Jahrgang 
1915
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Goetze, chrenamtlich den evangelischen Religionsunterricht für die Herren Tenter und Fahz. Dafür sei den durch ihre geistlichen Amtspflichten schon so viel belasteten Herren wärmster Dank gesagt. Freundliche Bereitwilligkeit, uns zu unterstützen. zeigten uns auch eine ganze Reihe jüngerer Herren, die wissenschaftlichen Hilfslehrer Dr. Wenz und Dr. Engel, die Probekandidaten Reh und Dr. Gerstner und die Seminarkandidaten Dr. Stipp, Simon (Klinger-O.-R.), Dr. Majer(Goethegymn.) und Ju ng, in den letzten Wochen, nach der Ein- berufung Dr. Dorschels, noch zwei Studenten, die Herren Bidot und Bieler.

Die Einschränkungen, die der Unterricht erfuhr, betrafen das Turnen(2 statt 3 Stunden). das Zeichnen(Wegfall des Linearzeichnens, 1 statt 2 Stunden Freihandzeichnen), das Singen, das auf die beiden Chorstunden beschränkt wurde, die Naturkunde(auch in III? und IV 2 statt 3 Stunden). Der sprachliche und mathematische Unterricht wurde in allen Klassen unverkürzt gehalten. Vom Religionsunterricht wurde die 3. Stunde in VI. gestrichen.

Bedenklicher als dieser Wegfall einzelner Stunden war ohne Zweifel für den Erfolg des Unterrichts die starke Beunruhigung, die das öffentliche, in sehr vielen Fällen auch das Familienleben unserer Schüler infolge des Krieges erfuhr. Andererseits gab das Außer- ordentliche dieser großen Zeit auch zahlreiche Mittel an die Hand, Geist und Charakter der Jugend eindringlicher zu beeinflussen. Und so ist denn gar manche Unterrichtsstunde ganz oder teilweise mit Stoffen ausgefüllt worden, die nicht aus den Lehrbüchern stammen, und gar mancher Kollege eröffnete oder schloß seine Geschichtsstunde, indem er mit den Schülern ein Vaterlandslied anstimmte. Aber auch die Schule in ihrer Gesamtheit wurde häufig mit dem Geiste der großen Gegenwart in Berührung gebracht. In den bewegtesten Zeiten ver- sammelten wir uns aflwöchentlich zuKriegsandachten in unserem Festsaal. Hier wurden nach einer kurzen Darlegung der Kriegslage Briefe von Kollegen oder Kameraden aus dem Felde verlesen. Gesang beschloß die kurze, 15 20 Minuten währende Versammlung, meist vor Beginn der ersten, zwischen verschiedenen Wochentagen wechselnden, Schulstunde. Besonders eindrucksvolle Höhepunkte bildeten die Sedanfeier und der Geburtstag des Kaisers. Am 2. Sep- tember hielt uns Professor Dr. Richter eine treffliche Festrede über das Thema:Der Krieg als Künder der Wahrheit. Der Eindrnck dieser Rede auf die Jugend zeigte sich in der Freudigkeit, mit der die Schüler sie, nachdem sie im Druck erschienen war, in überraschend kurzer Zeit unter die Leute brachten, sodaß sie unserer Kriegskasse 750(10 T das Stück) einbrachte. Mit lebhafter Teilnahme wurde ebenso am Kaisersgeburtstag der Vortrag begleitet, den unser Vertreter der Chemie, Herr Oberlehrer Dr. Hunke, uns überDie Entwicklung der modernen Waffen- und Schießtechnik hielt. Die größte Verbreitung, weit über den Kreis unserer und der meisten Frankfurter Schulgemeinden hinaus in eine ganze Reihe von Städten der Provinz, hat eine andere kleine Schrift Dr. Richters gefunden, die das Thema Der Krieg und die deutsche Jugend behandelt. Sie hatte in den ersten Monaten eine Auflage von 40 000 Exemplaren erreicht, und ihr Leserkreis ist noch immer im Wachsen.) ein überaus erfreulicher Beweis, wie empfänglich Schule und Elternhaus heute wieder für die idealen Güter sind, die die großen Dichter der Befreiungskriege ihren Zeitgenossen leuchten ließen: Einigkeit und Recht und Freiheit, Treue und Gottesfurcht.

Aber unsere Schüler zeigten Sich nicht nur empfänglich für die ihnen dargebotenen geistigen Werte; in nicht wenigen regte sich auch die Lust, durch eigne Leistungen in Auf- führungen und anderen der Gegenwart entsprechenden Unternehmungen der Kriegsfürsorge wertvolle Dienste zu leisten. So wurden von den Schülern einer Untersekunda drei zusammen- gehörige Szenen aus Schillers Wilhelm Tell(Ta u 4. II2) an zwei Abenden des November in unserm Festsaal, eingerahmt in eine größere musikalisch-deklamatorische Vortragsfolge, einem größeren Hörerkreise vorgeführt. Ebenso führten in der Adventszeit Obertertianer ein alt- schlesisches WeihnachtsspielHerodes an vier Abenden auf. Im Februar endlich veran-

*) Nicht wenige dieser Schulen machten mit Zustimmung des Verfassers den Ertrag dieser Schrift selbstgewählten Zwecken der Kriegsfürsorge dienstbar. 3