Jahrgang 
1864
Einzelbild herunterladen

14

feſtlich geſchmückt und auch unſer Schullocal war durch die Schüler mit Fahnen, Kränzen und Guirlanden geziert worden. Der Tag des Einzugs Sr. Königl. Hoheit, ſowie der 17. Juni, an welchem das hier vereinigte 2. Großherzogliche Inf. Regiment das 50jährige Jubiläum ſeines Beſtehens feierte, waren ſchulfrei. Auch betheiligten ſich unſere Schüler an der Sr. Königl. Hoheit am Abend des 19. Juni von dem Stadtrathe und den vereinigten Geſangvereinen dargebrachten Serenade in der Art, daß ſie dem von dem Rathhauſe nach dem Schloſſe gehenden Zuge mit Fahnen und bunten Laternen vorausgingen.

3. Am 8. Juli ſtarb Wilhelm Walther von Bauernheim, Schüler der II. Klaſſe, ein ſehr gutmüthiger, braver Knabe, der ſich in der letzten Zeit recht erfreulich ent⸗ wickelt hatte und zu ſchönen Hoffnungen berechtigte, in ſeinem elterlichen Hauſe an den Folgen des Scharlachfiebers. Lehrer und Mitſchüler begaben ſich am Tage ſeiner Beerdigung nach Bauernheim und folgten dem Entſchlafenen in feierlichem Zuge zu ſeiner Ruheſtätte, an der die letzteren nach einer ergreifenden und tief zu Herzen gehenden Rede des Ortsgeiſtlichen einen mehrſtimmigen Choral ſangen. Friede ſei dem Heimgegangenen, ſein Name aber lebe fort unter uns in Liebe!

4. Vom 19. Juli bis zum 16. Auguſt gaben wir Sommerferien, welche deßhalb 14 Tage länger, als ſonſt gewöhnlich, dauerten, weil eine bereits im Jahre 1862 im Aeußeren begonnene Reſtauration des Schullokals nach innen fort⸗ geſetzt und vollendet wurde. Das Lokal iſt nunmehr in ſeinen vorhandenen Räumen würdig und freundlich hergeſtellt und ausgeſtattet. Eine allerdings wünſchenswerthe Vermehrung der Räumlichkeiten muß vorerſt der Zukunft überlaſſen bleiben.

5. Eine eigentliche Herbſtprüfung fand diesmal bei uns nicht ſtatt; dagegen inſpicirte der Unterzeichnete in der Woche vom 21. 26. September alle Klaſſen der Schule und überzeugte ſich durch Beſuchen ſämmtlicher Lehrſtunden von den Fortſchritten der Schüler.

6. Am 18. Oktober wurde in hieſiger Stadt, wie faſt überall in Deutſchland, das 50jährige Gedächtniß der Schlacht bei Leipzig feſtlich begangen, und auch unſere Anſtalt nahm an dieſer patriotiſchen Feier mit warmem Intereſſe Antheil. Zu dem Ende verſammelten ſich, nachdem am Vormittag ein feſtlicher Erinnerungs⸗ und Dank⸗Gottesdienſt in der Stadtkirche gehalten worden war, Nachmittags 3 Uhr ſämmtliche Lehrer und Schüler auf unſerm Turnplatze und begaben ſich, unter Voraustragung der Schulfahnen und unter Anſchluß der beiden oberen Knaben⸗ klaſſen der Stadtſchule und ſämmtlicher Lehrer der letzteren, auf den beſtimmten Sammelplatz unterhalb der Burg, wo ſich ein ſtattlicher Feſtzug ordnete. Dieſer, alle Stände, Corporationen und Vereine hieſiger Stadt in zahlreicher Vertretung und maleriſcher Gruppirung umfaſſend und mit Fahnen und Standarten reichlich verſehen, durchzog unter Trommelſchlag die mit Fahnen und Feſtons feſtlich ge⸗ ſchmückte und von einer zahlloſen Menſchenmenge bedeckte Ludwigsſtraße und begab ſich auf den vor dem Mainzer Thor, hinter der neuen Turnhalle ſchön gelegenen freien Platz. Hier trugen die Geſangvereine mehrere patriotiſche Lieder vor, worauf eine Gedenkeiche gepflanzt und von dem Unterzeichneten eine Feſtrede gehalten wurde, an deren Schluß die ganze unüberſehbare Verſammlung ein begeiſtertes Hoch auf das deutſche Vaterland ausbrachte. Hierauf ſetzte ſich der Zug in der früheren Ordnung wieder nach der Stadt in Bewegung und löſte ſich in der Nähe des Schillerplatzes auf. Abends gegen 8 Uhr aber wurde das übliche, ſeit dem Jahr