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Kirchen⸗ und Gemeindedienſtes vortheilhaft ausgezeichnet haben. Deßhalb hat denn auch Friedberg auf den Beſitz ſeiner Auguſtiner⸗Schule ſtets hohen Werth gelegt und darin eine Auszeichnung vor vielen andern Städten unſres Landes gefunden. Erſt in der neueren Zeit änderte ſich dieſe Stimmung, und die Auguſtiner⸗ Schule trat offenbar in der Gunſt des Publikums weit zurück gegen früher. Die Anſtalt theilte dieſe unangenehme Erfahrung mit vielen höheren Schulanſtalten in Deutſchland. Das gelehrte Schulweſen hatte ſich allmählich dem Leben der Gegenwart entfremdet, oder vielmehr das Leben war über ſie hinausgeſchritten und fand ſich in ſeinen Bedürfniſſen nicht mehr befriedigt durch dieſelben. Es war die Zeit des dritten und vierten Decenniums unſers Jahrhunderts, wo ganz neue Principien in allen Verhältniſſen des öffentlichen Lebens, ſowohl den politiſchen und bürgerlichen, wie den induſtriellen und mercantilen, auf unſerm vaterländiſchen Boden zur Geltung kamen. Unter dem Einfluß dieſer neuen Principien und Formationen gewann das Bürgerthum mit Recht eine Bedeutung für die öffentlichen Angelegen⸗ heiten, die man vorher nur in den freien Reichsſtädten gekannt hatte und die mit dieſen faſt überall in den deutſchen Ländern verloren gegangen war. Handel und Wandel lenkten unter dem ſegensreichen Einfluß des großen deutſchen Zollvereins in ganz neue Bahnen ein und nahmen vorher nie gekannte Dimenſionen an; Hand⸗ werke und Gewerbe ſtiegen in raſchem Aufſchwung zu hoher Blüthe empor, und auch die Landwirthſchaft begann allmählich ſich aus einem todten Mechanismus zu einem bewußten, ja auf wiſſenſchaftlicher Baſis ruhenden Gewerbe emporzuſchwingen. Alle dieſe Verhältniſſe konnten nicht verfehlen, ſowohl auf die Anſprüche, die man an die Leiſtungen der Schulen machte, als auch auf die Form der Schulen den tiefſten Einfluß zu äußern. Man verlangte Anſtalten, in denen nicht mehr, wie ehedem, Lateiniſch und Griechiſch die Hauptſache ſeien, ſondern in denen man mit Hülfe der gründlich und methodiſch gelehrten Mutterſprache ſolche Lehrgegenſtände in den Vordergrund ſtellte, die den Knaben und Jüngling befähigten, in all das wogende Treiben und das friſche blühende Leben der Gegenwart mit klarem Urtheil und genügenden Vorkenntniſſen einzutreten, um ſich unter der auf allen Seiten hereinbrechenden Concurrenz eine feſte und ergiebige Stellung im Leben zu verſchaffen. Das Verlangen war ein völlig berechtigtes und mußte befriedigt werden. Nur handelte es ſich um den Weg, auf dem dieſe Befriedigung eintreten ſollte. Die gelehrten Schulen ſträubten ſich vielfach gegen das neu auftauchende Verlangen und wieſen es von ſich. Aber ſofort bemächtigte ſich die inzwiſchen unter dem Einfluß des veränderten Zeitgeiſtes und unter dem weithin wirkenden großartigen Anſtoß, den ausgezeichnete, der höchſten Verehrung und Nacheiferung würdige Schulmänner, wie Salzmann und Peſtalozzi, gegeben hatten, zu einer erhöhten Bedeutung herangereifte deutſche Volksſchule jener Ziele und verſprach, allen Forderungen der Neuzeit ausreichende Rechnung zu tragen. Und ſie fand Glauben bei dieſem Verſprechen und allſeitige kräftige Unterſtützung, die ihr Nie⸗ mand von Herzen mehr gönnt, als ich. Die nächſte Folge dieſer Umwandlung der öffentlichen Meinung war aber die, daß die Volksſchule den früherhin in ſelbſt⸗ ſtändiger Geſchloſſenheit neben ihr beſtehenden gelehrten Schulanſtalten an vielen Orten den Rang ablief; die letzteren verfielen der Ungunſt des Publikums, und da man nicht rechtzeitig für ihre Reorganiſation bedacht geweſen war, ſo gingen ſie, namentlich die kleineren unter ihnen, einem ſchnellen Untergang entgegen.


