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Ganz dieſelbe Erſcheinung bietet uns auch die Geſchichte der hieſigen Schule dar. Es erfolgte die Organiſation vom Jahr 1838, in der offenbar der Geſichts⸗ punkt der leitende war, es ſolle an die Stelle des früheren Au uſtineums eine mehrklaſſige Volksſchule mit größerer Lehrerzahl treten, und dieſe ſolle höchſtens unter Anlehnung einer ſog. Selectenklaſſe, d. h. unter Hinzufügung einiger, faſt nur wie Privatunterricht behandelter Stunden im Lateiniſchen und Griechiſchen, allen wiſſenſchaftlichen Bedürfniſſen der hieſigen Stadt Genüge leiſten.
Aber bald zeigte ſich, wie überall, wo ähnliche Verſuche gemacht worden ſind, daß man die Erwartungen von den Leiſtungen der allgemeinen Volksſchule zu hoch geſpannt hatte. Im Schulweſen kommt es nun einmal nicht ſo ſehr auf Theorien und Ideale an, als auf Beachtung des wirklichen Lebens mit ſeinen conſtanten Verhältniſſen. Eine Schule, die allen Ständen, allen Schichten der Geſellſchaft zugleich gerecht werden will, wird bald merken, daß ſie nach keiner Seite hin etwas Tuchtiges leiſten kann. Blos auf dem Land, wo die Stellung und Beſchäftigung der Bewohner meiſt die gleiche iſt, in der einfachen Dorfſchule, können alle Kinder eines Ortes zugleich unterrichtet werden; in dem complicirten Leben der Städte aber, wo ſo viele Nüancen der Beſchäftigung, ſo viele Unterſchiede der Stellung und Lebensweiſe der Bewohner vorkommen, kann eine einzige Schulorganiſation nicht für alle Stände zugleich ausreichen.
Wäre nicht an unzähligen Orten dieſe Erfahrung gemacht worden, gerade der heeſige Boden allein ſchon hätte einen ſchlagenden Beweis für die Wahrheit meiner
ehauptung gegeben. Kaum, daß die Auguſtinerſchule als ſolche aufgehoben und an ihre Stelle die ſog. Muſterſchule getreten war, ſo regte ſich, und zwar diesmal von anderer Seite her, eine neue Reaction. War man fruher allgemein überzeugt, daß man die gelehrten Studien überſchätzt hatte, ſo äußerte man jetzt in weiten Kreiſen laut und eindringlich, daß man ſie bei der neuen Organiſation unterſchätzt habe.
Dieſer Gegenſtrömung verdankte unmittelbar nach der Organiſation von 1838 ein Privatinſtitut ſeine Entſtehung, das ich ſelbſt zwar nicht gegründet, an dem ich mich aber gleich vom zweiten Jahr ſeines Beſtehens an als itvorſteher be⸗ theiligte. Dieſes Inſtitut, das hohe Geldbeiträge von Seiten der Eltern in Anſpruch nahm, erfreute ſich in den Jahren 1838 bis 1841 einer zahlreichen Betheiligung und einer großen Gunſt des Publikums und gab den evidenten Beweis, daß in hieſiger Stadt Schulbedürfniſſe vorhanden ſeien, welche durch die ſtädtiſche Volksſchule allein nicht befriedigt werden können. Daſſelbe hat nach meinem Abgang von hier noch einige Jahre fortgedauert, verſchmolz dann ſpäter auf kurze Zeit mit der etwas erwei⸗ terten Selectenklaſſe der Muſterſchule, iſt aber der fortwirkende Anſtoß geweſen zu der Reorganiſation des hieſigen Schulweſens vom Jahr 1850, welche zum Ausgangs⸗ punkt die Wiederherſtellung der früheren Selbſtſtändigkeit der Auguſtinerſchule nahm. Der Lehrplan derſelben ſollte ſich aber— und darin liegt der berechtigte Fortſchritt
egenüber der früheren Aufgabe der Anſtalt— nicht wieder auf die gelehrten Stu⸗ dien beſchränken, ſondern er ſollte die allerernſteſte Rückſicht nehmen auf die Anſprüche des mittlerweile zu hoher Blüthe gelangten bürgerlichen Lebens und auf alle Forde⸗ rungen, die daſſelbe heut zu Tage an die Bildung der heranwachſenden Jugend macht.
Und damit, v. A., ſtehen wir, wenn ich anders die Verhältniſſe, in die mich mein neues Amt ſtellt, richtig auffaſſe, auf dem Boden der Gegenwart. Irre ich, ſo laſſe ich mich gerne von Ihrer beſſeren Kenntniß der Verhältniſſe und Ihrer ge⸗


