Jahrgang 
1862
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reifteren Erfahrung zurechtweiſen; irre ich aber nicht, ſo iſt meine Aufgabe ganz dieſelbe, die mir 20 Jahre lang in meinem bisherigen Wirkungskreis, der ganz durch die gleichen Verhältniſſe und Zeitrichtungen ſeine Umgrenzung erhalten hatte, geſtellt war. Unſre Schule, neu eingerichtet von dem hochverehrten, vielver⸗ dienten früheren Rector der Auguſtinerſchule, getragen von der Liebe und Theil⸗ nahme des Publikums, mit den nöthigen Mitteln ausgeſtattet durch den Gemeingeiſt der einſichtsvollen Vertreter dieſer Stadt, mit zarter Sorgfalt in ihren Verwaltungs⸗ zweigen geleitet von der Einſicht und Erfahrung der Localcommiſſion, und ihrer Aufgabe entgegen geführt durch die Pflichttreue tuͤchtiger und ſtrebſamer Lehrer, iſt meiner Auffaſſung nach eine combinirte Anſtalt, die ſowohl ein Progymnaſium, als eine eigentliche Realſchule iſt. Sie muß darum, neben den allgemeinen Grund⸗ lagen der Erziehung, die jede Schule in's Auge zu faſſen und vorzugsweiſe zu pflegen hat und die ich einerſeits als die religiöſe, andrerſeits als die vaterländiſche bezeichnen, aber heute nicht weiter ausführen will, nach zwei Geſichtspunkten den Anforderungen des Lebens gerecht werden. Einmal nämlich muß ſie diejenigen Schüler, die ſich ſpäter gelehrten Studien widmen wollen, in den alten Sprachen ſo weit fördern, daß ſie mit Sicherheit in die 3. Klaſſe eines Landesgymnaſiums eintreten können. Auf der anderen Seite aber muß ſie auch allen denjenigen Schülern, die ſich einmal der Technik, der Induſtrie, dem Handel, der rationellen Landwirth⸗ ſchaft, kurz den höheren Berufsarten des bürgerlichen Lebens widmen wollen, eine ſolche Vorbildung durch mathematiſche, naturwiſſenſchaftliche und techniſche Kenntniſſe und Fertigkeiten geben, wie ſie unſre Zeit und die ſtaunenswerthen Fortſchritte, die wir auf allen Gebieten menſchlicher Thätigkeit wahrnehmen, unwiderſprechlich verlangen. Freilich iſt die Löſung dieſer Doppelaufgabe nicht leicht; ſie verlangt na⸗ mentlich bedeutende Lehrkräßte, hinreichende Localitäten und größere Sammlungen von Apparaten, Modellen und Inſtrumenten. Aber ich zweifle nicht, daß ſchon mit dem Vorhandenen das Ziel wenigſtens annähernd erreicht werden kann. Schon das letzte Programm der Anſtalt zeigt in erfreulicher Weiſe, wie ſich dieſelbe in all⸗ mählicher Entwicklung zu der Höhe ihrer Aufgabe emporgeſchwungen hat, und ich bin der feſten Zuverſicht, daß wo hier und da noch dringende Bedürfniſſe vor⸗ liegen und gerechte Anforderungen werden erhoben werden, es in beſonnenem Fort⸗ ſchreiten in nicht allzuweiter Ferne möglich werden wird, dieſelben zu befriedigen. Es wird dies aber nur unter der Bedingung möglich werden, daß ſich die Anſtalt auch fernerhin der allſeitigen Unterſtützung Derer, die für ihr Wohl zu wirken berufen ſind, und der fortdauernden hingebenden Pflichttreue aller Lehrer zu erfreuen hat. Und um dieſe Unterſtützung, ohne welche ich ſo wenig, wie irgend ein einzelner Menſch, etwas auszurichten vermag, wollte ich für mich und mein Amt ſchließlich gebeten haben. Bewahren Sie, hochgeehrte Herrn Mitglieder der Localcommiſſion, der Schule auch ferner Ihr Intereſſe und unterſtützen Sie mich gütigſt mit Ihrer größeren Local⸗ und Perſonalkenntniß. Ich bringe den beſten Willen zu meinem neuen Amte mit; aber der Wille reicht nicht aus, wenn man in ganz neue Verhältniſſe ein⸗ tritt, man muß auch ortskundig im Einzelnen werden, und ich bitte darum, wo ich vielleicht irre, mich ohne Scheu vor Verletzung des Beſſeren zu belehren. Erhalten Sie, verehrte Herrn Gemeindevorſtände, der Schule Ihre wirkſame Beihülfe. Was eine Stadt für ihre Schule thut, das thut ſie ihrer eignen Zu⸗