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und Kaiſern, von denen mehrere zu Zeiten ihr Hoflager hier hatten, mit den ſchätz⸗ barſten Privilegien ausgeſtattet und zu einer freien Stadt des heiligen römiſchen Reichs deutſcher Nation erhoben, hat Friedberg die lange Reihe der Jahrhunderte hindurch die Schickſale der deutſchen Reichsſtädte in Freud und Leid ſattſam ge⸗ theilt, allezeit aber in Treue und Aufopferung zu Kaiſer und Reich gehalten, bis es endlich, als die in ſich ſchon morſch gewordene Form desalten ehrwürdigen Reichs⸗ körpers durch die Stürme der Neuzeit in Trümmer ſank, unter dem Scepter unſres glorreichen heſſiſchen Fürſtenhauſes den Frieden fand, zu dem es ſein Name vorbildlich beſtimmt zu haben ſchien, den es aber oft und lange ſchmerzlich vermißt hatte. Seit dieſer Zeit hat unſre Stadt, wenn auch in neuer Form, die alte Be⸗ deutung für die umgebende geſegnete Landſchaft der Wetterau wieder gewonnen und an Ausdehnung, Bevölkerung und Wohlſtand in hohem Grade zugenommen.
Was aber in derſelben zu allen Zeiten unverändert geblieben iſt, oder vielmehr, was, von gediegener Grundlage ausgehend, zu allen Zeiten im Anſchluß an die jeweilig hervortretenden Bedürfniſſe, Strebungen und Richtungen der Zeit ſich fort und fort zu höherer Blüthe entwickelt hat, das iſt der Sinn für tüchtige Bildung und für eine gediegene Erziehung der Jugend. Und damit betreten wir recht eigentlich den Boden, auf dem wir eben ſtehen, wir treten herein in dieſe ehrwürdigen Hallen des Auguſtineums. Welche Erinnerungen umgeben uns hier, welche Fülle von Bildern aus längſt verklungener Zeit werden wach in unſrer Seele! Dieſe Stätte, her⸗ vorgegangen aus dem frommen kirchlichen Sinn der Vorfahren, reich ausgeſtattet mit Dotationen mannigfacher Art und dem Orden des heiligen Auguſtinus eingeräumt, der ſich unter den übrigen Mönchsorden durch ſtrenge Sittenreinheit und ernſten Sinn für Geiſtesbildung auszeichnete, war während des Mittelalters der Mittel⸗ punkt aller wiſſenſchaftlichen Strebungen in dieſer Stadt, in der Form eben, wie ſie jenen Zeiten eigen war. Als aber das Licht des ſchriftgemäßen Evangeliums, deſſen gottbegeiſterter Vorkämpfer bekanntlich auf ſeiner Reiſe nach Worms einige Tage hier verweilt hat, in die Kirchen und Klöſter zu leuchten begann, als mit ihm zugleich, angefacht durch Melanchthon,„den großen Lehrer Deutſchlands,“ die faſt untergegangene Liebe zu den Wiſſenſchaften in neuer Gluth die Städte des deutſchen Vaterlandes durchdrang, da wurde das Kloſter des heiligen Auguſtinus in der alten Form aufgehoben und eine Schule daraus geſchaffen, die in dieſem Jahre gerade 300 Jahre in demſelben ihren Sitz hat und der hieſigen Stadt und Gegend ein hoher Segen geworden iſt.
Im Anſchluß an die Form, welche zu Zeiten der Reformation überall das höhere Schulweſen annahm, war die Auguſtiner⸗Schule eine ſog. lateiniſche Schule unter der Leitung eines Rectors, Conrectors und Subconrectors, welche beide letztere zugleich auch die Cantoren an der Stadt⸗ und Burgkirche waren, und hatte, vorzugsweiſe eine Richtung auf die gelehrten Studien hin. Religion, lateiniſche und griechiſche Sprache waren die hervorragendſten Lehrgegenſtände; neben ihnen wurden die auf das praktiſche Leben bezüglichen Studien nur kümmerlich gepflegt. Was übrigens die Schule in dieſer ihrer urſprünglichen Form geleiſtet, das iſt in den Annalen des deutſchen Schulweſens rühmlichſt verzeichnet. Es haben an ihr treffliche Männer, bedeutende Gelehrte zu verſchiedenen Zeiten gewirkt, und aus ihren Schülern ſind allezeit Männer hervorgegangen, die nicht nur der hieſigen Stadt und Bürgerſchaft zur Zierde gereichten, ſondern ſich auch in allen Zweigen des Staats⸗,


