Jahrgang 
1865
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in reicher Auswahl von den reiferen Schülern auswendig gelernt und durch häufige Wiederholung als unverlierbares Eigenthum in succum et sanguinem aufgenommen würden. Einiges der Art mag hier ſtehen: 5

Ueber Reiſen kein Vergnügen, Wenn Geſundheit mit uns geht, Hinter uns die Städte liegen, Berg und Waldung vor uns ſteht. Jenſeit, jenſeit iſt der Himmel heiter, Treibt mich rege Sehnſucht immer weiter. (Tieck.)

O Sonnenſchein, o Sonnenſchein,

Wie blickſt du mir in's Herz hinein,

Weckſt drinnen laut die Rehelug

Daß mir zu eng wird in der Bruſt!

Zu enge wird mir Stub' und Haus,

In Feld und Wald treibt mich's hinaus .(2)

Wer recht in Freuden wandern will, Der geh' der Sonn' entgegen;

Da iſt der Wald ſo kirchenſtil,, Kein Lüftchen mag ſich regen.

Noch ſind nicht die Lerchen wach, Nur im hohen Gras der Bach Singt leiſe den Morgenſegen. (Geibel.)

Wenn die Blumen aus dem Graſe dringen,

Gleich als lachten ſie hinauf zur Sonne,

Des Morgens früh an einem Maientag;

Und die kleinen Vöglein lieblich ſingen

Ihre ſchönſten Weiſen; welche Wonne

Hat wohl die Welt, die ſo erfreuen mag?

(Walter von der Vogelweide.)

Die Welt wird ſchöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden;

Es blüht das fernſte tiefſte Thal:

Nun, armes Herz, vergiß der Qual! Nun muß ſich Alles, Alles wenden! 3 (Uhland.)

Bleibe nicht am Boden haften, Friſch gewagt und friſch hinaus! Kopf und Arm mit heitern Kräften Ueberall ſind ſie zu Haus;

Wo wir uns der Sonne freuen, Sind wir jeder Sorge los;

Daß wir uns in ihr zerſtreuen, 8. Darum iſt die Welt ſo groß. 1(Göthe.)

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