Jahrgang 
1864
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Alles, was lebt, ſegnend und wohlthuend überträgt? Und wo ſonſt kann der Menſch den Frieden und die Ruhe des Herzens finden, in einer Welt voll Wechſel und Unvollkommenheit und bei dem Bewußtſein ſeiner eigenen Schwachheit und Unzu⸗ länglichkeit, als in dem Glauben und der vertrauensvollen Hingebung an die höchſte Weisheit und Güte? Und wo endlich findet der Wille eine ſicherere Richt⸗ ſchnur, als in dem Glauben an eine ewige Heiligkeit und Gerechtigkeit, die im Himmel thront? Ja, wahrlich, der moraliſche Sinn kommt nie zu einer dauerhaften, Alles überwindenden Feſtigkeit, wenn er ſich nicht auf die erhabenen Wahrheiten der Religion ſtützt; es gibt keine ausdauernde, aufopfernde Tugend, wo keine religiöſe Ueberzeugung wohnt; und die Stimme des Gewiſſens wird bald überhört, wenn ſie nicht mehr als die Stimme des allgegenwärtigen und heiligen Gottes gilt. Deßhalb iſt auch die Religion die ſicherſte Grundlage aller geordneten Gemein⸗ ſchaften im Menſchenleben. Unſer häusliches, bürgerliches und ſtaatliches Leben würde ſeinen feſteſten Halt, ſeine Weihe und ſeine erhabenſten Zielpunkte verlieren, wenn es ſich von der Religion losſagen und von den Grundſätzen derſelben nicht mehr beſtimmen laſſen wollte.

Darum nennen wir denn die Religioſität die Blüthe aller Geiſtesentwickelung, das Endziel aller Bildung, und erkennen es als die heiligſte Pflicht der Erziehung, dieſes reine Feuer auf dem Altare des jugendlichen Herzens entzünden zu helfen.

Daß auch unſere Schule ſich beſtrebt, dieſer Verpflichtung zu entſprechen, davon hat Sie hoffentlich auch diesmal wieder ein Blick in unſer Programm und der Erfolg unſrer Prüfung überzeugt. Freilich iſt es der eigentliche Religions⸗ unterricht, deſſen Reſultat doch nur auf der Prüfung zu Tag treten kann, nicht allein, dem die Begründung eines religiöſen Sinnes in den Herzen der Schüler überlaſſen bleiben darf; hierzu muß vielmehr der ganze Geiſt, der ganze Ton, der in der Schule herrſcht, beitragen. Wehe der Schule, wo Religion blos in den Stunden gelehrt wird, die der Katalog dafür vorſchreibt; wehe der Schule, wo nicht alle Lehrer von der Ueberzeugung durchdrungen ſind, daß ſie insgeſammt und in harmoniſchem Zuſammenwirken an der heiligen Aufgabe mitarbeiten müſſen, religiöſe, gottesfürchtige und ſittliche Menſchen zu erziehen.

Alle unſere Bemühungen würden aber gerade in dieſer Beziehung eitel und erfolglos ſein, wenn wir uns nicht der Mitwirkung der Eltern dabei zu erfreuen hätten. Was wir aber von dieſer Mitwirkung im Einzelnen erwarten müſſen, das glaube ich nicht ausführlich darlegen zu ſollen. Das Elternherz fühlt es von ſelbſt und die Elternerfahrung mahnt nachdrücklich dazu, was das Haus in dieſer Be⸗ ziehung zu thun hat, um mit den Lehrern Hand in Hand zu gehen. Nur an Eins möchte ich erinnern, daß nämlich die Wirkſamkeit des Lehrers, wie überhaupt, ſo namentlich in religiöſer Beziehung nur dann zum erwünſchten Ziele führen kann, wenn die Schüler Vertrauen zu ihm haben. Der Erwachſene kann an einem Menſchen irre werden, ohne den Glauben an Das, was er lehrt und empfiehlt, zu verlieren. Anders aber iſt es bei dem Kinde; ihm ſtellt ſich jede Pflichttreue, jede Tugendübung immer in einer Perſon dar; verliert es ſein Vertrauen zu dieſer, ſo ſchwindet gar leicht auch die Liebe zur Wahrheit und Tugend ſelbſt aus ſeinem Herzen. Das Vertrauen der Kinder zum Lehrer hängt aber innigſt zuſammen mit dem Vertrauen der Eltern zur Schule. Möchten doch Deſſen alle Eltern ſtets eingedenk ſein, möchten ſie in ihrem Urtheil über die Schule und die Lehrer vor⸗