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büchſe von Haus Mitgenommene mag dem gleichwerthig ſein, was der Knabe zu Haus gegeſſen haben würde und darf alſo nicht mitgerechnet werden) durchſchnittlich auf 12 kr. Rechnen wir auf das Jahr zehn gewöhnliche und zwei mit Benutzung der Eiſenbahn weiter gehende Touren und ſetzen wir für die beiden letzteren— unſere Hoffnung auf die Liberalität der Eiſenbahndirektionen realiſirt gedacht— zuſammen eine Ausgabe von einem Gulden an, ſo haben wir eine Geſammtausgabe für Schulſpaziergänge und Fahrten von drei Gulden per Jahr. Drei Gulden ſind aber ein kleiner Bruchtheil deſſen, was ein Schüler ſeine Eltern an Schulgeld und Büchern jährlich koſtet und ein noch viel kleinerer Bruchtheil deſſen, was ein Kind überhaupt im Jahr koſtet, ſo daß von dieſer Seite her kein ernſtlicher Einwand gegen häufigere Schulſpaziergänge zu beſorgen ſein wird. Aber es gibt Schulen, darunter auch höhere Lehranſtalten, welche Kinder unbemittelter Eltern unentgeltlich beſuchen können. Sollen ſolche Kinder, für deren Eltern eine jährliche Ausgabe von drei Gulden für Spaziergänge eine drückende ſein kann, von der Theilnahme an gemeinſchaftlichen Ausflügen ausgeſchloſſen bleiben? Das wäre mehr wie hart. Mit Rückſicht auf ſolche Schüler wäre eine Einrichtung empfehlenswerth, die in manchen Schulen beſteht und die auch in anderen Beziehungen ihr Gutes hat— die Einrichtung einer Schulſparkaſſe*). Zu bilden wäre dieſe Kaſſe aus dem von neu in die Anſtalt aufgenommenen Schülern zu erhebenden Eintrittsgeld, aus den Strafgeldern(für in der Schule zurückgelaſſene Gegenſtände), aus freiwilligen Bei⸗ trägen der Schüler und Geldgeſchenken Erwachſener, welche zu erwarten ſich aus den ſogleich anzugebenden gemeinnützigen und wohlthätigen Zwecken der Kaſſe recht⸗ fertigt**). Dieſe aber wären nächſt Anſchaffung von Büchern zur Erweiterung der Schülerbibliothek hauptſächlich Betheiligung der Schule an öffentlichen milden Spenden, Beſtreitung gemeinſchaftlicher Koſten bei Ausflügen(für Führer, Vor⸗ zeiger ꝛc.) und Ausübung der Wohlthätigkeit innerhalb des Schülerkreiſes. Dem Takt und Zartgefühl der Lehrer bliebe überlaſſen, Mittel und Wege zu finden,
*) Hauſchild, Director einer Bürgerſchule zu Leipzig, ſpricht ſich über Einrichtung und Nutzen einer ſolchen Schulſparkaſſe folgendermaßen aus: Jeden Sonnabend wird 1 Ngr., den die Schülerin von ihren Eltern erhält, bei dem Klaſſenlehrer niedergelegt, was bei 80 Schülerinnen im Jahr mehr als 150 Thlr. ergibt. Ueber ⅛ dieſer Summe verfügt die einzelne Klaſſe in gemeinſchaft⸗ licher Berathung unter Vorſitz des Klaſſenlehrers; über G verfügt der Lehrerkörper und in ge⸗ wiſſen Fällen der Direetor.— Hier alſo treten die Schülerinnen mit ihrem beigeſteuerten Geld wirklich handelnd auf, und wenn ſie auch hierbei unter Anleitung und Einwirkung der Lehrer handeln, ſo will das durchaus nicht ſagen, daß„der Vorſitz der Lehrer“ bei den zu pflegenden Unterhandlungen und Berathungen den Regungen der Wohlthätigkeit und andern ſonſtigen Neigungen und Wänſchen ſoviel Gewalt anthun wuürde, daß es zu freier Selbſtbeſtimmung und Selbſtthätigkeit der Schuülerinnen nicht kommen koͤnnte. Man wird natürlich oft abſtimmen muͤſſen, und gerade dieſe Uebung, ſeine Meinung und Neigung den Meinungen und Neigungen der Mehrzahl unterzu⸗ ordnen, wird ihr Gutes haben. Wieviel Erwachſene laſſen dieſe Art der im Familienleben und im geſelligen Leben allernothwendigſten Selbſtverleugnung ſchmerzlich vermiſſen, da ſie in ihrer Schule zu allem Möglichen, nur nicht zum Handeln, und am wenigſten zum gemeinſchaft⸗ lichen Handeln vorbereitet und angeleitet worden ſind. 17 ai ⸗
**½) Von der löblichen Sitte, die an vielen, namentlich höheren Lehranſtalten herrſcht, der Schule Geſchenke an naturhiſtoriſchen Gegenſtänden, Büchern ꝛc. zu machen(iſt an hieſiga Real⸗ ſchule unſeres Wiſſens bis jetzt nux einmal vorgekommen; vielleicht muntert dieſe Notiz zur Nachahmung auf!) bis ſur ethätigung ſeiner Andenglichkei und ſeines Dankgefühls gegen eine waat ſder man ſo viel dankt, durch Geldgeſchenke zu wohlthätigen Schulzwecken iſt ja nur ein ritt. Hin n 1 19 38


