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Wer ſich nicht beherrſchen kann, wer der Stimme der Pflicht kein Gehör ſchenkt, wenn Lockungen von außen oder innen ihn auf Irrwege führen, wer auf keinen Genuß verzichten, kein Vergnügen entbehren kann, wer ſich in ſeine Ver⸗ hältniſſe nicht zu ſchicken verſteht, immer über die Schranken, die ihm ſeine Lage geſetzt hat, hinaus will, wer ſich durch jede Schwierigkeit abſchrecken läßt, vor jedem Hinderniß zurückbebt, wer überall nur die angenehme und leichte Seite des Lebens aufſucht, dem Ernſt und den Bürden deſſelben aber aus dem Weg geht, wer nur gewinnen und genießen, nicht auch entbehren und entſagen will: wahrlich, der wird für keinen Beruf paſſen und wäre er auch der geringſte; es wird ihm nicht möglich ſein, irgend eine Stelle im Leben auszufüllen, und wäre ſie auch die unbedeutendſte; er wird hin⸗ und herſchwanken, wählen und wechſeln, ergreifen und aufgeben und zuletzt zu Grunde gehen.—
Eine zweite Forderung, die jeder Beruf an den Menſchen ſtellt, iſt Fleiß und Arbeitſamkeit. Arbeit iſt eine Bedingung, ohne welche ſich kein Beruf denken läßt. Arbeitſamkeit und Fleiß iſt zugleich die ſicherſte Grundlage des Fortkommens in der Welt. Wer ſich der Trägheit und Bequemlichkeit hingibt, wer die Hände in den Schoß legt und den Fuß vor der Zeit ruhen läßt, wer nicht rührig und lebendig, ſondern taFeud läſſig iſt: der geht rückwärts, ſtatt vorwärts. Der Fleiß iſt unter allen Mitteln, ſeine Exiſtenz zu ſichern, das zuverläſſigſte, ehren⸗ vollſte und ſittlichſte. Wie verwerflich und verabſcheuungswerth erſcheinen ihm gegenüber manche andere Mittel, die die Begehrlichkeit oder Verblendung gar oft gebraucht, um das zeitliche Fortkommen zu ſichern! Und zugleich, welch ein herr⸗ liches Tugendmittel iſt der Fleiß, wie ſchützt er vor ſo mancher Verlockung, vor ſo manchem Abweg, auf den der Müßiggang führt! Und endlich, wie ſchön iſt der Lohn, den der Fleiß in ſich trägt! Fleiß und Arbeit iſt Leben, Müßiggang iſt Tod. Der Fleißige iſt zufrieden, heiter und froh, der Träge iſt verſtimmt, launiſch und unzufrieden. Die Arbeit adelt den Menſchen, ſie iſt ein Vorzug, der ihm vor allen Geſchöpfen der Erde eigen iſt, denn ſie iſt ein Produkt und ein Beweis ſeines freien Willens.
Die Arbeit aber iſt um ſo lohnender und um ſo empfehlender, wenn ſie zu⸗ gleich neben dem Fleiß auch den Sinn für Pünktlichkeit und Ordnung verräth. Und in der That, auch dieſe beiden Eigenſchaften verlangt das Leben und der Beruf von dem Menſchen. Halbe, oberflächliche, ungründliche Arbeit verdirbt mehr, als ſie nützt; ſie iſt ein Betrug, eine Heuchelei und ſomit überall verwerflich. Ebenſo iſt die Unordnung nur Störung der Arbeit; was dieſe fördert, verhindert und hebt jene auf.
So wären es alſo hauptſächlich drei Stücke, die den Menſchen fürs Leben brauchbar machen: Selbſtbeherrſchung, Fleiß und Pünktlichkeit. Unſere Schule ſucht, ſo viel ſie dazu beitragen kann, dieſe Eigenſchaften ihren Schülern dadurch zu geben, daß ſie eine ſtrenge Disciplin hält und entſchieden auf Gehorſam, dieſe, ohne Selbſtbeherrſchung nicht mögliche Unterordnung des eignen Willens unter einen höheren Willen dringt, daß ſie den Fleiß der Schüler in ſteten Anſpruch nimmt, daß ſie bei allen Arbeiten, die aus den Händen derſelben hervorgehen, auf größte Pünktlichkeit hält, und daß ſie endlich das ganze Schulleben von einer be⸗ ſtimmten, unwandelbaren Ordnung geregelt ſein läßt.
Was wir aber in all dieſen Beziehungen von der Mitwirkung der Eltern


