Jahrgang 
1864
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als uns ein neuer Schüler angemeldet wird. Die Schule glaubt Nichts zu unter⸗ laſſen, was zur Erfüllung dieſes Wunſches erforderlich iſt. Treten Sie doch ein⸗ mal herein in unſere Schulſäle! Kommt es Ihnen nicht vor, als wären Sie auf einem anderen Turnplatz? Wie auf dieſem die körperlichen, ſo werden in jenen die geiſtigen Kräfte geweckt, geübt und geſtärkt. Und fragen Sie nach den Lehr⸗ gegenſtänden, an denen dies, gleichwie an geiſtigen Turngeräthen, geſchieht, ſo werden Sie eher ein Zuviel, als ein Zuwenig fürchten. In der That, wenn wir auf das Verzeichniß der Arbeiten hinblicken, auf das ſich der Fleiß der Schüler das Jahr hindurch hinrichtet, oder auf die Menge der Aufgaben, die durch ihre Köpfe, oder auf die Maſſe der Bücher und Hefte, die durch ihre Hände gehen, ſo kommt uns das bange Gefühl eines Durcheinanders an, und es hält uns ſchwer, den Faden zu finden, der uns durch das bunte Mancherlei hindurchführt. Erſt an den Tagen der Prüfung, wenn alle Gegenſtände der Jahresarbeit auf einen Punkt concentrirt und in ihrem Geſammtumfang vorgeführt werden, erhält die ſcheinbare Wirrniß, die ſelbſt den Lehrer manchmal ängſtlich und irre macht, ihre verſöhnende Löſung. Da zeigt es ſich, wie wohlbedachte Ordnung und Planmäßigkeit in dem Getriebe der Schulwerkſtätte herrſcht, wie jeder Theil der Jahresarbeit zum Ge⸗ ſammtwerk nöthig war und wie ſich zuletzt das Einzelne zu einem ſchönen, harmo⸗ niſch gegliederten Ganzen an einander reiht. Darum ſind denn die Tage der Prüfung eben ſo wichtig für die Lehrer, als für die Eltern. Jene werden durch dieſelben verſöhnt mit dem Gefühl der Unvollkommenheit und Ungenügendheit, welches den Einzelnen bei ſeinem Ringen und Wirken ſo leicht befällt, und finden in dem auf einem Punkte überſchauten Geſammtreſultat eine Entſchädigung für die vielen ſchweren und ſaueren Stunden, die mit der Vollendung eines ſolchen Ganzen verbunden ſind. Sie aber, die verehrten Eltern unſerer Schüler, überzeugen ſich an den Tagen der Prüfung von der Treue und Gewiſſenhaftigkeit, mit der die Lehrer ihren Beruf betreiben, und von dem Eifer und der Unverdroſſenheit, mit der ſie Ihren Söhnen diejenige Bildung zu geben ſuchen, welche Aufgabe der Schule iſt.

Was wir aber in dieſer Beziehung von der Mitwirkung der Eltern wünſchen, läßt ſich in wenigen Worten ausdrücken. Wir verlangen keine bedeutenden Kennt⸗ niſſe und Fertigkeiten, welche die Schüler bei ihrem Eintritt in unſere Anſtalt mit⸗ bringen ſollen; aber wir wünſchen, daß ſie Luſt und Liebe zum Lernen mitbringen, daß ihr Sinn und ihr Intereſſe frühe ſchon auf die Gegenſtände hingelenkt wird, denen ſie in der Schule ihren Fleiß und ihre Zeit widmen ſollen; wir wünſchen, daß uns die Eltern fortwährend in unſern Bemühungen unterſtützen, daß ſie in dem Kampfe, den nun einmal bei der Mehrzahl der Kinder das Lernen nöthig macht, unſere treuen Bundesgenoſſen ſeien und ihr ermahnendes Wort, ihre con⸗ ſequente Strenge mit unſeren Bemühungen vereinen möchten. Wiſſen wir es ja aus vielfältiger Erfahrung, daß, wenn der Schüler zu Hauſe dieſelben Ermahnungen und Aufmunterungen zu Fleiß und Ausdauer vernimmt, wie in der Schule, ſelten der erwünſchte Erfolg fehlt; daß aber, wo das Haus ſich um die Sorgen und Beſtrebungen der Schule nicht kümmert und alles Anhalten und Treiben blos den Lehrern überläßt, der Kampf ein viel ſchwierigerer, der Erfolg ein viel zweifel⸗ hafterer iſt. Was wir endlich wünſchen, iſt das, daß ſich die Eltern recht oft durch eingehende Beſprechung und durch Nachſehen der Arbeiten von den Fortſchritten der Schüler überzeugen und überhaupt ihren Söhnen gegenüber an Dem, was in