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die Vorſchläge der Lehrer, ſich doch mehr zu ſchonen, mit der Antwort ab, in der Schule vergingen ihm die Schmerzen.„In meiner Schule will ich ſterben!“ äußerte er noch an einem ſeiner letzten Tage. Und in Wahrheit, man kann ſagen, Dieffenbach ſtarb in ſeinem Beruf.
Am Morgen des 20. Oktober erſchien er zum letzten Mal vor ſeinen Schülern. Von einem Spaziergang, den er an dieſem Morgen machte, heiter und wohl nach Hauſe zurückgekehrt, fühlte er ſich bald darauf unwohl und noch vor Abend ernſtlich krank. So wenig Schmerzen er empfand, ſo ward fih Zuſtand doch mit jedem Tag bedenklicher und ging in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober in ein Stadium über, welches kein Aufkommen des Kranken hoffen ließ. Am nächſten Morgen ſprach er nur wenig mehr; was er ſprach im irren Traum, bezog ſich auf die Schule. Um 11 Uhr ſollte ſich ſein Mund auf ewig ſchließen. Sein Sterben war ein ſanftes Einſchlafen.
Beſcheiden und anſpruchslos, wie Dieffenbach allezeit geweſen, wollte er, wenn er einſt ſtürbe, ganz einfach und ſtill beerdigt ſein. Den Wunſch des Verſchiedenen ehrend, hatte die Familie unter⸗ laſſen, Einladungen zur Theilnahme am Begräbniß ergehen zu laſſen. Und als Tag und Stunde kam, wo der Todte zur letzten Ruheſtätte gebracht werden ſollte, da eutfaltete ſich ein Trauerzug, wie ihn die Stadt Friedberg noch ſelten geſehen hat. Von nah und fern war man herzugeeilt, dem Würdigen die letzte Ehre zu erweiſen. Unter dem Ehrengeläute aller Glocken der Stadt ward der Mann, der am Wohl dieſer Stadt über vierzig Jahre den thätigſten Antheil genommen, der die Geſchichte dieſer Stadt ge⸗ ſchrieben, nach dem Friedhof geleitet.
Lehrer trugen den Sarg zur Gruft. Dankbare Schüler ſchmückten das Grab mit Blumen und Kränzen.
Das Begräbniß fand am Nachmittag des 27. Oktobers ſtatt. Die Grabrede hielt Herr Profeſſor Diegel; wie ſie von Herzen kam, ſo drang ſie zu Herzen. Die Textesworte waren: Siehe du haſt Viele unterwieſen und laſſe Hände geſtärkt! deine Rede hat die Gefallenen aufgerichtet und die bebenden Knie haſt du bekräftigt.— Have pia anima!
Wir dürfen dieſe Skizze nicht ſchließen, ohne uns in's Gedächtniß zurückzurufen, wie der Verſtorbene war als Lehrer und Dirigent, wie er war als Menſch.
In ſeinen hinterlaſſenen Papieren fanden wir ein Blatt, auf dem von ſeiner Hand geſchrieben ſtand, wie er wollte, daß der Lehrer ſei.„Wir verlangen, heißt es unter Anderm dort, daß der Lehrer mit Eifer ſein Amt verſehe und daß er mit Liebe an ſeinen Schülern hänge. Die Liebe wird nicht leicht etwas verderben, ſie müßte denn mit der Schwäche oder Parteilichkeit verwechſelt werden, ſie macht aber Vieles gut, auch wenn der Lehrer einmal in ſeinem Eifer zu weit gegangen iſt. Die Liebe hält ihn aufrecht in ſeinem ſchweren Beruf; die Liebe gibt die Hoffnung bei dem Schuler nicht auf, wenn der Lehrer an demſelben keine Früchte bemerkt; die Liebe endlich gibt ihm in ſpäterer Zeit den ſüßeſten Lohn, wenn der ehemalige Schüler als Mann ihm dankbar die Hand reicht.“
Wie Dieffenbach wollte, daß der Lehrer ſei, ſo war er ſelbſt: ein Vorbild treuer Pflichter⸗ füllung, ein Vorbild der Humanität und Gerechtigkeit. Er war nach dem Urtheil Aller, welche ihn in ſeinem Wirken länger zu beobachten Gelegenheit hatten, ein guter Lehrer, in der Kraft und Energie ngerer Jahre ein vortrefflicher Lehrer. Höher als das Können und Wiſſen ſtand ihm die Bravheit und ie Biederkeit; die Forderung an die Schule, daß ſie nicht bloß den Kopf, ſondern auch das Herz bilde, war bei Dieffenbach keine Phraſe, ſondern der Ausdruck ſeiner tiefſten Ueberzeugung, um ſo gewiſſer, als er ſich in ſeinem ganzen Thun und Weſen ſelbſt als einen Mann erwies, dem Schule und Leben Kopf und Herz gebildet hatten. So leicht Aeußerungen jugendlichen Muthwillens auf ſeine Milde und Nachſicht rechnen durfte, ſo wenig fand die Bosheit und die Niedrigkeit der Geſinnung vor ihm Gnade. Freundlich gegen Jedermann, war er in hohem Grade ein Freund der Kinder, und es iſt uns manches Mal wohlthuend geweſen, zu hören, wie der greiſe Mann, nach ernſter, vielleicht ſcharfer Anrede an die Schüler, ſtets mit dem freundlichſten, verſöhnlichſten„Adieu, Kinder!“ das Schulzimmer verließ. Gern ſah und veranlaßte Dieffenbach gemeinſchaftliche Ausflüge der Lehrer und Schüler, wohl wiſſend, wie ein freundlicher Umgang der Lehrer mit den Schülern auch außerhalb der Schule auf Geiſt und Gemüth der Jugend ſegensreich einwirkt.
ie er war als Dirigent?


