Jahrgang 
1865
Einzelbild herunterladen

22

Die unvergängliche Perle:Traute Heimat meiner Lieben muß ſich der Schüler ganz und bis zur Unverlierbarkeit einprägen.

Wir ſprachen von einer Steigerung der Wanderluſt; liegt eine ſolche im Zweck der Schulſpaziergänge, und iſt ſie im Intereſſe des Lebens nach der Schul⸗ zeit zu wünſchen? Nichts ſteht feſter! Vollkommen Recht hat der Spaziergänger nach Syrakus, wenn er meint, Alles würde beſſer gehen, wenn man mehr ging. Grämelei und Gramkränkelei, Grillen und Griesgram, Schwermuth, Trübſinn, Reizbarkeit, Empfindlichkeit und wie die das Gemüth verdüſternden, uns und Andern das Leben vergällenden Kobolde alle heißen, ſie würden weichen, wenn man mehr wanderte.So lange ich botaniſire, bin ich nicht unglücklich, ſchreibt der gries⸗ grämige, ſich von aller Welt verfolgt glaubende J. J. Rouſſeau.

Reiſe zu Fuß, reiſe zu Fuß! Da verſtehſt du Menſchengruß. Was dir trüb zu Haus geblieben, Siehſt du an als ſpäte Saat. Frühjahr kommt und ſchaffet Rath. Du zu Fuß Lerne neue Früchte lieben.

(Thorbecke.)

Nicht gering iſt auch der Nutzen anzuſchlagen, den Schulſpaziergänge, nament⸗ lich die weiteren und anſtrengenderen hinſichtlich körperlicher Kräftigung und Ab⸗ härtung der Jugend gewähren. Was Jahn von der Turnkunſt ſagt, daß ſiedie verloren gegangene Gleichmäßigkeit der menſchlichen Bildung wiederherſtellen, der einſeitigen Vergeiſtigung dir wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Ueberfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das nothwendige Gegengewicht geben und im jugendlichen Zuſammenleben den ganzen Menſchen umfaſſen und ergreifen ſolle; das gilt ſo ziemlich ſeinem ganzen Umfang nach auch von den Fußreiſen und unſern Schulſpaziergängen, ſo weit ſie als ſolche angeſehen werden können. Zu marſchiren unter den Strahlen einer brütenden bratenden Juliſonne mit brennendem Durſt auf blendender windſtiller Landſtraße, zwei, drei Stunden lang, wäre das keine Stählung und Abhärtung für den Knaben und Jungling?

Da tritt kein Anderer für ihn ein, Auf ſich ſelber ſteht er da ganz allein.

Es kommt auch einmal ein Regenguß oder Gewitterſturm über die jugendliche Schaar; die Spaziergänge werden nicht auf Frühling, Sommer, Herbſt beſchränkt, auch im Winter bei ſcharfer Luft geht's dann und wann hinaus; unter dichtem Nebel, Wind und Schneegeſtöber geht es über Berg und Thal; und da gilt es, nicht zu klagen und nicht zagen, ſondern fröhlich und muthig zu bleiben. Wenn du gegen Sturm und Wind Gehſt, vom Kleid umfaltet, 1

Und ein Stoß dir ungelind

Vor der Bruſt es lkaltes,

Wende dich; derſelbe Stoß,

Welcher dir die Glieder

Hat gemacht vom Mantel bloß,

Wickelt ein ſie wieder. 1 (Gothe, Spaziergang im Sturm.) N 1412

775