Theil der allgemeinen Feſtfeier für dieſen Tag, wie ſich dieſelbe heute Abend noch fortſetzen ſoll; aber dennoch betrachte ich unſern Theil als etwas ganz Beſonderes. Hier iſt die Jugend ver⸗ ſammelt, um ſie herum gruppieren ſich die Eltern und Freunde der Jugend. Ihr, lieben Kinder, ſpielt hierbei die Hauptrolle, und an Euch wende ich mich darum zuerſt. Alle ſeid Ihr da, Größere und Kleinere, Aeltere und Jüngere, Knaben und Mädchen. Dieſer Tag ſoll Euch zum Gedenktag werden durch die Erinnerung an gemeinſam verlebte Stunden. Die Aelteren können jetzt ſchon die Bedeutung
deſſen verſtehen, weſſen ihr gedenken ſollt, die Jüngeren lernen es mit der Zeit auch verſtehen.
Ich frage alſo zuerſt: Warum feiern wir dieſes Feſt? Es ſoll, wie ich eben ſagte, ein Gedenktag ſein an ein Ereigniß ſo großartig, wie es die Geſchichte kaum zum zweitenmal aufzuweiſen hat. Be⸗ trachten wir dieß Ereigniß in ſeinen Hauptzügen. Ein mächtiges Nachbarvolk hatte uns mit keckem Hohn zu einem Kampf auf Leben und Tod herausgefordert. Kaum war der erſte Ton der Kriegstrommete er⸗ ſchallt, ſo rückten die deutſchen Heere von allen Gegenden nach der bedrohten Grenze, und ehe der in Siegesgewißheit nachläſſige Feind es ahnte, auch über die Grenze. In wenigen Tagen war jener zurück⸗ eworfen, freilich mit Strömen Blutes unſrer Väter, Söhne, Brüder, in den Schlachten von Weißen⸗ urg, Wörth und Spichern, von Courcelles, Mars⸗la⸗Tour und Gravelotte vergoſſen. Immer weiter wurden die feindlichen Schaaren zurückgejagt und nach kurzer Zeit bei Sedan wie in einem Garn ge⸗ fangen. Da entſchieden wenige Stunden über das Schickſal von Frankreich, deſſen ganzes Heer mit ſammt dem Kaiſer gefangen und nach Deutſchland geſchickt wurde. Das iſt in Kürze der Hergang. Nur wenige ganz kleine von Euch, liebe Kinder, erinnern ſich deſſen nicht, die andern wiſſen es wohl noch recht gut.— Was lernen wir nun aus der Geſchichte dieſes Ereigniſſes? Erſtens, daß ein Volk, welches in ſeinem Stolz, Hochmuth und ſeiner Unduldſamkeit keine Grenzen kennt, ſich ein Geſchick be⸗ reitet ähnlich dem von Frankreich. Hauptſchuld daran, daß das franzöſiſche Volk, welches ſonſt ſo gute Verſtandeskräfte beſitzt, ſich ſo leicht verführen uund hetzen ließ, iſt ſeine grenzenloſe Unwiſſenheit, da es keine Schulbildung beſitzt. Darum wollen wir es uns recht eifrig angelegen ſein laſſen, etwas Tüchtiges zu lernen, damit es uns nicht ſo geht, wie dem franzöſiſchen Volke, und— ſehet, das iſt Ein Punkt, an den wir uns alljährlich bei der Feier dieſes Feſtes erinnern wollen.— Zweitens lernen wir daraus, daß die Tüchtigkeit unſres Heeres jene Siege errungen hat, und daß dieſe mächtig unterſtützt wurde durch die Begeiſterung unſres Volkes für ſeine Führer; und drittens kam dazu die Liebe zum Vaterlande und die dadurch hervorgerufene Einigkeit aller deutſchen Kämpfer. Leider waren wir Deutſche früher nicht immer einig, und es hatte Zeiten gegeben, da waren die Feinde über uns ſo Herr geworden, wie, wir jetzt über ſie. Sehet alſo, Vaterlandsliebe und Einigkeit ſind die Mittel geweſen, welche es uns möglich machten, ein unnennbares Unglück von unſerm geliebten Vaterland abzuwehren, und darum wollen wir von früh an uns bemühen, unſer Vaterland recht innig zu lieben und recht einig zu ſein, und— dazu fordert uns dann jedesmal wieder die Sedanfeier auf.— inn
Zweitens frage ich: Wie feiern wir unſer Feſt? Aus dem, was ich Euch eben ſagte, können wir uns die Antwort auf dieſe Frage leicht geben. Wir feiern dieſes Feſt mit Dank, mit aufrichtigem Dank für unſre Rettung vor Feindesgewalt. Dankbarkeit für alles Gute, was uns zu Theil wird, iſt ja eine Hauptpflicht, und wir können uns nicht frühzeitig genug daran gewöhnen:„Dank ſoll unſres Herzens erſte Regung ſein.“— Dann feiern wir das Feſt in geziemender Weiſe. Was heißt das? Nun, ich denke, auch dafür gibt das zuvor Geſagte uns den rechten Wink. Wir ſollen durch die Schule Bildung erlangen, hier eigentliche Herzensbildung gemeint. Wer dieſe erlangt hat, wird nicht den Hohn der Feinde mit gleicher Münze vergelten, ſondern in beſcheidener Weiſe der Tüchtigkeit unſres Volkes und unſres Heeres ſich erfreuen und dieſer Freude wohl lebhaften, aber maßvollen Aus⸗ druck verleihen.— Weiter wollen wir das Feſt in patriotiſchen Geiſte feiern, d. h. in der ſteten Er⸗ innerung an die Wohlthaten unſres Vaterlandes, das allen ſeinen Bewohnern, wie ein Vater ſeinen Kindern, Gutes zu Theil werden läßt.— Endlich wollen wir das Feſt in einiger Weiſe begehen, damit wir uns früh gewöhnen, in Zeiten der Gefahr und Noth alle für einen und einer für alle einzuſtehen. ne enn) lAud 62 Von dieſen Geſichtspunkten aus iſt nun hier die Leitung des Feſtes angeordnet: der Freude wollen wir Ausdruck geben durch die heiteren Spiele, dem Danke, der Vaterlandsliebe durch die


