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Reiſenden vor Allem mit dem ganzen Reiſeplan durch Vorzeichnen der Route auf der Schultafel unter Angabe der Ortſchaften, Berge, Flüſſe ac. bekannt zu machen, und dies geographiſche Bild hätten die Schüler nachzuzeichnen, um es als Reiſe⸗ karte benutzen zu können. Sodann wären die geſchichtlichen Ereigniſſe, die in Be⸗ tracht kommen, auch Mährchen und Sagen, die ſich an dieſen oder jenen Ort knüpfen, mitzutheilen, um ſolche an Ort und Stelle wiederholen zu laſſen; ebenſo wäre zu erwähnen, wo man eine ſchöne Kirche, ein Schloß, Monument, Muſeum, eine Fabrik, Kunſtwerkſtatt unterwegs zu ſehen bekommen wird; kurz es müßte Alles geſchehen, was das Intereſſe der Knaben für die bevorſtehende Reiſe(für manche vielleicht eine Art von Weltreiſe) erregen und ſie in lebhafte Spannung verſetzen kann. Die Mühe der Vorbereitung würde ſich reichlich lohnen.
Um nun noch Einiges über die weitere Verwerthung des von den Schülern auf Spaziergängen und Reiſen Geſehenen und Erlebten zu ſagen, ſo iſt ſelbſt⸗ verſtändlich, daß im Schulunterricht jede Gelegenheit, darauf zurückzukommen und daran anzuknüpfen, wahrgenonmmen und weiſe benutzt werden muß. Da man am liebſten und leichteſten beſchreibt und erzählt, was man ſelbſt geſehen und erlebt hat, ſo liefern Spaziergänge und Reiſen ein vorzügliches Material für den deutſchen Aufſatz, ſei es, daß über ganze Ausflüge zu berichten, ſei es, daß eine beſtimmte Gegend, eine Kirche, ein Monument zu beſchreiben iſt. Treffliche Dienſte leiſtet zu dem Ende ein Notizbuch, das namentlich auf größeren Ausflügen den Schüler ſtets begleiten ſollte. Durch ſolche Aufſätze wird nicht blos das Angeſchaute und Erlernte in Saft und Blut übergeführt, es wird auch der Naturſinn gefördert und
efeſtigt. Was mancher zurückhaltende Schüler ſich auszuſprechen ſcheute, Gefühle, Frende, Erſtaunen, beherzt legt er's in dem Aufſatz nieder. Andererſeits entdecken ſich auf dieſe Weiſe am leichteſten die Abwege von Empfindelei und Ueberſchwäng⸗ lichkeit, auf welche der Naturſinn mancher Knaben und Jünglinge geräth. Von den guten wie von den mittelmäßigen Arbeiten wird die eine und andere der Klaſſe vorgeleſen, neben andern Vorzügen und Mängeln werden auch die den Naturſinn betreffenden durchgeſprochen, wobei ſich in ungezwungenſter Weiſe Anlaß ergibt, theils fördernd, theils berichtigend auf den Naturſinn der Einzelnen einzuwirken. Nehmen wir ein Belſpiel. Schüler A berichtet, daß er am Bach geſeſſen und Butter⸗ brod gegeſſen habe; B berichtet, daß er am Bach geſeſſen und den Fiſchen zugeſchaut habe, wie ſie im Sonnenſchein hin und wieder ſchwammen. Wird nun dem A die Lücke in ſeiner Beſchreibung vorgehalten, die doch wohl einer Lücke in ſeinem Naturſinn entſpricht, ſo wird nicht nur A auf letztere aufmerkſam gemacht, B dagegen in ſeiner Beachtung des Werthvollen in der Natur beſtärkt, hondern es werden auch die übrigen Schüler, wenn ſie es noch nicht wiſſen ſollten, ungezwungen und ſicher wirkſam belehrt, worauf man u. A. zu achten hat, wenn man an einem ſchönen Bache ſitzt. Anknüpfungspunkte an die Anſchauungen und Erlebniſſe des Spaziergangs ergeben ſich aber nicht bloß in der Aufſatzſtunde, ſondern auch bei der Lecktüre im Leſebuch, im Geographieunterricht, und hier gewiß vielfach, im naturgeſchichtlichen, phyſikaliſchen, wohl auch im geſchichtlichen Unterricht. Auch hier gilt: Suchet, ſo werdet ihr finden! 1
Zum Schluß wollen wir noch ein Wort vom Koſtenpunkt reden. Nach den hierorts bei Schulſpaziergingen gemachten Erfahrungen beläuft ſich die tägliche Aus⸗ gabe für einen den ganzen Tag einnehmenden Gang(das in Taſche und Botaniſir⸗


