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In den erwähnten hinterlaſſenen Aufzeichnungen laſen wir auch, welche Eigenſchaften der Verſtorbene von dem Dirigenten einer Schule verlangte:„Der Rector, heißt es dort, ſei derjenige Mann, dem es ganz beſonders am Herzen liegt, daß die Schule als eine für den Staat und die Gemeinde nützliche und heilſame Anſtalt gedeihe und aufblühe, und der deßhalb alle Hinderniſſe, die dem entgegenſtehen, aus dem Weg zu räumen ſucht. Er wird das mit ebenſoviel Eifer als Liebe zu bewirken ſuchen. Er wird in allen Stücken ſeinen Lehrern als ein Muſter dazuſtehen ſich beſtreben. Er iſt der natürliche Berather des Lehrers in allen ſeinen Verhältniſſen, ſein Verſorger, damit er nicht Mangel leide, ſein Beiſtand denjenigen Eltern gegenüber, welche in dem Lehrer nicht den Freund ihrer Kinder erblicken.——*
Und wie er wollte, daß ein Dirigent ſei, ſo war er ſelbſt: ein Mann, dem das Wohl der ihm untergebenen Anſtalt, das Wohl der Schüler und das Wohl der Lehrer, wie Wenigen, am Herzen lag. Frei von Ehr⸗ und Ruhmſucht, frei von Eitelkeit und Herrſchſucht, frei bis auf die Spur von Falſchbeit und Heuchelei, von Argliſt und Selbſtſucht, hatte Dieffenbach bei all ſeinem Thun und Laſſen ſtets nur das Wohl der Schule und Schüler im Auge, war gegen die Lehrer jederzeit und in allen Fällen voll aufrichtigen Wohlwollens und herzlicher Theilnahme, offen und ehrlich im höchſten Grad.
Wie der Verſtorbene war als Menſch?
Was der Redner am Grabe mit ſchlichten Worten von ihm ſagte und eindringlichſt wiederholte, die volle Wahrheit enthielt es und war den rings Verſammelten, die den Entſchlafenen gekannt hatten, ſicherlich aus der Seele geſprochen:„Er war ein guter Mann!“ Fraget nach in der Familie, der er angehörte, und ihr hört aus Aller Mund: Er war die Treue, die Milde, die Herzensgüte ſelbſt. Wie iſt er noch in ſeinen letzten kranken Tagen gegen die um ihn bemühten und bekümmerten Seinigen ſo ſanft, ſo gut, ſo rückſichtsvoll geweſen! Ueberall willkommen, hatte er gleichwohl ſeit vielen Jahren faſt allem geſelligen Verkehr entſagt, weil er ſich nirgends ſo wohl und ſo glücklich fühlte, als im Kreiſe ſeiner Familie.— Aber es gibt noch einen Prüfſtein, und es iſt der beſte, woran man den guten Menſchen erkennt: Das Mitgefühl mit der Armuth und dem Unglück, der Sinn für Wohlthätigkeit. Auch darin hat der Verſtorbene die Probe beſtanden. Einem Armen zu helfen, einen Unglücklichen zu tröſten, einen halb Verlornen zu retten, das war ihm eine Herzensſache, das war ihm eine innige Freude. Mitglied des hieſigen Hülfsvereins ſeit 1817, ſeit Decennien Vorſitzender deſſelben, diente Dieffenbach dieſem ſo ſtill wie ſegensreich wirkenden Verein drei und vierzig Jahre hindurch unausgeſetzt mit einem Eifer und einer Liebe, die der höchſten Anerkennung würdig ſind. Ja, wahrlich, der Entſchlafene war ein guter Mann, und ſein Andenken ſei geſegnet!.
Dieffenbach's größere Schriften ſind folgende: Nachrichten über die Auguſtinerſchule zu Friedberg. Verſuch einer Geſchichte der Reſidenzſtadt Darmſtadt. Ueber Alterthümer in und um Friedberg. Ein Wort über Gymnaſien und Realſchulen in Heſſen. Geſchichte von Heſſen mit beſonderer Berückſichtigung des Großherzogthums. „Was wir ſind und wollen. Rede an die Gebildeten deutſcher Nation.“ Urgeſchichte der Wetterau. Geſchichte der Stadt und Burg Friedberg.
Seit dem 25. Oktober 1860 verſah der unterzeichnete dienſtälteſte Lehrer der Anſtalt proviſoriſch die Direktorialgeſchäfte.
Mittels Allerhöchſten Decrets vom 1. Februar 1861 wurde der bisherige Direktor der Realſchule zu Michelſtadt, Carl Steinberger, zum Direktor der Realſchule in Friedberg ernannt.


