Jahrgang 
1861
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eine Erweiterung erfahren, hat ſich gemäß Erlaß Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direktion vom 9. Auguſt 1860 zu Herbſt vorigen Jahres verwirklicht, und es zählt nun die Anſtalt 4 Klaſſen, wovon die 3 unteren auf einen einjährigen, die oberſte auf einen zweijährigen Curſus berechnet ſind. Durch denſelben Erlaß wurde verfügt, daß der bisherige Lehrer an der hieſigen Muſterſchule, Georg Heinrich Blickhahn, provi⸗ ſoriſch an der Realſchule verwendet werde. Die Einweiſung deſſelben erfolgte am 7. Oktober 1860. Durch Verfügung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direktion vom 4. Oktober 1860 ward der bisherige proviſoriſche Reallehrer Dr. Voigt auf ſein Nachſuchen von ſeiner Stelle entbunden, und trat derſelbe am 7. Oktober aus dem Dienſte aus, um eine Erzieherſtelle bei einer deutſchen Familie in Petersburg zu übernehmen. Die beſten Wünſche ſeiner bisherigen Collegen begleiteten den Scheidenden in die weite Ferne, und das Andenken an unſer gemeinſames Wirken wird uns theuer bleiben. In derſelben Ver⸗ fügung ernannte Großherzogliche Oberſtudien⸗Direktion den Gymnaſiallehramtscandidaten Dr. Emil Glaſer zum proviſoriſchen Lehrer an der Realſchule, und ward derſelbe am 8. Oktober 1860 in ſein Amt eingewieſen.

Ein trauervolles Ereigniß, welches wir in den Annalen unſerer Anſtalt zu verzeichnen haben, iſt der am 25. Oktober 1860 erfolgte Tod ihres Direktors, des Profeſſors Dr. Dieffenbach. War dieſer auch, nachdem er der Jahre eine ſo lange Reihe zurückgelegt, nach menſchlichem Ermeſſen der Grenze des Lebens nahe gerückt, immerhin mochte, wer den 74jäéhrigen Greis noch in ſeinen letzten Tagen ſo rüſtig und rührig ſah, nur ſchwer an ein ſo nahes Ende glauben; ſein Tod kam unerwartet und war ein harter Schlag für die Angehörigen und Freunde des Verewigten, wie für die Lehrer und Schüler der Anſtalt. Indem wir dieſen Verluſt, der auch weitere Kreiſe ſchmerzlich berührte, von Seiten der Anſtalt beklagen, erübrigt uns noch, dem Geſchiedenen durch einen Rückblick auf ſein Leben in dieſen Blättern ein Erinnerungs⸗ denkmal aufzurichten.

Johann Philipp Dieffenbach wurde zu Dietzenbach(Kreis Offenbach) am 2. Juni 1786 geboren. Nachdem er im elterlichen Hauſe durch ſeinen Vater, der Pfarrer war, für die höheren Studien vorbereitet worden war, ging er 1797 auf das Gymnaſium zu Darmſtadt, welches er bis 1804 beſuchte und bezog dann die Landesuniverſität, um ſich dem Studium der Theologie zu widmen. 1806 begab er ſich nach Crefeld und gründete hier eine Privatlehranſtalt, die bald zu Ruf und Anſehen gelangte. Fünf Jahre hatte er dort in angenehmen Verhältniſſen gelebt, als die Sehnſucht nach der Heimath ihn veranlaßte, aus ſeinem bisherigen Wirkungskreis zu ſcheiden und nach Gießen zurückzukehren. Hier errichtete und leitete er eine Mädchenſchule und bereitete ſich zugleich zu den Staatsprüfungen vor, um zu promoviren. Noch ehe er indeß ſeine Abſicht erreichte, ward er in Folge Empfehlung zum Erzieher Sr. Königl. Hoheit unſers jetztregierenden Großherzogs berufen. In dieſem eben ſo ehrenvollen wie wichtigen Amt verblieb Dieffenbach über 3 Jahre und hatte während dieſer denkwürdigen Zeit Gelegen⸗ heit, manche merkwürdige Perſonen kennen zu lernen. Im Sommer 1815 es war am Tage der Schlacht bei Waterloo wanderte Dieffenbach wiederum nach Gießen, diesmal, um eine außerordentliche Profeſſur der Geſchichte und Philoſophie zu übernehmen. Oekonomiſche Verhältniſſe nöthigten ihn indeſſen, die Stelle eines akademiſchen Lehrers bald aufzugeben und ſich um das damals vacant gewordene Rektorat der Auguſtinerſchule zu Friedberg zu bewerben, welches Amt ihm im April des Jahres 1818 übertragen wurde. Nach dem Eingehen jener Anſtalt trat er 1837 als Rektor an die Spitze der damals neu errichteten Muſterſchule, deren Selektenklaſſe er führte. Nach Gründung der hieſigen Realſchule(1850) erhielt Dieffenbach die Direktion derſelben und iſt in dieſer dienſtlichen Stellung bis zu ſeinem Ableben verblieben.

Sonach hatte der Verſtorbene über ein halbes Jahrhundert als Lehrer gewirkt, davon 48 Jahre im Dienſte des Staates und weit über ein Menſchenalter als Dirigent von Lehranſtalten, denen eine große Zahl von Männern aus der Nähe und Ferne einen guten Theil ihrer Bildung verdanken. Wie viel Genuß es ihm auch gewährte, die wenige freie Zeit, welche ihm blieb, einem innern Drange folgend zu Studien und gelehrten Arbeiten auf dem Gebiete der Alterthumskunde und der vaterländiſchen Geſchichte zu verwenden, ſo fand er doch das Hauptglück ſeines Lebens im Unterricht und Verkehr mit den Schülern. Noch in den letzten Monaten, wo er zeitweiſe tage⸗ und nächtelang von den heftigſten Schmerzen gequält ward, gönnte der raſtlos thätige Greis ſich kaum eine Erleichterung, und zu wiederholten Malen lehnte er